Kritik im Überblick

Facebook Video Content: Vorwurf der Markverzerrung
Kommentare

Facebook versucht, im Video-Geschäft mit YouTube gleichauf zu ziehen. Ein bekannter Vlogger beschuldigte Facebook nun öffentlich des Betrugs und Diebstahls, um Zahlen und Zugriffe zu beschönigen. Die Vorwürfe wurden von Facebook nur teilweise relativiert.

Die ersten Quartalszahlen von Facebook für 2015 vermittelten bereits eine deutliche Botschaft an Werbetreibende und Marketer: Video-Content ist der neue Markt, mit dem sich die jüngere Zielgruppe wieder auf der Social Media Plattform erreichen lässt. So sollten bereits Ende 2014 mehr als 80 Prozent aller Videos über Facebook hochgeladen statt über einen Youtube-Link eingebunden worden sein. Es folgten erste Monetarisierungsvorschläge für Video-Blogger und Business-Tipps, wie sich Werbevideos für Facebook produzieren lassen. Facebooks Geschäftsmodell mit Videos steht im direkten Wettbewerb mit Googles YouTube. Nun wurden erste Vorwürfe laut, das Facebook bewusst den Markt verzerre und Einfluss auf die Anzeige von Videos macht. Vlogger Hank Green, der mit dem YouTube-Channel Vlogbrothers oder Crash Course mehrere Millionen Abonnenten erreicht, hat Facebooks Methoden hart kritisiert.

Facebook Video Content – die Kritik

Über seinen Blog straft Green Facebooks Vorgehen mit deutlichen Worten ab: Facebook solle demnach YouTube-Links bewusst schlechter ausspielen als vergleichbare Video-Uploads auf Facebook. In einem Selbstversuch hat er getestet, wie viele Leute den gleichen Video-Content ein Mal über einen YouTube-Link und anderseits über eine Facebook-Upload erreichen. Das YouTube-Video hätten dabei nur 13.184 User gesehen, während das Facebook-Video hingegen 74.752 zu Gesicht bekamen. Was Green als Betrugsfall anprangert und womit er letztlich den marktverzerrenden Ranking-Algorithmus von Facebook in Frage stellt, ist allerdings nur einer seiner Kritikpunkte. Des Weiteren beschuldigt er Facebook, dass die Zahlen der tatsächlichen Zuschauer beschönigt sind. Im Vergleich zu Youtube würde Facebook einen Abruf des Videos bereits nach drei Sekunden zählen, wohingegen YouTube erst, abhängig von der Gesamtlänge des Videos, meist erst nach 30 Sekunden einen Zuschauer verbuche. Die Click-Zahlen sind vor allem für Werbetreibende wichtig, so dass dies zu einem wunden Punkt für Facebook werden könnte. Doch das war noch nicht alles: Green klagte außerdem an, dass teilweise Videos von YouTube ohne Angaben des Urhebers auf Facebook publiziert werden. Zwar könne der Urheber dagegen vorgehen und dies Facebook melden, doch würde das Unternehmen erst nach zwei bis drei Tagen das Video von der Plattform nehmen. In der Zwischenzeit werde das Video aber ganz normal angesehen und verbreitet – ohne dass der Vlogger dafür honoriert werde.

Facebooks Stellungnahme zu den Vorwürfen

Facebook Produktmanager Matt Pakes hat stellvertretend für das Unternehmen einen Tag nach Greens Blog-Post zu den Vorwürfen Stellung bezogen und Facebooks Vorgehen verteidigt. In der auf TechCrunch veröffentlichten Stellungnahme heißt es dazu, dass die Dreisekunden-Erfassung ausreiche, um Aussagen über das User-Verhalten treffen zu können – auch dann, wenn es sich um Auto-Play handle. Autor Lucas Matney von TechCrunch konnte sich in Anbetracht dieser Aussage selbst nicht des kritischen Urteils gegenüber Facebook enthalten. So kritisiert er ähnlich wie Green, dass Facebook die View-Zahlen damit beschönigt, um im Wettbewerb mit Google mithalten zu können. Produktmanager Matt Pakes hat zumindest gegenüber dem Vorwurf des Plagiats angekündigt, dass Facebook die Urheberrechte sehr ernst nehme und vermehrt darauf geachtet werde, das geistiges Eigentum und Copyrights geschützt werden würden.

Das Problem in der Kurzfassung

Ähnlich wie Google nimmt auch Facebook Einfluss auf das Ranking unternehmensrelevanter Inhalte. Darin ist weder das eine noch das andere Unternehmen des Vorwurfs gefeit. Dennoch ist Facebooks Vorgehen bezüglich des Rankings von eigenen Uploads und der Drei-Sekunden-Regel samt Auto-Play durchaus als unlautere Methoden einzustufen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen gegenüber potenziellen Werbekunden.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -