Blockaden statt Zusammenarbeit

Adblock Plus auf Online-Werbekonferenz unerwünscht
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Ein Adblock Plus-Manager wurde vom führenden Branchentreffen für digitale Werbung (Annual Leadership Meeting) ausgeladen. Statt gemeinsam durch Acceptable Ads eine Lösung im Streit um blockierte Werbeinhalte zu erarbeiten, wird sich die Diskussion wohl weiter verschärfen. Das Netz poltert bereits gegen die Überheblichkeit der Werbetreibenden, kritisiert aber auch Adblock Plus.

Vom 24. bis zum 26. Januar treffen sich die führenden Digital-Werbetreibenden auf dem „Annual Leadership Meeting“ in Palm Desert, Kalifornien, und diskutieren Trends und Probleme der Branche. Hauptsponsor der Konferenz, die vom Interactive Advertising Bureau (IAB) veranstaltet wird, ist Google. Die weltweit größte Branchenorganisation hat mit dem Ausschluss von Ben Williams, seines Zeichens Comms/Ops Manager bei Adblock Plus, ein klares Zeichen gesetzt.

Obwohl Williams im letzten Jahr teilgenommen hatte, ist er nun trotz anfänglicher Anmeldebestätigung ausgeschlossen worden. Ein Blog-Post auf Adblock Plus dokumentiert die E-Mail-Korrespondenz: Williams wurde trotz bezahlter Akkreditierungsgebühr mitgeteilt, dass es kein Ticket für ihn geben werde. Die Registrierungsgebühr wurde zurückerstattet. Was zunächst wie eine Belanglosigkeit klingt, wird von Williams wie auch von vielen Adblock-Plus-Usern als unmissverständliche Kampfansage wahrgenommen.

Die breite Diskussion um Werbeblocker

Während die Zahl der Werbeblocker im Netz zunimmt, gehen Verlage und Werbeindustrie immer geschlossener gegen Blocker-Extensions vor. Adblock Plus wird vorgeworfen durch Whitelistings einerseits an den Werbeeinnahmen zu partizipieren, aber andererseits die User damit hinters Licht zu führen. Vor allem die Kontroverse um bild.de hatte hierzulande im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. Der Rechtsstreit mit Springer dauert noch immer an.

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Nicht wenige Publisher reagieren inzwischen mit Gegenblockaden. Und für Branchenkenner sind solche Paywalls die logische Konsequenz des Ad-Blocker-Booms. Um zwischen beiden Seiten zu vermitteln, wurde im Oktober 2015 ein unabhängiges Gremium für akzeptable Werbung in Zusammenarbeit mit anderen Extension-Anbietern angekündigt. An dem Gremium sollten 2016 auch Vertreter von führenden Werbeplattformen wie Amazon, Google und Microsoft teilnehmen. Ob es zu einem gemeinsamen Gremium noch kommen wird, bleibt ungewiss.

Sowohl für die Kontrolle der Whitelistings als auch für eine Definition akzeptabler Werbung wäre ein gemeinsames Gremium jedoch wichtig. Vor allem nachdem sich auch Provider wie O2 und Tech-Riese Apple für Werbeblockaden ausgesprochen haben. Das Problem liegt auf der Hand: Werbung ist vielen Internetnutzern zu aufdringlich und verlangsamt die Performance der Devices. Die Krux: Kostenlose Angebote im Netz können meist nur durch Werbung aufrecht erhalten werden. Transparenz und Bereitschaft aller Beteiligten sind also gefragt.

Der Konter auf die Absage folgte promt

Indem aber Adblock Plus – die Software kann immerhin 400 Millionen Downloads vorweisen – vom „Annual Leadership Meeting“ ausgeschlossen wird, verschärfen sich die Fronten. Denn gerade auf dieser Veranstaltung hätten Lösungsansätze gemeinsam erarbeitet werden können, da die wichtigsten Werbetreibenden und Plattformen versammelt sind. Adblock-Plus-Manager Williams kontert die Absage mit Verweis auf die Verbreitung und damit auch Relevanz von Adblock Plus bei den Usern: „Dis-allowing Adblock Plus from attending your event solves nothing. We will proceed to work with others to build a sustainable monetization model for the Internet“, antwortete Williams den Veranstaltern.

Bereits im letzten Jahr hatte das IAB ein Positionspapier mit klaren Worten an Adblock-Plus-Hersteller Eyeo gerichtet und bezeichnete das Unternehmen darin als Räuberbande. Auf der Advertising Week in New York hatte Google ebenfalls seine Position zu Block-Extensions klar gemacht. Veranstalter wie auch Sponsoren des „Annual Leadership Meetings“ haben nun offenbar die Konsequenzen aus ihren Androhungen gezogen und eine mögliche Zusammenarbeit mit Adblock Plus ausgeschlossen.

Reddit: Community diskutiert weiter

Während Seitenbetreiber, Werbetreibende und Softwarehersteller die Problematik juristisch oder in Eigeninitiative klären wollen, ist die Debatte auf Reddit im vollen Gange. User, Gegner von Werbeblockern wie auch Adblock-Mitarbeiter diskutieren hier über mögliche Kompromisse und stellen die Schwierigkeiten dar. Der Tenor: Aufdringliche Werbung müsse reduziert werden, da sonst kein Blocking-User auf seine Extension verzichten wird. Vor allem automatisch abgespielte Videos mit Sound werden scharf kritisiert.

Daneben wird weiterhin das Whitelisting als zweifelhafte Einnahmensquelle angeprangert. Adblock Plus verteidigt jedoch weiterhin sein Vorgehen: „This is a very persistent misconception. No one can ‚buy‘ themselves into the whitelist. All companies that claim to have an Acceptable Ad format, will be manually reviewed by us to ensure that they comply with our extensive Acceptable Ad Criteria.“

Ein weiterer Kritikpunkt befasst sich mit der Privatsphäre der Adblock-User und dem Umgang des Unternehmens mit den User-Daten. Auch hier verweist das Eyeo darauf, dass keinerlei personenbezogene Daten erhoben werden.

Interessenkonflikte gehen in die nächste Runde

Selbst wenn Adblock Plus verboten werden sollte, gäbe es genügend Alternativen, um sich vor ungeliebter Werbung zu schützen. Allein dank der Öffnung von iOS 9 für Adblocker sind viele neue Wettbewerber auf den Markt gedrängt. Trotz der Kritik an Whitelistings müsse jedoch ein Monetarisierungsmodell her, damit auch Blocking-Extensions ihren Dienst anbieten können, schreibt ein Adblock-Mitarbeiter.

Inbesondere die Werbetreibenden scheinen zu unterschätzen, dass letztlich die Werbeblockernutzer am längeren Hebel sitzen. Und solange man sich nicht auf Standards für akzeptable Werbung einigen kann, ist der Kampf relativ aussichtslos. Angesichts mehrerer Millionen Adblock-Plus-User gehört nun mal auch der Hersteller Eyeo zu den Diskussionspartnern. Der Ausschluss von einer der wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Online-Werbung ist daher destruktiv.

Aufmacherbild: rope barrier and stair via Shutterstock, Urheberrecht: Kostsov

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