Big Data

Datenschutz: Apple gibt sich als Vorbild und kritisiert Wettbewerb
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Tim Cook kritisiert die Regierung, Google und Facebook für ihren Umgang mit Userdaten. Die Kritik ist berechtigt wie zwiespältig, denn auch dahinter stehen Marktinteressen. Datenschutz wird für viele Unternehmen zum digitalen Bio-Siegel.

Der Ton zwischen führenden US-Tech-Unternehmen wird zusehends schärfer. Dass die Meinungen und Marktinteressen gegenüber Big Data nicht alle gleich geartet sind, hat Apple CEO Tim Cook, gestern auf dem EPIC-Event (Electronic Privacy Information Center) nachdrücklich betont: „Wie viele von euch, lehnt auch Apple es ab, dass unsere Kunden einen Kompromiss zwischen Privatsphäre und Sicherheit eingehen müssen.“ Dass Cook als Unternehmer dem Event eines gemeinnützigen Forschungsinstituts in Washington beiwohnte, das unter anderen von Krypotgraphie-Experten wie Bruce Schneier veranstaltet wird, ist bezeichnend. Während gerade Tech-Unternehmen wie Apple, Facebook, Twitter, Google und Amazon vor allem aus europäischer Sicht aufgrund ihres Umgangs mit Userdaten ähnlich bedrohlich angesehen werden, haben sich die Wettbewerber längst mit ihrer Unternehmenspolitik unterschiedlich positioniert.

“We can, and we must provide both in equal measure. We believe that people have a fundamental right to privacy. The American people demand it, the constitution demands it, morality demands it.” TechCrunch zitiert Tim Cook auf der EPIC

Apple will Vorbild sein

Dass selbst die Moral es erfordere, dass User ein Recht auf Privatsphäre haben, klingt wie ein direkter Angriff auf die Google– und Facebook-Philosophie. Das Geschäftsmodell dieser beiden Unternehmen ist so aufgestellt, dass sie an den Daten ihrer Nutzer verdienen; indem etwa passgenaue Werbeinhalte erstellt und Anzeigenplätze verkauft werden können. Dazu sei bemerkt, dass Apple im Vergleich zum Wettbewerb den Großteil seiner Einnahmen über die vergleichsweise teure Hardware wie beim iPhone generiert. Aus dieser Position lässt es sich entsprechend einfacher bezüglich der Thematik Datenschutz argumentieren. Doch bereits auf dem letzten Apple Event während der Vorstellung des mobilen Bezahlsystems Apple Pay wies Cook darauf hin, dass Apple keine Userdaten sammeln werde – und dass, obwohl der Service gerade auf Daten und deren Austausch basiert.

“I’m speaking to you from Silicon Valley, where some of the most prominent and successful companies have built their businesses by lulling their customers into complacency about their personal information,” heißt es als Statement beim Guardian seitens von Tim Cook.

Tech-Unternehmen bewegen sich Richtung Datenschutz

Die Kritik ist überdeutlich – Cook wirft anderen Tech-Unternehmen ihren laxen Umgang mit Userdaten vor, aber verweist zugleich auch die Bequemlichkeit der Nutzer. Denn auch die sind gefragt und entscheiden letztlich darüber, welchen Dienst sie nutzen und bereit sind, ihre Daten zu überlassen. Facebook hatte bereits zu Beginn des Jahres seine Datenschutzlbestimmungen geändert. Obwohl neue Einstellungsoptionen zum Schutz der Informationen hinzukamen, hat sich an der eigentlichen Politik von Facebook nicht viel geändert. Der Gros an Daten wird weiterhin verarbeitet und dies auch zu Recht. Schließlich wird ein Gratisdienst in Anspruch genommen, der auf Kosten der eigenen Daten geht. Auch Google hat vor kurzem seinen Usern unter https://myaccount.google.com die Option freigestellt, einige ihrer Bewegungen im Netz nicht mehr zu verfolgen. Die kleinen Zugeständnisse der Unternehmen werden auf Druck der Regierung, Europa und ihrer eigenen Marktinteressen gemacht.

Verschlüsselung: Ja, Nein, Vielleicht

Gegenüber der US-Regierung wollen die Unternehmen aufgrund des NSA-Skandals 2013 ihrer ökonomische Selbstbestimmung behalten. Dass die NSA auf den Datenfundus ihrer Dienste zugreift, kommt nämlich bei den Usern nicht gut an. Auch dazu hat Cook sich geäußert: “Einige in Washington scheinen darauf zu hoffen, die Fähigkeit der Bürger, ihre Daten zu verschlüsseln, zusehends zu untergraben.“ Mit den Apple-Diensten iMessage und FaceTime sei man bereits den Schritt gegangen, sie verschlüsselt anzubieten. Auch Facebook hatte vor zwei Tagen angekündigt, zumindest den Mail-Verkehr verschlüsseln zu lassen.

Datenschutz ist das digitale Bio

Datenschutz ist das neue Bio der führenden Tech-Unternehmen. Obwohl der Vorstoss zu mehr Privatsphäre zu begrüßen ist, dürfen die dahinter stehenden Marktinteressen nicht übersehen werden – da dies letztlich ein Kauf- oder Verhaltenskriterium werden kann. Die Charme-Offensiven von Google gegenüber der deutschen Presse (Sergey Brin im Interview beim Stern; Larry Page in der Zeit) sind letztlich auch nur Kalkül, um die kritischen Meinungen vieler Bürger gegenüber US-Tech-Unternehmen zu besänftigen. Trotzdem sind die Initiativen der Google-Chefs angemessen, denn auch sie befördern die Auseinandersetzung in der Bevölkerung mit der Problematik: Datenschutz im Zeitalter der Digitalisierung. Tim Cooks bläst letztlich auch nur aus anderer Richtung ins gleiche Horn. Indem er aber im Nebensatz die Bequemlichkeit der User anprangert, trifft er den richtigen Ton.

Aufmacherbild: GongTo / Shutterstock.com

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