Bildungsperspektiven

Coding in Schulen lernen? IT-Frühförderung als Modell
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Google stellt drei Fächer vor, durch die Schüler schon frühzeitig an die Informationstechnologie und den Umgang mit dem Internet herangeführt werden. Von praktischen Grundkenntnissen bis zum Coding. In Anbetracht des IT-Fachkräftebedarfs sollen Interessen und Begabungen so schon früh gefördert werden.

Der Mangel an IT-Fachkräften hält weiter an. Ende 2014 gab es allein 41.000 offene IT-Stellen. Unternehmen werben um Coding-Experten, Entwickler, Administratoren und Data-Analysten – und die Nachfrage steigt. Höchste Zeit also, dass sich Unternehmen und Bildungsministerien darüber Gedanken machen, Informationstechnologie sehr viel früher und in einer größeren Bandbreite in Schulen zu lehren. Das Angebot an Computer Science Studiengängen an Universitäten und Förderprogrammen vermag den Mangel an IT-Profis nicht allein abzufangen – vor allem dann nicht, wenn sich überwiegend nur Männer aus bestimmten Gesellschaftsschichten bewerben. Eine geschlechtsunabhängige Frühförderung durch alle sozialen Gruppen für digitale Grundkenntnisse hingegen schon. Zwar bringt nicht jeder das nötige abstrakte Verständnis für Programmiersprachen mit, doch auch in anderen IT-Bereichen sind Mitarbeiter gefragt, die mit Internet- oder Anwendungs-Skills ausgestattet sind – doch auch das will erst gelernt sein. In den USA gibt es bereits einige erfolgreiche Programme wie Hour of Code, die auch Minderheiten die Chance bieten, schon frühzeitig IT-Kenntnisse zu erlangen. Vor allem Google beteiligt sich an der Förderung junger Menschen und hat jüngst einen Beitrag veröffentlicht, der drei Unterrichtsdisziplinen vorstellt, wie sie an der Schule gelehrt werden könnten.

Die drei Fächer für das digitale Grundverständnis

Große Tech-Unternehmen, aber auch Startups, die IT-Support in unterschiedlichster Hinsicht benötigen, beschäftigen unlängst Fachkräfte aus dem Ausland, oftmals Freelancer. Doch auch die werden knapp, Absprachen und Kommunikation sind mitunter beschwerlich und können einen IT-Profi vor Ort nur unzureichend ersetzen. Das haben führende Tech-Unternehmen wie Google erkannt. Google befürwortet deshalb, dass bereits in der Schule ein dreigliedriges Unterrichtsmodell für Computerverständnisse gelehrt wird. Damit beginnend, dass Schüler die Grundkenntnisse im Umgang mit Anwendungen erlernen. Gemeint sind zunächst absolute Basics der Umgang mit Spreadsheet-Anwendungen (Office), Web-Anwendungen (Browser-Funktionen) oder auch Sicherheitsvorkehrungen, die es im Netz zu beachten gilt. Um ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge im Netz (Analysen durch Big Data) oder auch einfache logische Schlüsse (Wenn-Dann-Prinzipien) für Programmiersprachen und Algorithmen-Funktionsweisen zu gewinnen, soll erweiternd über das Fach „computational thinking“ die zuvor gewonnenen Grundkenntnisse in theoretischer Hinsicht vertieft werden. Diejenige, die über die praktischen wie theoretischen Grundkenntnisse hinaus sich weiter in dem Bereich umschauen möchten und den akademischen Weg einschlagen wollen, könnten zur Vorbereitung auf ihr Studium bereits Coding-Unterricht in der Schule wählen, so wie heute Spanisch oder Latein als Leistungsfach gewählt wird.

Unternehmen bieten Vorbild für den Staat

Die frühe Förderung in praktischer wie theoretischer Hinsicht könnte auch das Interesse bei denjenigen Schülern für den IT-Bereich wecken, zu dem viele heutzutage aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder ihres Geschlechts keinen direkten Zugang haben und somit auch keine Begeisterung finden können. Zwar wachsen schon Kinder mit Tablets und Smartphone auf und wissen diese besser zu bedienen als manch einer, der vor den Neunzigern geboren wurde, doch die Konsequenzen und die Zusammenhänge hinter der Technologie sind dabei den wenigsten bewusst. Wie auch, wenn nicht schon in der Schule dahingehend Aufklärungsarbeit geleistet wird und Schüler die Chance bekommen, sich an der Technologie mit entsprechender Förderung selbst zu erproben. Die EU hat bereits mit der Europe Code Week ein Projekt eröffnet, mit dem vor der EU Kommission für ein entsprechendes Schulmodell der IT-Frühförderung geworben wird. Das Problem bleibt aber letztlich, dass Bildung nicht nur Staaten- sondern hierzulande auch noch Ländersache ist. Was also zu dieser Thematik auf den Lehrplan kommt, kann sich nicht nur noch eine Weile hinaus zögern, sondern könnte auch stark voneinander abweichen. Unternehmen wie Google und selbst das BKA, das Förderprogramme für IT-Studenten anbietet, sind zumindest der richtige Impuls, dass auf staatlicher Seite mehr getan werden muss – und zwar früher.

Aufmacherbild: Teacher or scientist writing PHP source code from webpage on blackboard via Shutterstock, Urheberrecht: Shawn Hempel

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