Nur schwer zu rechtfertigen

Bespitzeln mit mobiler Spionage-Software
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Digitale Spionage ist nicht nur Sache der NSA, sondern Alltag in Büros, Familien und Beziehungen. Jeder kann durch einfach zugängliche Software Arbeitnehmer oder Partner überwachen. Ist die Spionage der Arbeitshaltung und Sicherheit der Familie aber immer gerechtfertigt?

Wann ist es angemessen, die Nachrichten des Lebensgefährten, die Kontakte und Apps der Kinder oder den Aufenthalt und die Emails der Angestellten durch Spionage-Software zu überprüfen? Tracking gehört zum Kerngeschäft vieler Tech-Unternehmen, die mehr über das Nutzerverhalten erfahren möchten und oft auch nur darüber ihre Dienste kostenlos anbieten können. Facebook, Google, Twitter – sie alle haben ein Interesse daran, mehr über ihre Nutzer zu erfahren, da hierüber nicht nur das Angebot verbessert werden kann, sondern sich auch über den Verkauf der User-Informationen Werbekunden finden lassen. Während diese Interessen und Verhaltensmuster zumindest auf die IP-Adresse, das Endgerät und den Ort der User beschränkt bleiben und diese nicht als natürliche Person mit all ihren persönlichen Daten identifiziert werden, geht manch eine Spionage-Software, die von Privatpersonen oder Arbeitgebern eingesetzt wird, deutlich detaillierter vor.

Was kann man mit Tracking-Software überprüfen?

Seitdem jeder mit einem mobilen Device ausgestattet ist, Social Media Dienste und Messenger genutzt werden, ist die Nachfrage größer denn je. Viele greifen dafür zur handelsüblichen Spionage-Software, um ihre Angestellten oder gar Familienmitglieder und Partner besser kontrollieren zu können. Die Gründe sind auf den ersten Blick recht einleuchtend: Es besteht ein begründetes Misstrauen gegenüber dem Partner, zum Schutz und Wohl der Familie oder die Effizienz des Unternehmens soll gesteigert werden, indem die Arbeitshaltung der Angestellten überprüft wird. Wer ein Mal Zugriff auf den Rechner, das Smartphone oder Tablet einer anderen Person hat, kann problemlos in wenigen Minuten eine Spionage-Software installieren. Der Betroffene sieht keinerlei Veränderung auf seinem Device, doch der Detektiv kann nunmehr alle Aktivitäten bequem von seinen Geräten aus verfolgen: Anruf-Protokolle, GPS-Position, Kalender-Updates, Text-Mitteilungen sämtlicher Messenger, E-Mails, Surf-Verhalten und vieles mehr. Software-Lösungen werden für private Zwecke wie auch für geschäftliche Einsatzgebiete angeboten.

Besorgte Eltern können die Wege und Kontakte ihrer Kinder kontrollieren, Arbeitgeber prüfen, wie der Dienstrechner und die Arbeitszeit genutzt werden. Vor allem dann, wenn es um das Vertrauen und die Sicherheit geht, setzen viele lieber auf die Zuverlässigkeit der Software, als auf die Ehrlichkeit des Mitarbeiters oder Partners. Die marktführende Spionage-Software des britischen Herstellers mSpy wird auf YouTube indirekt von Personen beworben, die dank der Technik ihre Lebensgefährten überführt haben. So berichten sie, dass die Software ihr Leben zum Guten gewendet habe, da sie dank der Spionage herausfinden konnten, dass sie von ihrem Partner betrogen wurden. Doch noch andere Gründe für den Einsatz werden von Befürwortern geltend gemacht.

Viele Gründe rechtfertigen Überwachung

Eine in Australien durchgeführte Studie von VicHealth mit fast 2000 Probanden im Alter zwischen 16 und 24 Jahren wollte die Einstellung der befragten Personen bezüglich Gewalt gegen Frauen aufdecken. Um etwa Vergewaltigung oder Nötigung zu verhindern, sprachen sich 84 Prozent der Befragten für eine Software-Lösungen aus, obwohl sie es bedenklich fänden, wenn diese ohne ihr Einverständnis installiert werden würde. 46 Prozent stimmten zu, dass die Kontrolle bis zu einem gewissen Grad akzeptabel sei. Die Studie zeigt doch recht anschaulich, wie stark das Bedürfnis auch in der jüngeren Generation vorherrscht, durch Tracking-Software, Kontrolle zu übernehmen. Nicht nur Behörden argumentieren, dass Sicherheit mitunter vor Privatsphäre gehe, sondern offenbar auch die Betroffenen selbst sprechen sich unter bestimmten Voraussetzungen für mehr Überwachung aus – nur eben in ihrem privaten Umfeld. Angst vor Vergewaltigung rechtfertigt den Einsatz von Spionage-Software noch mehr als die bloße Eifersucht – obwohl auch diese dadurch gelindert werden kann.

Die Konsequenz der gerechtfertigten Spionage

Für jeden zugängliche Spionage-Software wie die von mSpy wird zwar aus ethischen und rechtlichen Gesichtspunkten kritisiert, doch besteht ein öffentliches wie auch privates Bedürfnis, nach mehr Kontrolle. Der Arbeitgeber will sicher gehen, dass seine Ressourcen und Arbeitsmittel bestmöglich verwendet werden; Der Vater möchte sicher gehen, dass seine Kinder nicht ausgegrenzt werden oder sich mit zwielichtigen Personen abgeben und die Frau will wissen, ob sie von ihrem Mann betrogen wird. Spionage kann unabhängig vom Geschlecht oder der sozialen Stellung gerechtfertigt werden; je nachdem, aus welchem Standpunkt heraus argumentiert wird. Für alle diese Beweggründe gibt es erschwingliche und professionelle Software-Lösungen. Da jeder mit der entsprechenden Hardware ausgestattet ist und die Spionageprogramme plattformübergreifend und ohne besondere IT-Kenntnisse installiert werden können, ist der Schritt zur Überwachung denkbar einfach.

Ob es auch immer angemessen ist, sollte jeder für sich herausfinden und zunächst fragen, in welcher Situation er selbst nicht überwacht werden möchte. Sollte es auch nur einen triftigen Grund dafür geben, ist die gesamte Überwachung in Frage zu stellen. Denn einerseits für sich zu beanspruchen, nicht von Behörden, Unternehmen oder gar der Familie und dem Partner ausgehorcht und verfolgt zu werden, aber demgegenüber die Überwachung anderer Personen zu befürworten, ist nicht nur inkonsequent, sondern auch ungerechtfertigt. Aus jeder Position lassen sich plausible Gründe anführen, weshalb ein Maß an Überwachung sinnvoll ist, vor allem dann, wenn Aspekte der Sicherheit, Wohlfahrt und Effizienz angeführt werden. Das Problem ist nur, je mehr Gründe geltend gemacht werden, desto mehr nimmt insgesamt in allen Lebensbereichen auch die Überwachung, das Tracking und Aushorchen zu. So, wie man selbst Gründe findet, wird sie auch der Nachbar finden. Eine Maßhaltung kann dahingehend kaum bewerkstelligt werden, wenn sich jeder aus plausiblen Gründen das Recht herausnimmt, überprüfen und überwachen zu dürfen.

Aufmacherbild: Teenage boy peeping through keyhole via Shutterstock/  Urheberrecht:  Everett Collection

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