Mobile Werbung und News-Apps

Facebook: News-App Notify startet kommende Woche
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Apple hat bereits eine News-App, Twitter baut Moments aus und Google arbeitet ebenfalls an einer mobilen Lösung. Facebook wird neben Instant Articles eine Standalone-App für News herausbringen. Die aktuellen Quartalszahlen zur mobilen Nutzung und das Anzeigengeschäft zeigen weshalb.

Die Facebook Familie mit Instagram und WhatsApp wächst ungebremst: Mit rund 1,55 Milliarden Nutzern und einem Umsatzplus von 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Tech-Unternehmen erneut positiv gegenüber den Anlegern präsentieren können. Vor allem das Geschäft mit mobilen Anzeigen konnte laut des Quartalsberichts für Q3 2015 ordentlich zulegen. 78 Prozent des Umsatzes, also rund Dreiviertel der Gesamteinnahmen, wurden über das mobile Werbegeschäft generiert. Im Vorjahr waren es 66 Prozent. Mit etwa 1,39 Milliarden Mobile-Nutzern monatlich und 894 Millionen täglichen Zugriffen über das Smartphone ist der Trend klar vorgegeben – Mobile Ads. Da erscheint es wenig überraschend, dass Facebook momentan intensiv an dem Release der News-Standaloneapp Notify arbeitet, vor allem seitdem Instant Articles erfolgreich angelaufen ist.

Notify – Facebooks neue News App

Bereits im Oktober wurde bekannt, dass Facebook an einer News-App arbeitet, die aktuelle Nachrichten abseits des persönlichen News-Feeds zusammenfasst. Mit einer Alarmfunktion sollen sich Nutzer immer auf dem Laufenden über das Weltgeschehen halten und womöglich auch selbst zwischen Medien auswählen können. Große Medienhäuser wie Vogue, Mashable, CNN, the Washington Post, CBS und Comedy Central sollen die App mit Beiträgen aus Print, Digital und Video versorgen. Deutsche Kooperationen sind dahingehend – anders als bei Instant Articles – noch nicht bekannt, weshalb Notify wohl vorerst nur in den USA oder UK getestet werden wird.

Facebook könnte mit einer solchen App die Interessenschwerpunkte der User bündeln, damit gezielter Werbeanzeigen vertreiben und als regelrechte Werbeblöcke zwischenschalten. Schon nächste Woche soll das Projekt laut Financial Times offiziell vorgestellt werden. Entwicklungen zu einer mitunter redaktionell kuratierten Nachrichten-App, die schnell und übersichtlich Inhalte für mobile Nutzer bietet, gibt es bereits auf Seiten vieler großen Tech-Unternehmen.

Google, Apple und Twitter positionieren sich

Google arbeitet gemeinsam mit 30 Verlagen an der Initiative Accelerated Mobile Pages (AMP). Redaktionelle Inhalte sollen damit schneller auf mobilen Geräten geladen werden können. Hierzu werden Restriktionen für die Verwendung von HTML, CSS und Javascript aufgestellt.  Zeit Online, FAZ und die New York Times gehören zu den Partnern. Trotz der Einschränkung von Skripten soll natürlich dafür gesorgt sein, dass Werbung bei AMP-kompatiblen Webseiten weiterhin einwandfrei angezeigt wird. So soll zunächst der redaktionelle Inhalt geladen werden und anschließend erst die Anzeigen. Die Bindung mit dem Konsumenten soll durch die reduzierten Wartezeiten beim Ladevorgang geschaffen werden, so wie es beispielsweise auch Instant Articles vormacht.

Apple gab bereits im Sommer den Startschuss für seine News-Aggregator-App, die ab iOS 9 für iPhone und iPad genutzt werden kann. Eine eigene Redaktion soll die Themenauswahl der kooperierenden Medienhäuser vornehmen und teilweise mit bestücken.

Twitter versucht die Highlights der Plattform mit Nachrichtengehalt über Moments zu bündeln und orientiert sich dabei an Snapchat. Kurzum: Der Markt mit mobilen Nachrichten-Diensten ist bereits hart umkämpft. Und Facebook hat die Nase vorn – dank der User-Zahlen, dem florierenden Werbegeschäft und bereits bestehenden Verträgen mit Verlagen durch Instant Articles.

Vereinbarungen von Instant Articles als Vorbild

Via Instant Articles können sich mittlerweile auch deutsche Mobile-Nutzer direkt Beiträge von Spiegel Online oder bild.de ansehen. Ohne Umweg über die Verlagsseite publizieren die Verlage direkt über Facebook. Der User profitiert von geringeren Ladezeiten, übersichtlicheren Zusammenfassungen und mehr Features, beispielsweise mediale Boni wie Videos. Ein Tribut an Mario Götzes WM-Tor war der erste Artikel dieser Art. Die Verlage profitieren somit von der Facebook-Community. Zudem behalten sie freie Handhabe im Anzeigengeschäft innerhalb ihrer Artikel und erhalten bei eigener Akquise die gesamten Einnahmen. Sollte Facebook jedoch Anzeigen vermitteln oder arrangieren, behält die Social-Media-Plattform 30 Prozent der Einnahmen.

Ein ähnliches Modell könnte also durch Notify zum Tragen kommen. Eine Studie des Pew Research Centers zu Journalismus und Medien hatte dieses Jahr angedeutet, wo der Trend hingeht: In den USA nutzen bereits 63 Prozent der User Facebook als Nachrichtenseite. Die Nachfrage nach einem gebündelten Dienst ist also seitens der Community vorhanden. Die News-Aggregatoren und Apps sind gefragt und alle großen Tech-Unternehmen stürzen sich auf das Business. Auch die Verlage haben ein Interesse an Kooperationen, da sie ihre Anzeigen- und damit Umsatzzahlen seit Jahren schwinden sehen.

Werden US-Unternehmen Gatekeeper für deutsche Presse?

Eine News-App wie die von Facebook oder Apple ermöglicht es, an eine bestimmte Leserschaft zu gelangen und gezielter Anzeigenplätze zu verkaufen. Außerdem sind bei solchen Apps Werbeblocker bisher machlos. Das momentan größte Problem für Publisher könnte über die Apps umschifft werden. Fraglich ist nur, ob dadurch nicht die Funktion der Presse als Gatekeeper sukzessive an US-Unternehmen abgetreten wird. Die hiesigen Medienhäuser wie Springer und Zeit bleiben zwar die Bereitsteller der Informationen, geben aber ihre Funktion als Vermittler an Facebook und Co. ab. Wenn es dann um die Verteilung der Informationen geht, sitzen die Tech-Unternehmen mit ihrem Ranking am längeren Hebel. Wie es mit der Verteilung von News bei diesen neuen Apps langfristig zugeht, und ob durch die Unternehmen gezielt Einfluss genommen wird, bleibt abzuwarten.

Aufmacherbild: Simferopol, Russia – May 25, 2014: Facebook the largest social network in the world. It was founded in 2004 by Mark Zuckerberg and his roommates during training at the Harvard University via Shutterstock, Urheberrecht: Denys Prykhodov

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