Praxis-Test

Fitnesstracker im Test: Runtastic Orbit vs. Withings Pulse Ox
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Fitnesstracker liegen gerade voll im Trend, unterscheiden sich aber in Funktionen und Preis teils stark voneinander. Die Tracker von Withings und Runtastic zeichnen sowohl Aktivitäten als auch die Schlafqualität des Users auf.

Auf dem Wearable-Markt werden eine ganze Reihe an Fitness-Trackern in den verschiedensten Preisklassen angeboten, darunter auch der Pulse Ox der Firma Withings und das Orbit Band von Runtastic. Beide Fitnesstracker sind für knapp 120 Euro im Handel erhältlich und liegen somit in der mittleren Preisklasse. Bei gleichem Anschaffungspreis gibt es allerdings Unterschiede im Funktionsumfang der Geräte und den dazugehörigen Apps, so dass die beiden Tracker für unterschiedliche Zielgruppen zu empfehlen sind.

Lifelogging mit Fitnesstracker

Die Verwendung von Fitnesstrackern geschieht meist im Sinne des Lifeloggings. Bei diesem digitalen Trend geht es darum, den eigenen Alltag aufzuzeichnen, zu visualisieren und optional anschließend in den sozialen Medien zu teilen. Fitnesstracker sind ein beliebtes Wearable, um sportliche Aktivitäten in Echtzeit zu verfolgen. Bei regelmäßigem Tragen erstellt das Gerät eine individuelle Statistik zur Fitness und soll den Nutzer zu einem aktiveren Lebensstil motivieren. Ganz nach dem Motto: Treppe statt Fahrstuhl.

Mit Smartphone-Apps kann der Funktionsumfang der Fitnesstracker noch erweitert werden. Diese visualisieren die gemessenen Daten, so dass Fort- und Rückschritte sichtbar werden. Push-Notifications und Erinnerungen motivieren zusätzlich. Die beiden Fitnessarmbänder Withings Pulse Ox und Runtastic Orbit und die dazugehörigen Smartphone-Applikationen wurden im Praxistest jeweils drei Wochen lang getestet.

Pulse Ox von Withings

Der Withings Pulse Ox besteht aus einem kleinen Tracking-Computer in der Größe von 2 x 4 cm und kann als Armband am Handgelenk oder als Clip an der Kleidung getragen werden. Der Fitnesstracker wirkt im ersten Eindruck hochwertig verarbeitet und vor allem die Metallfassung am Band macht einiges her. Auch das Design ist schlicht und modern. Der Umfang des Bandes kann mit einer Schnalle angepasst werden und das Gerät ist angenehm am Handgelenk zu tragen.

Fitnesstracker_pulse

©Withings

Der Hardware Button aktiviert das Display und navigiert durch die verschiedenen Datensätze. Die Anzeige reagiert darüber hinaus auch auf Touch-Befehle. Per Swipe kann der User durch die Chronologie der vergangenen Tage blättern.

Der Withings Pulse Ox zeichnet die täglich zurückgelegte Schrittzahl, Höhenmeter, Distanz,  Kalorienverbrauch und die Schlafphasen auf. Auf der Rückseite des Mini-Computers befinden sich zusätzlich ein Herzfrequenzmesser sowie ein SpO2-Sensor zur Analyse des Sauerstoffgehalts im Blut. Diese Sensoren sind allerdings sehr ungünstig platziert: Zur Messung muss das Gerät aus dem Band oder Clip entfernet und ein Finger auf den Sensor aufgelegt werden. Eine permanente Pulsmessung, zum Beispiel beim Joggen, ist also nicht möglich.

Der Pulse wird zum Laden über ein Mikro-USB Kabel am Laptop oder der Steckdose angeschlossen. Praktisch ist zwar, dass durch den standardisierten Anschluss alle Micro-USB Kabel verwendet werden können, ein großer Nachteil ist jedoch die offene Schnittstelle. Über diese können Wasser und Schmutz in das Gerät eindringen. Daher muss es bei alltäglichen Aktivitäten wie zum Beispiel beim Duschen oder Geschirrspülen abgelegt werden, für ein always-on Device definitiv ein Minuspunkt.

Der Orbit von Runtastic

Auch der Runtastic Orbit besteht wie der Withings Pulse Ox aus einem kleinen Tracking-Computer sowie Armband und Clip. Zunächst einmal macht der Fitnesstracker einen weniger hochwertigen Eindruck als das Vergleichsgerät von Withings, denn er ist vollständig aus Kunststoff gefertigt. Die Weite des Armbands lässt sich zwar mit Druckknöpfen einstellen, es schmiegt sich jedoch nicht besonders an das Handgelenk an. Das Design wirkt klobiger und der große Hardware-Knopf auf der Vorderseite dominiert das Erscheinungsbild.

