Freunde vor Unternehmen - so wird der News Feed künftig aussehen

Facebook News Feed: Update kostet Marken Reichweite
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Facebook hat seinen News-Feed-Algorithmus überarbeitet. Künftig werden Neuigkeiten von Freunden höher gerankt als solche von Unternehmen. Das könnte schwerwiegende Folgen für die Reichweite von News-Meldungen und Marketing-Posts haben. Facebook begründet diesen Schritt damit, den News Feed besser auf die Wünsche der Nutzer ausrichten zu wollen.

Der Umfang des typischen News Feeds eines Facebook-Nutzers sei einfach zu groß geworden! So begründet Adam Mosseri (Facebook VP, Product Management, News Feed) die Änderungen am News Feed-Algorithmus. Als die Funktion 2006 eingeführt wurde, sei nicht absehbar gewesen, dass einmal Millionen von Menschen den Dienst nutzen und täglich tausende Nachrichten generieren würden. Darum sei es nun notwendig, eine neue Sortierung der Meldungen einzuführen.

Facebook News Feed: Freunde ganz oben

Die neue Sortierung orientiere sich an dem, was die Nutzer lesen wollen, fasst Mosseri die Änderungen zusammen: Zuerst sollen künftig die Status-Updates von Freunden und Familienmitgliedern angezeigt werden. Damit reagiere Facebook auf die immer wieder geäußerte Sorge vieler Nutzer, wichtige Neuigkeiten aus dem privaten Umfeld zu übersehen, erklärt die Pressemitteilung weiter.

Gefolgt werden die persönlichen Inhalte in Zukunft von informativen und unterhaltsamen Posts. Beide Arten von Inhalt werden dabei natürlich personalisiert. Facebook leitet aus dem bisherigen Klickverhalten eines Nutzers ab, welche News wohl zu ihm passen und ob er sich eher von Promis oder Katzenbildern unterhalten fühlt.

Unvoreingenommen nutzerzentriert?

Mosseri betont außerdem, dass Facebook die Auswahl der angezeigten Nachrichten zwar an den Nutzer anpasse, aber nicht übergreifend anhand eigener Kriterien selektiere. Diese Mitteilung dürfte im Kontext des Vorwurfs der Voreingenommenheit stehen, dem Facebook im Rahmen des Brexit-Votums ausgesetzt war. Nutzern war aufgefallen, dass Facebook zwar eine Option zum Ausdruck der Zustimmung zum Brexit anbot, allerdings keinen Button, um eine gegenteilige Meinung, zugunsten des Verbleibs in der EU, auszudrücken.

Nachdem Facebook in der Vergangenheit Berichte über psychologische Experimente via Newsfeed und vermeintliche Urheberrechtsverstöße zu schaffen gemacht hatten, war darüber hinaus Mitte Mai Kritik hinsichtlich der Trending-Topics-Funktion laut geworden. Der Vorwurf: Statt Produkt eines neutralen Algorithmus zu sein, würden die Trending Topics von Mitarbeitern manuell „kuratiert“.

Solche Vorkommnisse und die daraus resultierenden Vorwürfe sind brisant. Das soziale Netzwerk stellt inzwischen die primäre Nachrichtenquelle für Zweidrittel seiner Nutzer dar. Würde Facebook Nachrichten aktiv anhand erwünschter politischer Positionen oder anderer Faktoren selektieren, hätte das Unternehmen dadurch einen enormen Einfluss auf die Meinungsbildung seiner Nutzer. Ob eine solche Selektion stattfindet, kann jedoch nur schwer beurteilt werden: Der individuelle Charakter des News Feeds, sowie die undurchsichtigen Algorithmen dahinter, lassen nur bedingt Rückschlüsse darauf zu, warum einem Nutzer welche Meldungen angezeigt werden.

Sinkende Reichweite zu erwarten

Die unklare Situation hinsichtlich der Faktoren, die die Reichweite eines Facebook-Posts beeinflussen, verändert sich auch in Zukunft nicht. Immerhin ist Facebook allerdings ehrlich, wenn es um die zu erwartenden Folgen der Neuerungen am News Feed geht. Lars Backstrom, Engineering Director bei Facebook, teilt ganz offen mit, dass man mit einem negativen Einfluss der Neuerungen auf die Reichweite von Marken, Unternehmensseiten und -Posts rechne.

“Overall, we anticipate that this update may cause reach and referral traffic to decline for some Pages” – Lars Backstrom

Außerdem betont er die große Rolle der Interaktionen für die Positionierung einer Meldung im News Feed. Posts, die von den Fans des Unternehmens häufig geliked, geteilt oder kommentiert werden, sollen auch zukünftig besser zu finden sein als solche, die weniger Interaktionen aufweisen können.

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Technische Suchmaschinenoptimierung 2017

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Element Queries im Responsive Webdesign

mit Jonas Hellwig (kulturbanause)

Search Engine friendly Design: Von der Suche zur Konversion

mit Jens Fauldraht (takevalue Consulting GmbH)


Derzeit liegt die Reichweite eines Facebook-Posts im News Feed bei etwa zwei Prozent, wie Philipp Roth auf der diesjährigen Webinale erläuterte – von 100 Fans einer Seite bekommen also im Durchschnitt nur zwei einen neuen Post zu sehen. Ein weiterer Einbruch dieser Zahlen könnte zu einem harten Schlag für viele Marketing- und Nachrichtenseiten werden.

Überarbeitung nicht abgeschlossen

Wie sich der News Feed im Detail weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Der Rollout des neuen Algorithmus hat gerade erst begonnen; bis die Änderungen alle Nutzer erreichen, dürften vermutlich noch einige Wochen bis Monate vergehen. Außerdem werden die bekannten Ranking-Faktoren Affinity, Weight und Decay wohl auch künftig nicht gänzlich an Bedeutung verlieren. Dennoch könnte die Umstellung dazu führen, dass sich viele hergebrachte Prinzipien des Facebook-Marketings verändern. Und damit ist es noch nicht vorbei. Wie Adam Mosseri nämlich zu Protokoll gab, ist die Überarbeitung des News Feeds noch lange nicht abgeschlossen:

“We view our work as only 1 percent finished — and are dedicated to improving along the way.” – Adam Mosseri

Aufmacherbild: tuthelens / Shutterstock.com

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