Soziales Netzwerk weist Vorwurf der systematischen Manipulation zurück, überarbeitet aber seine Abteilung

Facebook reagiert im Trending-Topics-Skandal
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Zwei Wochen nachdem Vorwürfe laut wurden, Facebook hätte seine Trending-Topics-Funktion manipuliert, legt der Konzern einen neuen Bericht zum Thema vor. Wie schon in früheren Statements weist der Konzern die Anschuldigungen zurück, schließt aber jetzt nicht mehr aus, dass es Manipulationen gegeben habe. Diese seien aber von individuellen Mitarbeitern durchgeführt worden und nicht systematischer Natur gewesen.

Konservative Nachrichtenquellen unterdrückt zu haben, so lautet der Vorwurf, wegen dem sich Facebook aktuell vor dem Handelsausschuss des US-Senats zu verantworten hat. Das Unternehmen hat sich jetzt in einem Brief an den Vorsitzenden des Ausschusses, den republikanischen Senator John Thune, nochmals zu den Berichten geäußert. Darin betont Facebooks Vizepräsident Colin Stretch die Rolle des sozialen Netzwerks als neutrale Plattform und resümiert die Ergebnisse einer unternehmensinternen Untersuchung der Trending-Topics-Sektion.

Manipulation? Jein

Dazu sind nach Angaben des Konzerns die „News-Kuratoren“, wie sie informell genannt wurden, ebenso wie deren Vorgesetzte befragt worden; außerdem sollen Inhalt und Anwendung der Richtlinien, Trainings und Praktiken der Abteilung überprüft worden sein. Die Untersuchung habe keine systematische Benachteiligung konservativer Ansichten nachweisen können. Eine Datenanalyse soll diese Einschätzung bestätigt haben. Demnach seien konservative Themen ebenso wie „liberale“ (entspricht in Deutschland dem linksliberal bis sozialdemokratischen Spektrum) Themen gleichermaßen in den Trending-Topics-Feed aufgenommen worden.

Jedoch gibt Stretch zu, dass politisch geprägte Manipulationen durch Einzelpersonen nicht vollkommen ausgeschlossen werden könnten. Um individuelle Eingriffe in die Zusammenstellung des Themen-Feeds in Zukunft zu unterbinden, will Facebook jetzt einige Maßnahmen ergreifen. So sollen die Richtlinien klarer formuliert, Angestellte stärker auf ihre neutrale Rolle hingewiesen und zusätzliche Kontrollmechanismen implementiert werden.

Einen weitaus größeren Einschnitt bedeutet hingegen das Vorhaben des Konzerns, sowohl seine Top 10-Liste der wichtigsten Nachrichtenquellen, als auch seine sogenannte 1k-Liste zu entfernen. Diese Liste umfasste 1000 RSS-Feeds bekannter Newsseiten, die dazu genutzt wurden, die Wichtigkeit von Themen zu bestimmen. Außerdem soll Themen in Zukunft kein Wichtigkeitslevel mehr zugewiesen werden. Damit reagiert der Konzern auf die Vorwürfe, bestimmte Themen manuell in die Trending Topics injiziert zu haben, obwohl sie auf Facebook nicht trendeten – Anschuldigungen, die im Brief an den US-Senat weitestgehend zurückgewiesen werden.

Verlorenes Vertrauen?

Im Vorfeld zur Veröffentlichung des Briefes hat sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit prominenten konservativen Politikern und Medienvertretern getroffen, um verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. Das scheint gelungen zu sein, und auch Senator Thurne lobt die Kooperationsbereitschaft des Unternehmens. Ein Misstrauen von konservativer Seite gegenüber der mehrheitlich liberalen Silicon Valley-Szene dürfe aber wohl bleiben.

Ob Facebook bei Content-Providern seinen Ruf reparieren kann, wird sich hingegen noch zeigen. Die vorgeschlagenen Verbesserungen ändern zumindest nichts am wahrscheinlichen Bias des Trending-Algorithmus, der sich über den Bias seiner Programmierer einschleichen kann. Außerdem wird die extreme Verdichtung der Inhalte über den Verteiler-Giganten Facebook weiterhin ein Problem für die Vielfalt der Medienlandschaft darstellen. Ob die „Filter Bubble“ der User kleinerer News-Outlets weiter eine Überlebensperspektive bietet, ist derzeit nicht absehbar.

Umbrüche

Heile Welt ist im Verhältnis von Social Media, Journalismus bzw. Content-Produktion und Politik in Zukunft wohl erstmal nicht zu erwarten. Wir erleben in diesem Bereich gerade eine massive Umbruchsphase. Wie man am neuesten Facebook-Skandal sehen kann, produziert das notwendig Friktionen. Was am Ende dabei herauskommt, ist gegenwärtig jedenfalls noch nicht abzusehen.

Aufmacherbild: dolphfyn / Shutterstock.com

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