Statistik zur Datensicherheit

Cyberkriminalität in deutschen Behörden
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Eine Umfrage unter 70 Sicherheitsverantwortlichen von deutschen Behörden hat nun ergeben, dass digitale Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl auch hierzulande nicht ungewöhnlich ist.

Die US-Sicherheitsberaterin für Heimatschutz und Anti-Terror-Bekämpfung, Lisa Monaco, hat die Hacker-Angriffe auf Unternehmen und staatliche Einrichtungen vor wenigen Monaten als eine der größten Bedrohungen unserer Zeit bezeichnet. Der weitreichende Angriff auf Sony Pictures wegen der Nordkorea-Parodie „The Interview“ hat den USA offenbar weiteren Anstoß gegeben, die Netzsicherheit vor ausländischen Angriffen zu erhöhen. Auch aufgrund weiterer Hacker-Angriffe auf staatliche Einrichtungen haben die USA die neue Behörde Cyber Threat Intelligence Integration Center gegründet. Doch wie ist es in Deutschland um die Datensicherheit bei Behörden gestellt? Eine BITKOM-Umfrage unter 70 Sicherheitsverantwortlichen von deutschen Behörden hat nun ergeben, dass digitale Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl auch hierzulande nicht ungewöhnlich ist.

Fast die Hälfte (49 Prozent) der Behörden in Deutschland verzeichneten in den vergangenen zwei Jahren Fälle von Cyberkriminalität in Form von digitaler Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl. Häufigstes Delikt ist mit einem Anteil von 26 Prozent Social Engineering. Dabei geht es darum, Mitarbeiter zu manipulieren, um an bestimmte Informationen zu gelangen. Bei 23 Prozent der Behörden sind IT-Geräte wie Computer oder Smartphones mit sensiblen Daten gestohlen worden und bei 21 Prozent sind die IT-Systeme sabotiert worden. Ein Fünftel (20 Prozent) der Befragten berichtet, dass sensible Dokumente entwendet wurden und bei jeder zehnten Behörde (10 Prozent) sind E-Mails ausgespäht oder Gespräche abgehört worden. „Behörden sind ein attraktives Angriffsziel für Cyberkriminelle und Geheimdienste“, sagt Susanne Dehmel, Bitkom-Geschäftsleiterin Vertrauen und Sicherheit. „Neben politischen Informationen sind die Angreifer auch an wirtschaftlich verwertbaren Hinweisen interessiert.“ Das können zum Beispiel Angaben zu Genehmigungs- oder Vergabeverfahren sein.

Für den Schutz ihrer Informationen setzen alle befragten Behörden technische Maßnahmen der IT-Sicherheit ein. Fast alle Einrichtungen (94 Prozent) haben Maßnahmen der organisatorischen IT-Sicherheit ergriffen, zum Beispiel Verhaltensrichtlinien oder Notfallpläne ausgearbeitet. In vier von fünf (80 Prozent) Behörden gibt es physische Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel um Gebäude und Einrichtungen zu schützen. Dagegen ergreifen nicht mal ein Drittel (30 Prozent) Maßnahmen der personellen Sicherheit, zu denen unter anderem Schulungen der Mitarbeiter oder Sicherheitsüberprüfungen von Bewerbern gehören. „Die personelle Sicherheit wird häufig vernachlässigt. Dabei sind die eigenen Mitarbeiter die wichtigsten Garanten für den Schutz der Behörden“, betont Dehmel. „Die meisten Sicherheitsvorfälle werden, bewusst oder aus Unachtsamkeit, von aktuellen oder ehemaligen Beschäftigten verursacht.“

Wie in der Privatwirtschaft verfügen öffentliche Einrichtungen über einen guten Basisschutz bei der technischen Sicherung ihrer IT-Systeme. Laut Umfrage verfügen alle befragten Behörden über Virenscanner, Firewalls und einen Passwortschutz für die verwendeten Geräte. Immerhin 84 Prozent der öffentlichen Einrichtungen verschlüsseln ihre Netzwerkverbindungen und 59 Prozent verschlüsseln Daten auf Festplatten oder anderen Datenträgern. Dagegen setzen nur 26 Prozent auf eine Verschlüsselung ihres E-Mail-Verkehrs. „Wie in der Privatwirtschaft setzen Behörden noch zu selten umfassende IT-Sicherheitsmaßnahmen ein. Der Basisschutz mit Virenscannern und Firewalls reicht nicht mehr aus“, sagte Dehmel. So nutzen nur 37 Prozent spezielle Angriffserkennungssysteme für Attacken von außen (Intrusion Detection) und 27 Prozent verfügen über eine Absicherung gegen Datenabfluss von innen (Data Leakage Prevention). Diese Systeme analysieren die Datenströme in einer Organisation und melden verdächtige Aktivitäten. Nur jede zehnte Behörde (11 Prozent) setzt erweiterte Verfahren zur Benutzeridentifikation ein, zum Beispiel eine Zwei-Faktor-Authentifizierung oder biometrische Merkmale.

Gut ein Drittel (36 Prozent) überprüft die eigenen Sicherheitskonzepte mit Hilfe so genannter Penetrationstests, bei der Angriffe simuliert werden. Immerhin 43 Prozent der befragten Sicherheitsexperten halten die Maßnahmen ihrer Behörde für die frühzeitige Erkennung von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage für nicht ausreichend.

Aufmacherbild: Beautiful brown male eyes spying through roller blind with magnifying glass via Shutterstock / Urheberrecht: wavebreakmedia

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