Apple Watch von der Krankenkasse

Debatte um Kassenzuschuss zu Fitnesstrackern
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Verschiedene Krankenkassen wie die AOK Nordost und die TK wollen den Kauf von Fitnesstrackern bezuschussen. Diese Maßnahme zieht einige Kritik auf sich, nicht zuletzt, weil es als Marketingstrategie vor allem junge, gesunde Beitragszahler anlockt.

Krankenkassen profitieren von Gesundheit. Um ihre Kunden zu einer gesünderen Lebensweise zu animieren, bedienen sie sich allerlei vorbeugend wirkenden Maßnahmen. Ab sofort gehört auch die Bezuschussung eines Fitnesstrackers dazu: Neben der AOK Nordost fährt jetzt auch die TK, Deutschlands größte gesetzliche Krankenkasse, diese Linie. Wer also beispielsweise eine Apple Watch kaufen möchte, kann möglicherweise einen großzügigen Zuschuss seiner Krankenkasse erwarten.

Die TK gewährt Mitgliedern einen Zuschuss von bis zu 250 Euro für den Kauf eines Wearables. Allerdings müssen die Mitglieder vorher an dem Bonusprogramm teilgenommen haben und in dessen Rahmen mindestens neun Gesundheitspunkte gesammelt haben. Das Bonusprogramm sieht vor, sämtliche Maßnahmen innerhalb eines Jahres abzuschließen. Wer dies erfolgreich absolviert, kann sich künftig aussuchen, ob er den Zuschuss für das Wearable möchte oder lieber eine Auszahlung von 90 Euro, wie es bislang der Fall war. Unter die Definition eines Fitnesstrackers fallen alle Geräte, die Gesundheitsdaten sammeln, auswerten und an ein mobiles Endgerät weiterleiten.

Auch die AOK Nordost bezuschusst den Kauf von Fitnesstrackern nach der Teilnahme an seinem Gesundheitskonto-Programm. Versicherte dieser Krankenkasse erhalten hier alle zwei Jahre 50 Euro, wenn sie sich einen Fitnesstracker oder eine Apple Watch anschaffen.

Was auf den ersten Blick wie eine Geste der Großzügigkeit klingen mag, birgt viel Potenzial zu Kritik. Nicht wenige Politiker sehen in der Bezuschussung eine problematische Marketingstrategie, die letzendlich auf Kosten der Mitglieder geht. Statt um Gesundheitsprävention gehe es eher darum, die Zielgruppe dieser Wearables, junge, gebildete, gesunde Menschen, als Beitragszahler zu gewinnen, so lautet die Kritik.

Es ist wichtig festzuhalten, dass es den Krankenkassen nicht etwa um die Sammlung der persönlichen Gesundheitsdaten zu Sport, Körperfunktionen oder Essverhalten geht, sondern vielmehr um einen Anreiz zu einem gesünderen Lebensstil, der durch die Überwachung durch die Fitnesstracker gegeben sein soll. Die Versicherung erfährt nicht, was mit der Uhr gemacht wird. Die dystopischen Vorstellungen von rund um die Uhr überwachten Versicherten – im wahrsten Sinne des Wortes – denen ein medizinischer Eingriff nicht bewilligt wird, weil sie vor vierzig Jahren zu viel Alkohol getrunken haben, liegen glücklicherweise noch in etwas Entfernung. Dennoch sollten sich Nutzer darüber bewusst sein, dass die Daten gesammelt und mindestens an die Hersteller der Wearables geleitet werden – und dieser Datenmarkt wird zweifellos von vielen Seiten gespannt beobachtet.

Aufmacherbild: SEATTLE, USA – May 9, 2015: Man Checking Out Activity App on Apple Watch While Working Out Outside. via Shutterstock / Urheberrecht: Anna Hoychuk

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