Facebook als Zeitung

Facebook Instant Articles: Deal mit Verlagen steht
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Die Veränderung der Medienlandschaft und des Anzeigengeschäfts erfordern zeitgemäße Maßnahmen: Das haben sich auch Spiegel Online und bild.de gedacht und sind die Kooperation mit Facebook eingegangen, auf der Plattform ganze Artikel zu publizieren. Das Geschäft und die Bedenken.

Facebook wird künftig auch in Deutschland sogenannte Sofort-Artikel zweier Medienhäuser auf seiner Plattform veröffentlichen. Mitte März hatte Facebook angekündigt, sich noch in den Verhandlungen mit einigen Verlagen zu befinden. Laut Facebook Media Blog sind nun auch die deutschen Medienhäuser Spiegel Online und Springer (Bild) den Deal eingegangen. Facebook landet damit den nächsten Coup, um seine Präsenz auszubauen – aber auch die Medienhäuser wollen davon profitieren.

Reichweite der Facebook Instant Articles

Facebook bietet den Verlagen nicht nur eine enorme Reichweite sondern auch eine lukrative Vermarktung ihrer Inhalte. Über die mobile Instant Articles Funktion auf Facebook werden unter anderem auch The Guardian, die New York Times und das Portal Buzzfeed vollständige Artikel publizieren. Waren es auf der Social Media Plattform zuvor nur die Anreißer beziehungsweise der Vorspann mit Verlinkung auf die eigene Seite, sind die Verlage nun offenbar bereit, ihre eigenen Klicks für das Streuprinzip auf Facebook aufzugeben. Dabei ist nicht nur die Reichweite für die Medienhäuser interessant, sondern insbesondere die Monetarisierungsoptionen.

Einnahmenverteilung und Kritik

Befinden sich etwa in den auf Facebook veröffentlichten Artikel von den Medienhäusern eingebettete Werbung, so gehen die darüber generierten Einnahmen komplett an den Verlag. Was hingegen Facebook innerhalb der Artikel an Ads arrangiert, davon behält Facebook 30 Prozent ein. Die Verlagshäuser erhoffen sich damit, ihren Content durch mehr öffentliche Aufmerksamkeit via Facebook besser zu vermarkten. Längere Verweildauer und mehr Klicks gleich mehr Einnahmen durch die Anzeigen. Medienhäuser, die nicht an diesem Konzept teilnehmen werden, wie etwa die Zeit, kritisieren die Vorgehensweise.

Ist Meinungsfreiheit ein teurer werdender Luxus?

Zurecht wird von einigen Medien angemerkt, dass über die Art von Vermittlung, die Facebook anbietet, der Verlag ein Stück seiner Verantwortlichkeit abtritt – zumal die Marktvorherrschaft von Facebook damit weiter ausgebaut werde. Das dürfte vielleicht jedoch im Sinne einiger Verlage sein, die selbst eine Meinungsvormachtstellung für gewisse Zielgruppen für sich beanspruchen. Die Medienlandschaft verändert sich zusehends zu deren Nachteil: Mehr Gratis-Content im Netz statt gekaufter Printausgaben sind schon seit Jahren das zusehends größer werdende Problem der Vorlage. Anzeigen oder Premium-Accounts auf deren Online-Seiten können diese Verlagerung kaum kompensieren. Facebook macht vor, wie sich auch im Netz lukrativ Einnahmen über Anzeigen generieren lassen. Das Projekt Sofort-Nachrichten, über das sich einfacher streuen, liken und einbinden lässt, bietet deshalb viele Chancen, aber auch nicht von der Hand zu weisende Gefahren in Sachen Meinungsfreiheit.

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