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Blick in die Zukunft

Gartner Technologie-Trends für 2020
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In seinem jährlichen Ausblick auf die Technologie-Trends, stellt das U.S. Unternehmen Gartner 10 wichtige Aspekte vor, welche die Branche in Zukunft beschäftigen werden. Neben innovativer Cloud-Lösungen und fortgeschrittener Automatisierung von Geräten wird dabei auch die Transparenz der Unternehmen in Sachen Datensicherheit thematisiert.

Auf seinem jährlichen IT-Symposium stellte das IT-Analyse-Unternehmen Gartner die wichtigsten Trends der Technologie-Branche vor. Brian Burke, Vice President Research bei Gartner, verdeutlichte dabei, dass in Zukunft der Mensch als Schnittstelle mit der Technologie verstärkt im Mittelpunkt stehen wird. So werden viele Trends sich an der Frage orientieren, wie Technologie sich auf unser aller Leben und auf spezifische Orte (Büro, Auto, Zuhause) auswirken wird. Auch der direkte Einfluss neuer Anwendungsmöglichkeiten am Menschen wird laut Burke im Fokus stehen. So solle man zum Beispiel bei Human Augmentation, quasi der Vermischung zwischen Mensch und Technologie, weniger an Cyborgs denken, sondern an die vielen Einsatzmöglichkeiten in der Medizin. Die einzelnen Trends könnten auch nicht als Stand-Alone-Projekte existieren. Vielmehr braucht es zukünftig die Entscheidung, in welcher Kombination sie die meisten Innovationen vorantreiben. Es geschieht viel, es geschieht schnell – genau das macht die Tech-Branche so spannend.

Trend 1: Hyperautomation

Standardmäßige Automatisierungs-Tools sind dem Ziel verschrieben, dem Menschen Arbeit abzunehmen. Wenn Burke den Begriff Hyperautomation einführt, ist damit ein ganzes Paket an Technologien gemeint. Sie sollen noch über die Automatisierung hinausgehen und das Arbeitsleben erheblich vereinfachen. Dabei handelt es sich, neben den bereits eingangs genannten Automatisierungs-Tools, um Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning (ML), Robotik-Prozessautomatisierung (RPA) und intelligente Unternehmenssoftware. Mit Hilfe dieser Werkzeuge soll in der Zukunft daraufhin gearbeitet werden, dass Unternehmen sich vermehrt auf KI-gesteuerte Entscheidungen verlassen können.

Trend 2: Multiexperience

Zentraler Ansatzpunkt für die Multiexperience ist der Nutzer, bzw. seine Schnittstille mit einem Computer. Musste sich vor nicht allzu langer Zeit noch unter dem ohrenbetäubenden Krach eines hart arbeitenden Routers mühevoll ins Internet eingewählt werden, ist heute dank W-Lan und Sprachbefehl alles etwas einfacher geworden. Hier sieht Gartner einen zukünftigen und anhaltenden Trend in der sogenannten Ambient Experience. Es wird demnach viele verschiedene Mensch-Maschinen-Schnittstellen geben, die dem User ein ganz neues Virtual-Reality-Erlebnis liefern können und Zugriffe auf Apps und Services erheblich erleichtern.

Trend 3: Demokratisierung

Technologie soll kein geschlossenes Wissenschaftsgebiet für Eliten darstellen. Durch die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft und des Alltags, wird sich nach Gartner daher eine Demokratisierung als Trend durchsetzen. Damit sollen auch Menschen ohne den entsprechenden technischen Hintergrund der Zugang zu Anwendungsentwicklung, Design oder Datenanalytik erhalten. Dieser sogenannte Citizen Access soll dazu beitragen, dass nicht nur IT-Experten sich mit neuen Technologien auseinandersetzen können. Möglich werden soll dies auch mit der Hilfe von KI, die das Arbeiten mit einzelnen Anwendungen deutlich vereinfacht und sie so einem größeren Zielpublikum zugänglich machen kann. Auch die vermehrte Nutzung von Low-Code- und No-Code-Umgebungen trägt dazu bei, dass Technik-Laien nicht mehr außen vorgelassen werden.

