Wettbewerbsstreit

Apples Werbeblocker für Safari sorgt für Aufsehen
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Apple fordert Google und Facebook mit einem weiteren Datenschutz-Vorstoß heraus. Eine Blocking-Erweiterung für Safari bei iOS 9 schreckt Wettbewerb und Verlage auf, da Werbeinhalte und Tracking blockiert werden könnten. Zeitgleich wird Apple beschuldigt Mitarbeiter zu durchleuchten.

Auf dem EPIC-Event letzte Woche präsentierte sich Apple-Chef Tim Cook wiederholt als Datenschutz-Verfechter gegenüber der Tech-Szene und schickte damit ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz um Facebook und Google – wir machen es anders als ihr. Nun wurde noch ein weiteres Detail zu Apples Privatsphäre-Vorstoß bekannt: Das auf WWDC-Keynote für den Herbst dieses Jahres vorgestellte Betriebsystem iOS 9 für iPhone und iPad wird BusinessInsider und Niemanlab zufolge den Safari-Browser mit Content Blocking Extensions ausstatten, der Werbung und unerwünschten Content blockt. Was Apple überraschender Weise unerwähnt ließ, könnte nicht nur bei den direkten Wettbewerbern für Unmut sorgen sondern gleich auch noch Verlage verschrecken, wenn Werbeinhalte und Anzeigen für mobile Apple-User schlichtweg geblockt werden würden.

Das Problem mit Apples Werbeblocker

Während Facebook erst vergangenen Monat einen Deal mit Spiegel Online und Springer (Bild) für eine engere Zusammenarbeit für Veröffentlichungen und Anzeigenvertrieb gewann, schlägt Apple nun die entgegengesetzte Richtung ein. Die Kehrseite von Block-Erweiterungen wie AdBlock ist, dass Magazine trotz Gratis-Content keine Anzeigen an die Leser ausspielen können, was wiederum den Verlagen schadet, da ihnen die Einnahmequelle entzogen wird. Anderseits schützt es die User vor lästigen Ads und über Ghostery oder ScriptBlock auch vor gemeinen Tracking-Versuchen der Seitenbetreiber. Die Gradwanderung, die Apples Werbeblocker für Safari einschlägt, könnte auch einige Schwierigkeiten und viel Unverständnis mit sich bringen. Bisher nutzen nur die wenigsten Blocker-Erweiterungen. Sollte sich aber durch Apples Vorstoß die Mehrheit der iPhone und iPad User dank der optimalen Erweiterung für einen Block entscheiden, könnte sich dieser Schritt für Google, Facebook und die Verlage bemerkbar machen.

Apple will schützen und bespitzelt selbst?

Über Android-Geräte ist es zwar auch möglich, sich Blocker für die Websuche und Apps auf dem Smartphone anzuschaffen, doch erschwert Google die Einrichtung solcher Erweiterungen. Denn schließlich lebt Google davon, dass es die Werbeplätze oder Daten vom Userverhalten verkauft. Auch für letzteren Punkt will Apple offenbar eine Schranke vorschieben, heißt es in einer Entwickler-Dokumentation zu iOS 9 Safari. So sollen die Blocking-Extensions auch keine Browser-Informationen über das Surfverhalten der Nutzer sammeln. Apple setzt mit diesem Businessmodell vehement auf Datenschutz und versucht sich vom Wettbewerb zu distanzieren. Blocking-Erweiterungen sind sogar als direkter Angriff auf die Konkurrenz zu werten. Die wird es nicht darauf beruhen lassen. In der Presse geht heute zeitgleich die Meldung um, – interessanter Weise bei Spiegel Online – dass Apple offenbar die Taschen seiner Mitarbeiter prüfe. Das Unternehmen muss sich deshalb nun auch in der Öffentlichkeit mit der Anklage auseinandersetzen, selbst die Privatsphäre seiner Mitarbeiter zu missachten. Apples Werbeblocker wird ein Balanceakt zwischen Privatsphäre und fairem Wettbewerb.

Aufmacherbild: No ads road sign via Shutterstock, Urheberrecht: JJ Studio

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