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©Runtastic

Der Runtastic-Tracker lässt sich über den Hardware-Button bedienen. Hierüber können die Messdaten des aktuellen Tages abgerufen werden: Uhrzeit, Schrittzahl, verbrannte Kalorien und die gesamte aktive Zeit. Einen Höhenmesser gibt es beim Orbit leider nicht und auch die Daten der vergangenen Tage lassen sich nicht anzeigen.

Geladen wird das Gerät durch Induktion. Für diese Lade-Technologie wird keine offene Schnittstelle benötigt, so dass der Runtastic Orbit komplett abgedichtet und bis zu 100m Tiefe wasserdicht ist. Das Device kann also beim Duschen und sogar beim Schwimmen getragen werden.

Der Runtastic Orbit verfügt darüber hinaus über einen eingebauten Vibrationsalarm. Dieser kann auf eine bestimmte Uhrzeit eingestellt werden, so dass der Fitnesstracker die Aufgabe des Weckers übernehmen kann, wenn er zum Schlafen getragen wird. Außerdem weist er den Träger durch Vibrationssignale darauf hin, wenn 50 Prozent beziehungsweise 100 Prozent des Tagesziels erreicht sind. Dieser spontane Alarm am Handgelenk kann jedoch zuweilen etwas irritierend sein.

Skurril: Die „Happy-Tracking“-Funktion. Durch zweimaliges Drücken des Buttons lassen sich glückliche Momente abspeichern. Diese können später im Tagesverlauf wieder eingesehen werden und sind mit lachenden Smilys gekennzeichnet.

Synchronisierung mit Smartphone-Apps

Beide Fitnesstracker können mit der entsprechenden Smartphone-App synchronisiert werden. Withings offeriert Health Mate, das Pendant von Runtastic nennt sich Runtastic Me. Die Anwendungen dienen dazu, die gesammelten Daten abzuspeichern und grafisch aufzubereiten. Zusätzlich zu den Apps bieten beide die Hersteller ein Web-Portal an, in dem die Nutzer ihre Messergebnisse einsehen und verwalten können.

In den Apps lassen sich auch die individuellen Tagesziele einstellen. Nach Werkseinstellung empfiehlt der Withings Pulse Ox 10.000 Schritte pro Tag, der Runtastic Orbit 8.000. Neben den Aktivitätszielen können aber beim Withings Pulse Ox zusätzlich Ziele zu Gewicht, Schlaf oder Herzfrequenz gesetzt werden. Der Runtastic Orbit bietet neben der Schrittzahl nur die Möglichkeit, eine bestimmte aktive Zeit als Ziel anzugeben.

Withings Health-Mate-App

In der Health-Mate-App von Withings werden alle Daten in einem Stream untereinander aufgelistet. Hier werden die gelaufenen Schritte, die Schlafdaten und auch die Herzfrequenz ausgespielt. Um dem User einen besseren Überblick zu geben, generiert die App eine grafische Darstellung der Daten in Form von Graphen und Balkendiagrammen. Auch das Gewicht kann bei Health-Mate noch manuell (oder über die Withings Waage) hinzugefügt werden, so dass auch diese Entwicklung über die Zeit beobachtet werden kann. Neben den täglichen Errungenschaften führt der Stream wöchentliche Zusammenfassungen sowie Auszeichnungen in Form von Badges auf. Durch die vielen verschiedenen Einträge erscheint der Stream leider schnell unübersichtlich.

Die Withings Health-Mate-App soll den Anwender über verschiedene Mittel motivieren. So vergibt sie zum Beispiel Badges vergeben, Abzeichen für das Erreichen von Tageszielen oder für die seit Installation der App zurückgelegte Strecke. Außerdem bietet Health-Mate mit “Challenge” die Möglichkeit, gegen andere Nutzer anzutreten. An einem unsportlichen Tag wird der Nutzer freundlich darauf hingewiesen, morgen doch wieder etwas aktiver zu sein.

Ein Wermutstropfen von Health-Mate ist, dass sich das Aktivitäts-Tracking nur auf Schritte beschränkt. Andere sportliche Aktivitäten wie zum Beispiel Fahrrad fahren oder Sportkurse können weder aufgezeichnet noch manuell eingetragen werden. So muss die Trainingsübersicht eventuell unvollständig bleiben.

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©Withings Health Mate

Neben der hauseigenen Withings-App kann der Fitnesstracker auch mit externen Apps wie MyFitnessPal synchronisiert werden. Diese verfügt über eine große Lebensmitteldatenbank mit der zusätzlich ein Ernährungstagebuch geführt werden kann. Durch die Kombination der beiden Apps erhält der Nutzer einen genauen Überblick über die Kalorien- und Nährwertbilanz des Tages und kann so abschätzen, wie viel aufgenommen und wieder verbrannt wurde.

