Facebook-Analyse

App sucht nach Facebook-Likes zum Schämen
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Wofür sollten meine Freunde und ich sich auf Facebook schämen? Eine Web-App listet die eigenen Likes und die der Freunde von zweifelhaften Seiten auf. Die kleine Big-Data-Analyse entlarvt vielleicht politisch fragwürdige Seiten und „Fehlklicks“ der Vergangenheit.

Facebook kennt sie alle – jeder Like auf der Social Media Platform wird gesammelt und bestenfalls zu Werbezwecken weiterverarbeitet oder durch andere Institutionen registriert. Doch was geschieht mit „Gefällt mir“-Angaben auf zwielichtigen Seiten, die auf eine politisch fragwürdige Haltung hinweisen? Stoßen Hooligans in ihrem News-Feed auf Anzeigen für Pyrotechnik und bekommen NPD-Sympathisanten Veranstaltungstipps zu Wagner-Opern? Wohl kaum. Eine abstruse Vorstellung, die trotzdem einige Fragen aufwirft. Was wissen wir eigentlich über unsere sogenannten Freunde bei Facebook, haben sie im Laufe ihres Facebook-Daseins bereits bedenkliche Inhalte geliked? Und was haben wir selbst vor einigen Jahren als „Gefällt mir“ markiert, wofür wir uns heute vielleicht schämen würden. Facebook vergisst nie. Um die eigenen Sünden und die unserer Facebook-Freunde wieder zu Tage zu fördern, hat der Blogger Jan Grewe eine Web-App entwickelt, mit der sich einfach schämen und fremdschämen lässt. Mit unfriend.facebook kann man der App Zugriff auf sein eigenes Facebook-Profil erlauben und eine schnelle Big-Data-Like-Analyse anfertigen lassen. Der Macher lässt in den Datenschutzbestimmungen recht deutlich durchblicken, was er von Facebook hält.

„Da Du anscheinend ein Facebook-Benutzer bist, dürfte Dir Datenschutz ja eigentlich egal sein. Sicherheitshalber wollen wir trotzdem erwähnen, dass diese Seite/App keine Deiner Daten speichert. Sämtliche Prozesse laufen nur auf Facebook-Servern und in Deinem Browser ab, von unserem Server werden nur statische Seiten und Scripts geladen.“ Impressum

Der Entwickler hat für die Analyse-Funktion überwiegend Seiten mit politisch rechter Ausrichtung verzeichnet und manch anderem fragwürdigen Content. Hat man also selbst oder einer der virtuellen Freunde jemals einen Beitrag von Pegida oder sonstigen zwielichtigen Seite geliked, so darf man sich für seine Untaten nach Abschluss der Analyse schämen und vermeintliche Freunde mit rechter Gesinnung wahlweise aus dem Freundeskreis löschen. Da bei der App nur eine Meinung, und zwar die des Entwicklers, den Maßstab von „Schlecht“ setzt, ist unter demokratischen Gesichtspunkten zumindest die Einseitigkeit zu kritisieren. Was jedoch abseits der politischen Entgleisungen für alle Facebook-Nutzer durch die App deutlich werden sollte, ist, dass Facebook über alles Bescheid weiß und jede Handlung auf der Plattform registriert. Kleine Big-Data-Analysen wie diese veranschaulichen, welche Rückschlüsse mit Algorithmen geschlossen werden können – das sollte Rückschlüsse auf das eigene Verhalten auf Social Media Plattform erlauben.

Sind deine Freunde sauber? Screenshot: http://unfriend.social/#friends

Sind deine Freunde sauber?
Screenshot: http://unfriend.social/#friends

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