Wirtschaften und engagieren

Apples und Googles soziales Engagement
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Die beiden größten US-Tech-Unternehmen übernehmen in den USA soziale Verantwortung und sind vorbildlich hinsichtlich Gleichstellung und Vielfalt am Arbeitsplatz. Außerhalb der USA hat ihr Engagement jedoch Grenzen.

Wenn es um die Datennutzung oder Wettbewerbsfragen geht, nehmen große Tech-Unternehmen wie Google oder Apple nicht gerade Vorbildfunktionen ein. Während sich Google fleißig mit Lobbyarbeit Rechte zur Datennutzung sichert und Apple den Markt durch Patentstreitigkeiten zu dominieren versucht, engagieren sich beide Unternehmen in anderer Hinsicht dennoch überaus vorbildlich. Einerseits setzen sie sich für Gleichstellung der Geschlechter und anderseits explizit gegen Rassismus ein.

Erst zu Beginn des Jahres sagte Apple über 50 Millionen US-Dollar für Diversitäts- und Inklusions-Programme zu, um Minderheiten und Frauen im Tech-Business zu fördern. So sind laut The Verge allein 40 Millionen Dollar für Förderprogramme vorgesehen, die junge, afroamerikanische Studenten auf ihrem Bildungsweg unterstützen sollen. Damit versucht das Unternehmen aus Cupertino dem Missstand entgegen zu wirken, dass Universitäten mit überwiegend afro-amerikanischen Studenten häufiger unter einem Mangel an Fördermitteln leiden. Um auch mehr Frauen für Informationstechnologie begeistern zu können, sollen in den kommenden vier Jahren zudem zehn Millionen Dollar an das National Center for Women and Information Technology (NCWIT) gehen.

Dennoch kann soziales Engagement in den USA nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeitsbedingungen der Zulieferer Foxconn und Pegatrons in China bedenklich sind. Apple selbst zeigt sich seit der öffentlich wirksamen Vorwürfe transparent und weist auf die Verantwortung hin, die es gegenüber den Zulieferern einnimmt. Trotz der Kritik, die 2013 ihren Höhepunkt erreichte, wurde noch ein Jahr später von BBC eine Undercover-Reportage über die prekären Arbeitsbedingungen bei Apples chinesischen Zulieferern veröffentlicht.  Fabrikarbeiter schlafen vor Erschöpfung nach einem 12- bis 16-Stunden-Tag am überfüllten Arbeitsplatz ein. Auch hier wäre mehr Verantwortung des Arbeitsgebers gefragt.

Google unterstützt Gruppen gegen Rassismus

Google ist ebenfalls sozial engagiert und wird für Organisationen, die gegen Rassismus vorgehen 2,35 Millionen US-Dollar bereitstellen. USA Today zufolge sollen damit Projekte und Gruppen unterstützt werden, die Polizeigewalt registrieren und eine faire Justiz fordern oder sich für einheitliche Löhne einsetzen.

Während es in den international ausgerichteten Tech-Unternehmen üblich ist, auf ethnische Vielfalt, gleiche Behandlung und Fairness in der eigenen Belegschaft Wert zu legen, ist diese Überzeugung – die offenkundig von Unternehmenserfolg gekrönt ist –, längst nicht in allen anderen Branchen präsent. Die Politik schafft es nur schleppend dahingehend Maßnahmen und Förderungen auf die Beine zu stellen. Das Engagement der Unternehmen in Bildungs- und Gleichstellungsfragen über Geschlechts- und Herkunftsgrenzen hinaus ist damit ein wertvoller, sozialer Beitrag.

Kritik an Tech-Unternehmen trotz Engagements

Dass Google und viele andere US-Tech-Unternehmen in Europa Wege einschlagen, um an den gegebenen Steuervorschriften einzelner Länder vorbei zu wirtschaften, zeugt hingegen weniger von einem sozialen Verantwortungsbewusstsein – zumindest außerhalb der USA. Google wie auch Facebook und Amazon erwirtschaften Milliardenbeträge in der EU, aber führen geringst mögliche Abgaben über einzelne Steuerschlupflöcher wie Irland oder Luxemburg ab. Zwar bewegen sie sich damit im legalen Rahmen mangels europäischer Vorschrift, doch von Verantwortlichkeit in dem jeweilgen Land, in dem gewirtschaftet wird, kann nicht die Rede sein.

Großbritannien hatte laut The Wall Street Journal zufolge bereits darüber verhandelt eine Google-Steuer einzuführen.  Seit 2012 bemühen sich einzelne Länder wie auch Italien, Tech-Unternehmen aus den USA gesondert zu besteuern. Doch die EU Kommision konnte sich bisher nicht darüber einigen, weshalb die Vorhaben der einzelnen Lander nicht umgesetzt werden konnten. Auch auf dieser Ebene spendet Google großzügig – in diesem Fall in Interessenvertreter der Lobby.

Aufmacherbild: WARSAW – JULY 17: Participants in the EuroPride Parade on July 17, 2010 in Warsaw, Poland via Schutterstock, Urheberrecht: Stanislaw Tokarski

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