Runtastic-Me-App

Die Me-App von Runtastic ist ein wenig anders aufgebaut als das Pendant von Withings. Hier muss sich der User durch die Tagesansichten blättern, indem er nach rechts und links wischt. Eine obenstehende Grafik zeigt übersichtlich an, wie viel Prozent des Tagesziels an Schritten bisher erreicht wurden. Darunter sind die einzelnen Details, wie die Anzahl der Schritte oder der Kalorienverbrauch aufgelistet, die noch einmal separat für weitere Informationen angetippt werden können.

Der Runtastic Orbit lässt sich nicht nur mit der Me-App synchronisieren, sondern auch mit der hauseigenen Lauf-App. So können zusätzlich Geschwindigkeit, Dauer, Distanz und Kalorienverbrauch während des Lauf-Trainings gemessen werden. Das Wearable kann aber leider keine Pulsuhr ersetzen, da der dafür notwendige Herzfrequenz-Sensor fehlt.

Auch bei der Me-App fehlt die Option, weitere Sportarten manuell einzugeben. Wie auch bei Withings Health-Mate beschränkt sich das Tracking nur auf die Erfassung von Schritten. Es ist fraglich, warum es bei einem wasserdichten Gerät keine Möglichkeit gibt, ein Schwimmtraining aufzuzeichnen.

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Screenshots: Runtastic Me

 

Im direkten App-Vergleich ist die Health-Mate-App von Withings mit ihrem Stream zwar etwas unübersichtlicher, sie bietet aber deutlich mehr Funktionen um den Fitness-Fortschritt zu überwachen – wie oben beschrieben können Gewicht, Blutdruck und Herzfrequenz getrackt werden. Außerdem sind die Motivations-Features hilfreich, um am Ball zu bleiben.

Batterielaufzeit

Ist der Akku des Fitnesstrackers einmal geladen, kann das Training beginnen. Beide Modelle werden mit einer mit einer langen Akkulaufzeit beworben. Tatsache ist aber, dass der Runtastic Orbit kaum eine Woche durchhält, der Pulse O2 dagegen kommt auch im Dauerbetrieb locker über sieben Tage hinaus. Praktisch für den mobilen Gebrauch ist bei letzterem auch die Batterieanzeige am Tracker selbst. Beim Orbit muss dazu die App eingesehen werden.

Die ständige Synchronisierung über Bluetooth zehrt auch am Akku des Smartphones. Um den aktuellen Ergebnisstand einsehen zu können, müssten Fitnessband und Smartphone ununterbrochen in Verbindung stehen. Tipp: Wer nicht ständig ein leeres Smartphone mit sich herumtragen möchte, schaltet am besten Bluetooth nur sporadisch zur Synchronisierung ein. Beide Wearables können die Daten von mehreren Tagen speichern.

Schrittzähler-Test

Damit nicht nur die Schrittmenge, sondern auch Distanz und Kalorienverbrauch richtig berechnet werden können, sollten die Schrittzähler genau sein aber gleichzeitig nicht zu stark auf Fremdeinwirkungen anderer Bewegungen reagieren. Wir haben die Genauigkeit im Praxistest überprüft. Im Test wurden 500 Schritte gemacht und mit beiden Fitnessbändern parallel aufgezeichnet. Das Ergebnis: Bei der Messung mit dem Runtastic Orbit gab es eine Abweichung von 12 auf 500 Schritte, beim Withings Pulse Ox waren 13 auf 500 Schritte zu wenig. Dieses Ergebnis ist zufriedenstellend, Schritte addieren können beide Geräte.

Hobbiesportler oder Leistungs-Tracker?

Die beiden Fitnesstracker sind jeweils für verschiedene Zielgruppen geeignet. Der Withings Pulse Ox bietet neben dem Aktivitätstracking auch allgemeine Gesundheits-Funktionen, wie zum Beispiel die Herzfrequenzmessung. Auch die Integration der Ernährungs-App MyFitnessPal lässt darauf schließen, dass dieses Modell vor allem für Anwender gedacht ist, die ihren Lebensstil gesünder und aktiver gestalten oder das Band unterstützend zu einer Diät einsetzen möchten. Das Ernährungstagebuch und die Aufzeichnung des Gewichts helfen den Nutzern dabei, den Überblick zu behalten und Fortschritte aufzuzeichnen. Der Withings Pulse Ox ist vor allem zum Hausgebrauch und für Hobbie-Sportler empfehlenswert.

Das Vergleichsmodell Runtastic Orbit ist dagegen die sportlichere Variante und eignet sich vor allem für Nutzer, die ihre Leistungen und Trainings-Fortschritte aufzeichnen wollen. Dafür spricht vor allem die Second-Screen Funktion mit der Integration der Runtastic Lauf-App. Ein großer Pluspunkt hier ist auch das wasserdichte Gehäuse, wodurch das Gerät als always-on Device beim Schwimmen und Training im Regen geschützt wird.

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