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AdBlock Plus: Unabhängiges Gremium soll über Acceptable Ads verhandeln
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Medienhäuser klagten, doch AdBlock Plus bleibt weiterhin legal. Da der öffentliche Druck jedoch zunimmt, hat der Werbeblocker nun ein unabhängiges Gremium für 2016 angekündigt, in dem Publisher, Werbetreibende und Nutzer über angemessene Werbung und Freigaben verhandeln sollen.

Der mediale Wirbel um Werbeblocker im Netz ist seit der Einführungen von iOS 9 immens. Die am häufigsten genutzte Extension AdBlock Plus hat nun nicht nur für den mobilen Browser Safari einen Content-Blocker nachgeliefert, sondern diese Woche auch den Prozess gegen Axel Springer gewonnen. Nachdem mehrere Medienhäuser gegen den Content-Blocking-Dienst geklagt hatten, ist der Dienst nun erneut für legal erklärt worden. Zu der Überzeugung ist das Kölner Landgericht nach Hamburg und München gelangt. Springer kündigte jedoch an, in Berufung zu gehen. Das Geschäftsmodell sei aus Position des Klägers rechtswidrig, da die Eyeo GmbH, zu der Adblock Plus gehört, das Werbegeschäft der Verlage behindere. Adblock brüstet sich nun auf der eigenen Unternehmensseite damit, das Springer letztlich zugegeben habe, die journalistischen Inhalte nur als Vehikel für die Vermarktung von Werbeinhalten zu verwenden. Auch wenn solcherlei Aussagen zweifelhafte Prioritäten des Verlags offenbaren, ändert dies nichts an der Tatsache, das Adblock in das Werbegeschäft der Verlage behindert. Was also tun?

AdBlock Plus will Administrationskosten abdecken

Adblock hat zwar den Rechtsstreit gewonnen, doch die öffentliche Druck wird dadurch nicht geringer. Denn allmählich rückt das Problem von Content-Blockern auch in das Bewusstsein der User: Wenn Anzeigen rigoros geblockt werden, können Verlage irgendwann ihre Inhalte nicht mehr kostenlos zur Verfügung stellen – eine klare Verlustsituation für alle Seiten. Eine mögliche Lösung sind Whitelists, also Freigaben für bestimmte Seiten, damit Anzeigen weiter ausgespielt werden können. Doch auch dieses Modell wird kritisiert, da AdBlock sich letztlich von großen Unternehmen die Freigaben für ihre Werbeinhalte bezahlen lässt. Adblock bestätigte nun, dass dies zum Geschäftsprinzip gehöre.

Adblock Plus hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass große Unternehmen Geld für das Whitelisting an die Eyeo GmbH zahlen müssen. […] Die Bezahlung ist allerdings nur als eine Entschädigung für den administrativen Aufwand und nicht für das Whitelisting der Anzeigen zu verstehen. Denn ausschließlich Anzeigen, die den Anforderungen der Acceptable Ads Initiative entsprechen, können auf die Whitelist gesetzt werden.

Das unabhängige Gremium

Adblock ist sich also der Problematik bewusst und versucht nun einzulenken. So werde seit 2011 an der Acceptable Ads Initiative gemeinschaftlich gearbeitet. In einem öffentlichen Forum werde diskutiert, welche Werbeinhalte akzeptabel sind und welche nicht. Hierbei geht es unter anderem um die Kriterien, ob Werbung störend ist, den Content unterbricht oder verdeckt. 700 Verlage und Webseiten hätten es bereits auf die Whitelist geschafft. Nur etwa 10 Prozent müssten eine Aufwandsentschädigung für die Freigabe zahlen. Bisher hatte das Unternehmen Eyeo die letzte Entscheidungsgewalt, welcher Publisher oder Werbetreibende zahlen muss.

Wenn es nach AdBlock geht, soll schon 2015 ein unabhängiges Gremium eingesetzt werden, dass über Acceptable Ads berate. „Das Gremium wird vor allen Dingen die Kriterien aktualisieren, die sich durch neue Formen der Online-Werbung laufend weiter entwickeln müssen“, heißt es in der Mitteilung. Sollte ein Gremium aus Publishern, Werbetreibenden und Nutzern zustande kommen, wäre dies zu begrüßen, da alle Betroffenen über angemessene Werbung verhandeln könnten. Eine Richtlinie zur Reduzierung der Aufdringlichkeit von Werbung und die Bereitschaft der User, ein Maß an Werbung in Kauf zu nehmen, könnte das Dilemma womöglich lösen – wären da nicht das Problem mit den Geschäftsinteressen.

Transparenz und Bereitschaft aller Beteiligten

Weder wird sich ein Springer-Verlag vorschreiben lassen, welche Werbedeals abgeschlossen werden dürfen, noch wird das Medienhaus Geld dafür ausgeben wollen, auf eine Whitelist von AdBlock zu gelangen. Und was geschieht mit den Einnahmen von AdBlock, wer kontrolliert, dass diese nur der Aufwandsentschädigung für Administration und einen sogenannten Open-Source-Dienst dienen? Fragen, die noch unbeantwortet sind und noch allerhand Diskussionsstoff liefern werden. AdBlock Plus ruft deshalb ausdrücklich zu Kritik und Feedback auf.

Auf die Ankündigung, ein Gremium einsetzen zu wollen, sollten nun konkretere Angaben zum Aufbau folgen. Transparenz ist auch dann erst geschaffen, wenn Eyeo offenlegt, welche Einnahmen es durch welche Partner generiert, – sofern sich Adblock tatsächlich als gemeinnützige Initiative begreift.

Letztlich liegt es jedoch in der Hand der User; denn die Summe ihres Verhaltens entscheidet über die weitere Entwicklung bezüglich Content-Blocking und kostenlosen redaktionellen Inhalten im Netz, und nicht ein Gerichtsentschluss, der das Problem nur verlagern wird. Ein Konsens auf beiden Seiten ist notwendig: weniger aufdringliche Werbung und Tracking-Maßnahmen, die kommuniziert werden, sowie mehr Breitschaft der Konsumenten, für Inhalte auch Anzeigen hinzunehmen.

 

Aufmacherbild: SALES GIMMICK via Shutterstock, Urheberrecht: Everett Collection

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