Maschine-Learning

Facebook forscht weiter an Personenerkennung
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Neben der Geschichtserkennung für Fotos arbeitet Facebook momentan an einer Personenerkennung, die ohne Gesichtsabgleich auskommt. Anhand von wiederkehrenden Merkmalen wie Kleidung und Frisur können so ebenfalls Personen identifiziert werden.

Unter dem Namen „Deep Face“ wurde im vergangenen Jahr ein Algorithmus von Facebook bekannt, der mit einer 97,25 prozentigen Verlässlichkeit die Gesichter auf Fotos richtig den Personen zuordnen kann – sofern diese ihr Gesicht einigermaßen frontal in die Kamera halten. Die menschliche Treffsicherheit war laut einer Studie des MIT zu diesem Zeitpunkt gerade mal noch um 0,28 Prozentpunkte besser. Die von Facebook entwickelte Software ist Teil eines Maschine-Learning-Projekts, womit nichts anderes gemeint ist, als die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz. Newscientist zufolge arbeitet Facebook momentan an einer Erweiterung zur Personenerkennung – auch wenn das Gesicht auf dem Foto nicht zu erkennen ist.

Merkmale geben Auskunft über Identität von Usern

So sollen Merkmale wie etwa ein Haarschnitt, Kleidungsstil, Körpermaße und andere Faktoren künftig zum Abgleich einer Person durch Algorithmen erkannt werden. Marc Zuckerberg gibt hierfür ein gutes Beispiel, wie er auch ohne sein Gesicht zu zeigen, erkannt werden kann: nämlich an seinem grauen T-Shirt, dass er bevorzugt trägt, sagt Yann LeCun, Leiter der Artificial Intelligence Abteilung von Facebook. Für das Forschungsprojekt seien über 40.000 öffentliche Bilder von Flickr verwendet worden, auf denen Personen mit dem Gesicht abgewendet zu sehen sind. Mit einer 83 prozentigen Treffsicherheit habe die Software die Menschen auf den Fotos richtig zugeordnet. Auch wenn sich das Projekt noch in der Testphase befindet und keine konkreten Individuen durch die Personenerkennung identifiziert worden sind, wird Facebook in Zukunft nur wenige Anhaltspunkte brauchen, um Personen anhand eines Fotos, auf dem das Gesicht zu erkennen ist und mittels anderer Merkmale, treffsicher Zuordnungen vornehmen zu können.

Das perfekte Angebot dank Beacons und Fotoerkennung

Dem MIT-Bericht zufolge teste Facebook bereits die Gesichtserkennung ausgiebig an neu hochgeladenen Fotos auf Facebook. Für welche Dienste und Anwendungen die Gesichts- und Personenerkennung bereits im Einsatz ist, hat Facebook noch nicht offiziell bekannt gegeben. Für Werbetreibende und Händler bietet die neue Technologie ungeahnte Möglichkeiten. Schon jetzt kommen Beacons zum Einsatz kommen, um etwa einem Kunden, der ein stationäres Geschäft betritt, bereits anhand seines Nutzerverhaltens im Netz gleich vor Ort das passende Angebot unterbreiten zu können. Ließe sich der Kunde direkt per Videoüberwachung im Geschäft identifizieren, könnte der Verkäufer gleich über eine Erkennungs-Software die notwendigen Informationen zu seinem Kleidungsstil anhand von Bildern abrufen, die dieser zuvor über Social Media Kanäle öffentlich verbreitet hat. Dass diese neuen Erkennungsmittel jedoch auch das Problem der Privatsphäre weiter verschärft, macht es einem Unternehmen wie Facebook vor allem in Europa schwer, neue Technologien wie eine Gesichts- und Personenerkennung zu etablieren und den Nutzern von ihrem Vorteil zu überzeugen.

Die kürzlich veröffentlichte Facebook-App Moments, mit der sich die eigenen Fotos und die der Freunde ordnen und etikettieren (taggen) lassen, könnte demnächst um einen dieser Algorithmen erweitert werden, so dass sich beispielsweise Freunde automatisch für einen Fotoordner zugeordnet lassen.

catwalker / Shutterstock.com

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