Öffentlichkeit und Unternehmenspolitik

Facebook: Erfolg mit Tor und Fehltritt mit CISA
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Facebook hat gemeinsam mit dem Tor-Projekt einen Schritt in Richtung Privatsphäre gemacht. Zur gleichen Zeit spricht es sich jedoch indirekt für Cyber-Überwachung aus. Wie passt das zusammen? Öffentliche Wahrnehmung und unternehmerisches Kalkül.

Die Social-Media-Plattform versorgt ihre Mitglieder und Geschäftspartner fast täglich mit neuen Funktionen und News zu Kooperationen oder Medien-Aktionen. Wenn es darum geht, öffentlichkeitswirksam zu agieren, ist Facebook das Paradebeispiel unter den Tech-Unternehmen. Ob Politik, Business oder Soziales – Facebook weiß sich in allen Winkeln der Gesellschaft zu positionieren. Aufgrund der Vielfalt an Forschungsbereichen, Kooperationen und sozialem Engagement lassen sich Facebooks politische und ökonomische Absichten jedoch nur schwerlich auf eine Linie bringen. Vor allem wenn es um den Umgang mit Nutzerdaten und Privatsphäre geht, scheint Facebook ein doppeltes Spiel zu spielen.

Tor-Domains durch Zusammenarbeit mit Facebook gesichert

Der Öffentlichkeit gegenüber macht sich die Social-Media-Plattform stark für Datenschutz. Dennoch behält sich Facebook vor, mit den Mitgliederinformationen frei wirtschaften zu können. Dabei möchte sich das Unternehmen möglichst nicht von staatlichen Institutionen bevormunden lassen. Letztes Jahr hat Facebook als erste Website mit einem CA-Zertifikat eine Onion-Adresse für das Anonymisierungsnetzwerk Tor bereitgestellt. Hierüber sollten sich auch Nutzer anonym aus Ländern anmelden können, denen es sonst nicht gestattet ist, Facebook zu nutzen. Die Idee: Jeder soll trotz Restriktionen oder politischer Verfolgung mit der Community interagieren können. Soweit ist das ein begrüßenswerter Schritt Richtung Datenschutz und freier Meinungsäußerung. Diese Woche gaben Facebook wie auch das Tor-Projekt bekannt, dass es durch die medienwirksame Zusammenarbeit gelungen sei, Tor-Domains mit „.onion“ durch die Internet Engineering Task Force (IETF) offiziell anerkennen zu lassen und damit gegen Verkäufe zu schützen – ein Erfolg für Onion-Routings und Facebooks Image.

Facebooks Verhältnis zu CISA und Cyber-Überwachung

Während Europa sich momentan mit Netzneutralität und Zwei-Klassen-Internet auseinandersetzt, hat der Senat in den USA den umstrittenen Gesetzesentwurf gegen Cyberkriminalität CISA durchgewunken. Ein Gesetz, mit dem Hackerangriffe in den USA leichter verfolgt werden können, da die Regierung im Zweifelsfall direkten Zugriff auf Nutzerdaten von Tech-Unternehmen erhält. Was von vielen namhaften Gegnern als bloße Cyber-Überwachung bezeichnet wird, ist für Sicherheitsbefürworter der richtige Schritt, um schnell gegen Hacker vorgehen zu können. Apple, Wikipedia, Reddit und Dropbox hatten sich schon im Vorfeld explizit gegen CISA ausgesprochen und darauf verwiesen, dass ihnen der Datenschutz ihrer Nutzer wichtiger sei. Auf eine Anpassung beziehungsweise Milderung der staatlichen Eingriffsrechte hatten auch Google, Facebook, Microsoft und Amazon durch eine gemeinsame Initiative hingewirkt. Obwohl sich Facebook öffentlich gegen die Cyber-Überwachung aussprach, wurde bekannt, dass es intern CISA unterstützt. Selbst Snowden twitterte, dass es blamabel sei, wie Facebook vorgehe:

Auf der einen Seite unterstützt Facebook die Liberalisierung im Ausland und schafft Möglichkeiten, dass alle Zugang zum sozialen Netzwerk bekommen. Doch auf der anderen Seite unterwandert es die Privatsphäre seiner bereits bestehenden Nutzerschaft. Facebook wird unter anderem vorgeworfen, dass es sich durch die Lobbyarbeit für CISA im Gegenzug einer rechtlichen Immunität versichern wolle, sofern das Unternehmen gegen bestehende Gesetze zur Privatsphäre verstößt. Dafür muss es aber die Pforten für staatliche Abfragen offen halten.

Doppeltes Spiel und ein Gewinner

Für Verstöße gegen Datenschutz ist Facebook in Europa längst berüchtigt. Kürzlich erst ist es durch das Urteil des Bundesgerichtshofs gelungen, dass Facebook und andere US-amerikanische Unternehmen nicht mehr so einfach die Nutzerdaten der Europäer in den USA speichern und verarbeiten dürfen. In der Öffentlichkeit gibt sich Facebook weltoffen – fraglich ist, in welcher Weise und gegenüber wem. Indem es die Privatsphäre-Einstellungen verbessert und seinen Nutzern Tools an die Hand gibt, sich vor unberechtigten Zugriffen zu schützen, will Facebook weiterhin ungehindert wirtschaften. Mit kleinen Zugeständnissen kommt es dabei weniger den Mitgliedern als den Behörden entgegen. Indem Usern eine sichere Verbindung eingeräumt wird, aber einem einzelnen Staat insgeheim Zugeständnisse gemacht werden, geht es Facebook doch letztlich primär um Wettbewerbsvorteile. Das ist recht und billig – solange es der Öffentlichkeit richtig verkauft wird.

Aufmacherbild: MENLO PARK, CA/USA – MAY 31, 2014: Facebook corporate headquarters campus sign in Silicon Valley. Facebook is a social networking website that allows users to keep in touch with friends. via Shutterstock, Urheberrecht: Ken Wolter

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