Privatsphäre contra Sicherheitsbedürfnis – Blackberry sucht die Balance

Blackberry kritisiert Apples kompromisslosen Datenschutz
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Apple macht die Schotten dicht gegen staatliche Eingriffe und will die Privatsphäre seiner Nutzer kompromisslos beschützen. Blackberry-CEO John Chen hat nun auf die Problematik von Apples Politik hingewiesen und sucht den Konsens zwischen User und Staat. Dabei nimmt er auch die Provider in die Pflicht und verweist auf die Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.

Die Martdurchdringung von Blackberry-Devices ist im Vergleich zu den Mobile-Leadern aus dem Android- und iPhone-Segment verschwindend gering – Tendenz weiter fallend. Der in dieser Woche veröffentlichte IDC Mobile Trend Report zeigt eindrucksvoll, dass das Interesse der Developer an der Entwicklung für die Blackberry-Plattform weiter schwindet. Nachdem die Einnahmen in den vergangenen Jahr konstant fielen und sich große Entwicklungsplattform wie Chayns aus dem Blackberry Store verabschiedeten, wurde es ruhig um das einst geschätzte Tasten-Smartphone. Doch nun hat sich CEO John Chen zu Wort gemeldet: Und zwar mit einer klaren Distanzierung von Apples Unternehmenspolitik und einer Kompromisslösung in der Privatsphäre- und Sicherheits-Debatte. Die Absicht ist klar: Blackberry will sich so eine Nische zurück erobern.

Tim Cook bringt Apple auf rigorosen Datenschutz-Kurs

Apple hat in diesem Jahr gleich mehrmals klar gemacht, dass die Privatsphäre und Sicherheit der eigenen Kunden die höchste Priorität habe. So hat sich CEO Tim Cook nicht nur vor Krypotgraphie-Experten auf dem EPIC-Event gegen staatliche Eingriffe ausgesprochen, sondern auch dem geplanten Cyberüberwachungsgesetz CISA eine klare Absage erteilt. Apple verteidigt seine Strategie, keine Hintertürchen für behördliche Zugriffe offen zu lassen und leistet Widerstand gegen angestrebte Gesetzesentwürfe für juristisch legitimierte Kundendatenabfragen. Eine Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen kommt für Apple grundsätzlich nicht in Frage. Diese rigorose Haltung zur Wahrung des unternehmensinternen Datenschutzes ist nun von Blackberry-Chef John Chen vehement kritisiert worden.

Blackberry nennt die Konsequenzen

Ohne Apple direkt beim Namen zu nennen, verweist Chen im offiziellen Blackberry Blog auf einen Artikel von ArsTechnica, in dem das Unternehmen wegen seiner Weigerung Kundendaten herauszugeben kritisiert wird. Apple habe die Ermittlungen gegen einen bekannten Drogen-Dealer behindert, weil es sich weigerte, den Zugriff auf das iPhone des Beschuldigten frei zu geben. Doch dies sei Chen zufolge nur eines von vielen Beispielen, in denen sich ein „einflussreiches Tech-Unternehmen“ einem „höheren Gut“ zugunsten der eigenen Marken-Reputation verschließe. Statt nämlich in dringlichen Fällen mit staatlichen Behörden zu kooperieren, würde Apple sich völlig gegen eine sinnvolle Zusammenarbeit sperren. Blackberry möchte sich stattdessen als Mittler zwischen der Privatsphäreinteressen seiner Nutzer und den Ermittlungsinteressen von staatlichen Sicherheitsbehörden positionieren.

Bewährte Taktik beschwören

Damit schlägt Blackberry keine neue Richtung ein, sondern beruft sich auf seine langjährige Expertise im Sicherheitsbereich – eine Expertise, die sich auch Apple immer mehr auf die Fahnen schreibt. Spätestens seit der Kanzlerhandy-Affäre 2013 und dem von der NSA abgehörten Nokia-Handy konnte Blackberry sich von seiner besten Seite in Sachen Privatsphäre zeigen. Denn das Zweithandy der Kanzlerin, ein BlackBerry Z10 für vertrauliche Staatsgespräche, soll abhörsicher gewesen sein. Auch Barack Obama ist bekennender Blackberry-User. Im Vergleich wirkt es fast schon ironisch, dass der russische Ministerpräsident Dmitry Medvedev auf das iPhone schwört und Putin ganz die Finger von Smartphones lässt, wie The Guardian berichtet.

Man könnte dem ehemaligen KGB-Spion Putin zumindest zugute halten, dass er wissen sollte, dass Telekommunikation nie völlig abhörsicher ist. Doch im Fall von Chens Ansatz soll sie das auch nicht sein. Vollkommen aufs Smartphone zu verzichten ist ebenso wenig eine Lösung, wie sich auf vermeintlich sichere Verschlüsselungen zu berufen. Die neuerdings von US-Präsidentschaftskandidaten geäußerte Forderung, das Recht auf freie Meinungsäußerung im Netz bei Sicherheitsbedenken einzuschränken, urteilt Chen gleichfalls als weltfremd ab. Der Blackberry-Chef plädiert vielmehr für eine Zwischenlösung, um sowohl Forderungen nach Privatsphäre als auch nach Bekämpfung der Cyberkriminalität unter einen Hut zu bringen.

Vorbild in Sachen Kompromissbereitschaft

Als Beispiel führt Chen den Messenger Telegram an. Nach den Pariser Anschlägen am 13. November wurde Kritik laut, dass terroristische Absprachen u.a. über Telegram geregelt worden seien. Doch noch bevor die Diskussion geführt wurde, ob Softwarehersteller Beihilfe zum Terrorismus leisten, schloss Telegram einige Channels, über die IS-Organisatoren kommunizierten. Der Messenger setzt auf Verschlüsselung, dennoch konnte das Unternehmen im Ernstfall eingreifen. Chen macht hier auf den Unterschied zwischen Point-to-Point-Messenger für zwei Personen und der Gruppen-Chat-Funktion (Channels) aufmerksam. So sagt er, dass die Privatsphäre der einzelnen User zu schützen sei, aber der Provider eines solchen Dienstes auch eine Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft habe. Auffällige Gruppenaktivitäten abseits der Legalität müssten dieser Logik entsprechend auch von den Unternehmen im Auge behalten und bei Behörden gemeldet werden.

Mit seinem Ansinnen, eine Balance zwischen Privatsphäre, Staat und Unternehmensverantwortung herzustellen, dürfte John Chen der Politik aus dem Herzen sprechen. Aber auch Unternehmenskunden, die Blackberry-Devices und die Messenger-Funktion noch zur internen Kommunikation nutzen, dürften diesem Ansatz zustimmen. Auf jeden Fall klingt Blackberrys Standpunkt weitaus kompromissbereiter als die rigorose Maxime Apples, niemanden die Privatsphäre der eigenen Kunden verletzen zu lassen. Allerdings bleibt Blackberry noch einen konkreten Plan für das weitere Vorgehen schuldig. Denn private Nutzer eines Blackberrys werden sicherlich wissen wollen, welche Schlupfwinkel das Unternehmen Behörden freiwillig einräumen möchte und welche Kontrollmaßnahmen es in eigener Verantwortung realisieren wird.

 

Aufmacherbild: Moscow, Russia – May 25, 2015: BlackBerry Leap back, Apple MacBook Pro Retina, Parrot Zik ear-flaps and BlackBerry accessorizes. BlackBerry Leap was released at Mobile World Congresson March 3, 2015. via Shutterstock, Urheberrecht:  Svetlana Dikhtyareva

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