Springer gegen Adblock, Axel Springer Blocker gegen den Verlag

Bild.de und die Adblocker
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Es ist der große Krieg um das Internet und seine Nutzer(-daten). Auf der einen Seite stehen die Anbieter redaktioneller Inhalte im Web, die ihre Einnahmen durch Werbeblocker schwinden sehen. Dagegen stellen sich die Betreiber von Adblockern, die ihre Software als eine Art digitaler Selbstverteidigung gegen die ausufernde Werbeindustrie bezeichnen. Der neuste Krisenherd entbrennt nun zwischen Adblock Plus und dem Axel Springer Verlag.

Die Eyeo GmbH, das Unternehmen hinter dem bekannten Werbeblocker Adblock Plus, kennt es ja schon: Sie wurden wieder einmal verklagt. Dieses Mal war es der Axel Springer Verlag, der versuchte, dem Adblocker das Handwerk zu legen. Doch auch dieser Versuch war, wie bisher jeder, nicht von Erfolg gekrönt. Zwar sollen die Anwälte des Verlags vor Gericht sogar damit argumentiert haben, dass es sich bei der Vermarktung von Werbung um das Kerngeschäft des Unternehmens handele und journalistische Inhalte nur ein Mittel zum Zweck seien. Darum müsse sich das Unternehmen also vor Angriffen auf dieses Geschäftsmodell schützen dürfen, so habe die Argumentation der Anwälte laut den Machern von Adblock gelautet (was allerdings nie vom Verlag bestätigt wurde). Geholfen hat aber am Ende auch das nicht. Der Axel Springer Verlag hat verloren.

Man könnte nun denken, dass sie daraufhin Ruhe gegeben oder gar über neue Werbestrategien nachgedacht hätten. Immerhin arbeitet Adblock Plus ja mit einer Whitelist, die bestimmte Arten nicht aufdringlicher Werbung bei aktiviertem Werbeschutz standardmäßig durchlässt. Wer jedoch den Springer-Verlag kennt, ahnt bereits, dass sie sich nicht so leicht geschlagen geben. Sie holten also zum Gegenschlag aus.

Paywall voraus!

Seit dem 13. Oktober 2015 müssen Nutzer von Werbeblockern nun auf die Inhalte von Bild.de verzichten. Künftig bekommen sie gar nichts mehr zu sehen – bis sie ihren Adblocker ausschalten oder ein spezielles Abo für 2,99€ im Monat abschließen. Das großzügige Angebot des Verlags: Für den monatlichen Preis bekommt der Nutzer eine zu 90 Prozent werbefreie Website, die um 50 Prozent schneller lädt. Klingt doch verlockend.

Die Paywall auf Bild.de (Quelle: Screenshot Bild.de)

Die Paywall auf Bild.de (Quelle: Screenshot Bild.de)

Ein solches Abomodell könnte für die Zukunft des Internets durchaus eine interessante Idee darstellen. Immerhin müssen redaktionelle Inhalte ja wirklich irgendwie finanziert werden und wenn die aktuelle Form der Werbung nicht mehr akzeptiert wird, müssen neue Lösungen her. Ob die Vorstellungen des Springer-Verlags jedoch maßgeblich zur Entwicklung einer langfristigen Lösung beitragen werden, ist fraglich.

Die Rache für die Rache

Das vollständige Verstecken hinter einer Paywall könnte nun nämlich eine Art Streisand-Effekt hervorrufen. Damit wird ein Phänomen beschrieben, bei dem der Versuch, unliebsame Informationen zu unterdrücken, nur zu noch mehr öffentlicher Aufmerksamkeit führt. Genau das scheint dem Springer-Verlag zu passieren. Als unmittelbare Reaktion auf diese Aktion des Verlags wurde nun ein Axel Springer Blocker veröffentlicht, der so gut wie alle Websites blockiert, die aus dem Hause Springer kommen. Dabei handelt es sich  nicht um ein Projekt der Eyeo GmbH, so viel muss dazu gesagt werden, und der neue Blocker ist ironischer Weise ausgerechnet mit Adblock Plus inkompatibel. Dennoch zeigt er gut, wie sich die Stimmung im Internet entwickelt.

Die Nutzerschaft ist also nicht mehr bereit, sich alles gefallen zu lassen. Ob Verlage in dieser Situation damit weiterkommen, Forderungen an ihre Nutzer zu stellen? Daran darf gezweifelt werden. Gerade, wenn es um mehr als nur den Nerv-Faktor der Werbung geht, haben die Anbieter von Werbeblockern nämlich ziemlich gute Argumente für ihre Produkte. Und eins davon liefert der Springer-Verlag in seinem neusten Paywall-Konzept gleich selbst: Bild.de lädt also doppelt so schnell, wenn 90 Prozent an Werbung entfernt werden. Wer möchte da noch drauf warten, dass viel teurer Traffic für Werbeanzeigen draufgeht, die nur die wenigsten ernsthaft sehen möchte?

Aufmacherbild: Hand of boxer and punching bag over black background von Shutterstock / Urheberrecht: Master1305

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