IoT-Akzeptanz

Beacons: Ein Trend sucht nach einer gemeinsamen Infrastruktur
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Beacons können unseren Alltag grundlegend verändern – doch der Markt ist noch chaotisch und die Realisierung zögerlich. Damit die Technologie endlich Verbreitung findet, braucht es einen gemeinsamen Standard, hersteller- und plattformübergreifend.

Als Apple 2013 die iBeacon-Technologie vorstellte, war der Vorstellungskraft, wie die kleinen Devices unser alltägliches Lebens verändern könnten, kaum Grenzen gesetzt. Mittlerweile ist die Begeisterung jedoch etwas abgeflacht, weil sich bei der Realisierung der Projekt einige Schwierigkeiten auftaten. Die kleinen Devices sollten im Einzelhandel wie für Infrastruktur-Projekte, beispielsweise im öffentlichen Verkehr, in Museen und Sportstätten zum Einsatz kommen und haben es auch teilweise dorthin geschafft; Einige Hürden liegen jedoch noch auf Seiten der Kompatibilität, Sicherheit, Data-Sharing und beim Remote Management. Als Google vor zwei Monaten das Open-Source-Projekt Eddystone launchte und eine plattformübergreifende Alternative zu Apples iBeacons ankündigte, bekam die IoT-Branche nochmals Aufwind.

Beacons im Anwendungsfall

Die Funktionsweise für den Anwender ist denkbar simpel: Mit Smartphone oder Tablet ausgerüstet lässt sich mithilfe der an Objekten angebrachten Beacons besser orientieren, informieren und Angebote finden. Via Bluetooth wird ein Kontakt zwischen dem mobilen Device und dem Beacon hergestellt. Der Nutzer muss nicht aktiv auf die Beacons zugreifen, sondern wird sogesehen passiv durch eine Push-Notification aufmerksam gemacht. Dafür hat er eine App, die mit den Beacons interagiert beziehungsweise die Signale ausliest und nutzerfreundlich verarbeitet. In einem bestimmten Stadtviertel kann er sich so lokale Angebote anzeigen lassen, in Museen zu Ausstellungsstücken informieren oder auch in Gebäuden wie Bahnhöfen oder Stadien präzise navigieren lassen. Auf Anbieterseite ergeben sich ebenfalls Vorteile: Ein Veranstalter etwa bekommt nicht nur genauere Daten zu Besucherzahlen und Bewegungen, sondern kann über eine App die Bewegungen großer Menschenmengen koordinieren. Ein Beispiel: Fußballspiel, 10.000 Menschen geballt auf engstem Raum suchen in der Halbzeit nach Toiletten und Verpflegung. Während einige Toiletten und Würstchenbuden heillos überlaufen sind, werden womöglich andere Einrichtungen kaum angelaufen. Über Beacons könnte die Verteilung besser organisiert werden. Nämlich dann, wenn Navigationshilfen per Push-Notification je nach Standort, nächstgelegener Einrichtung und Personenaufkommen unterschiedlich verteilt werden. Für Algorithmen kein Problem. Wieso aber konnte sich die Technologie noch nicht flächendeckend durchsetzen, obwohl fast jeder ein Smartphone in der Tasche führt und iBeacons erhältlich sind?

Erste Projekte und erste Probleme mit Beacons

Es fehlt der gemeinsame Standard, die Kompatibilität zwischen Hardware, Plattform, Device-Betriebssystem und anderen Fragen zur Datenverarbeitung und Sicherheit. Philipp von Gilsa, Head of Global Business Development von Kontakt.io und Referent auf der Mobile Tech und Internet of Things Conference 2015 in Berlin schätzt, dass bereits eine Millionen Beacons im Einsatz sind, 2019 könnten es bereits 60 Millionen sein. Darunter gibt es bereits Umsetzungen für Push-Marketing, hierzulande durch Barcoo voran getrieben, daneben in der Agrarwirtschaft getestet oder am neuen Berliner Flughafen. Gilda sieht in naher Zukunft auch Anwendungsbereiche im Haushalt und in der Gebäudeverwaltung. Hier könnten Beacons an Feuerlöschern angebracht werden, um die Wartung besser zu kontrollieren, integrierte Beacons im Kühlschrank oder in der Waschmaschine können mit einer speziellen Sensorik ausgestattet Informationen zum Gebrauch liefern oder Erinnerungen über das mobile Device ausspielen. In London sollen mehrere Tausend Beacons an Bussen angebracht werden, doch schon jetzt stellt sich die Frage, wie das Signal verwaltet wird. Es braucht eine Verschlüsselung, damit die Daten nicht durch Unbefugte abgefangen und für andere Zwecke verwendet werden. Wie lässt sich eine neue Firmware ohne Komplikationen ausspielen?, ist eine weitere Frage, die noch beantwortet werden muss.

Es fehlt noch ein ganzheitlicher Ansatz zwischen den einzelnen Herstellern und Dienstleistern von der Hardware über die Anwendungssoftware bis zum Betriebssystem der mobilen Geräte. Philipp von Gilsa sagt, dass der Markt mit Beacons noch chaotisch sei, da der Anwender nur selten ein komplettes Paket erwerben könne. Mit Googles Open-Source-Projekt könnte sich in nächster Zeit ein Wandeln vollziehen. Inwiefern iBeacons mit den Eddystone-Beacons letztendlich im Anwendungsfall kompatibel sein werden, bleibt abzuwarten. Da jedoch vor allem auf Seiten des Retail-Geschäfts und der gezielten Angebotsverteilung durch Beacons ein großen Potenzial besteht, werden die Unternehmen sich früher der später auf einen Standard einigen müssen, damit die Realisierung und Akzeptanz der Technologie weiter voran getrieben werden. Ungewisse Datenverarbeitung, Sicherheitsmängel und Inkompatibilität, die das User-Experience negativ beeinflussen, werden viele eher davon abhalten, sich auf die neue Technologie einzulassen. Die Infrastruktur sollte erst funktionstüchtig sein.

 

Aufmacherbild: Concept of businessman that builds a new business via Shutterstock, Urheberrecht: alphaspirit

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