Trend 4: Human Augmentation

Auch wenn mit Human Augmentation der Einsatz von Technologie zur kognitiven und physischen Verbesserung des Menschen gemeint ist – Szenarien wie in Robocop wird es damit nicht geben. Vielmehr verfolgt der Ansatz einen schon länger anhaltenden Trend. Augen können bereits seit einiger Zeit mit einem Laser operiert werden, Herzschrittmacher sind Normalität und Blutzucker kann bequem über Implantate gemessen werden. In Zukunft wird sich die Human Augmentation noch weiterentwickeln, um dem Menschen das Leben einfach zu machen oder die Lebensqualität zu verbessern. Dabei lässt sich zwischen vier verschiedenen Kategorien unterscheiden:

  • Sensorische Augmentation (Hören, Sehen, Wahrnehmen)
  • Erweiterungen zu biologischen Funktionen (Exoskelette, Prothesen, etc.)
  • Augmentation im Hirnbereich (Implantate zur Behandlung von Anfällen)
  • Genetische Augmentation (Gen- und Zelltherapie)

Trend 5: Transparenz

Die im Jahr 2018 in Kraft getretene Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) war einer von vielen Schritten in die Richtung, die Daten und Rechte des einzelnen Nutzers stärker zu schützen. Während diese sich immer mehr bewusst werden, auf welche Arten Ihre Daten gesammelt und genutzt werden, wird immer mehr Unternehmen klar, welche Verantwortung sie bei der Verwaltung von Kundendaten tragen. Spätestens die ersten empfindlichen Strafen für Verstöße gegen die DSGVO haben auf das Thema aufmerksam gemacht. Wenn bei Gartner von einer „Krise des Vertrauens“ gesprochen wird, ist damit auch gemeint, dass immer mehr Entscheidungen von einer KI anstatt von realen Menschen übernommen werden – was den Endnutzer verunsichert. Der Trend einer neuen Transparenz und Rückverfolgung wird daher neues Vertrauen aufbauen müssen. Dies kann durch Ethik, Integrität, Offenheit, Verantwortlichkeit, Kompetenz und Konsistenz geschehen.

Trend 6: Edge Computing

Edge Computing meint eine dezentrale Datenverarbeitung am Rande (Edge) eines Netzwerks. Dabei werden Datenströme ressourcenschonend an Ort und Stelle verarbeitet – zumindest zu einem gewissen Teil. Ein Trend, der sich auch an die neuen Herausforderungen der immer größer werdenden Datenmengen richtet. Mögliche Anwendungsfelder sind etwa Smart Devices und Geräte des Internet of Things (IoT).

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Trend 7: Die verteilte Cloud

Unter Distributed Cloud versteht man die Verteilung von Public-Cloud-Diensten an Standorte außerhalb der physischen Rechenzentren des Cloud-Providers, die jedoch weiterhin von diesem verwaltet werden. Daher ist der Cloud-Anbieter auch für den Betrieb, die Architektur der Cloud und Updates verantwortlich. Der Trend von einer zentralen zu einer verteilten Cloud-Lösung ermöglicht es, Rechenzentren praktisch überall errichten zu können, was sich wiederum positiv auf die Latenzzeit auswirkt.

Trend 8: Autonomous Things

Die Technologien für automatisiertes Handeln von Geräten wie Drohnen, Robotern, etc. sind bereits in den Grundzügen vorhanden. Dabei können intelligente Maschinen heute sowohl teil-autonom, als auch völlig selbstständig, Arbeiten übernehmen, die für Menschen sehr gefährlich sind. Während Roboter bei der Bombenentschärfung oder Flugdrohnen noch ferngesteuert werden müssen, werden viele der vollautomatisierten Technologien hauptsächlich in kontrollierten Umgebungen, wie Lagerräumen und Fabriken eingesetzt. Nach Gartner wird der Trend dazu führen, dass Autonomous Things auch in den offenen Raum vordringen, also auch zu Luft, auf Wasser und an Land. In diesem Zuge wird sich die Technologie auch von Stand-Alone-Geräten zu einem kollaborativem Ansatz verschieben, bei dem Geräte selbstständig miteinander interagieren.

Trend 9: Die praktische Blockchain

Blockchain stellt eine Art verteiltes Konto dar, eine wachsende und geordnete Liste von kryptographisch signierten, unwiderruflichen Transaktionsdatensätzen, die von allen Teilnehmern in einem Netzwerk gemeinsam genutzt werden. Dies ermöglicht die Rückverfolgung einzelner Produkte durch eine gesamte Lieferkette und den Austausch zwischen verschiedenen Parteien in einer digitalen Umgebung.
In Zukunft könnte eine Blockchain das Potenzial haben, Industrie und Wirtschaft grundlegend neuzugestalten, da sich ergänzende Technologien wie KI und IoT neben der Blockchain zu integrieren beginnen. Damit können Geräte eine Vielzahl von Assets austauschen – vom Geld bis zur Immobilie. Beispielsweise könnte ein Auto auf Grundlage seiner Daten direkt mit der Versicherung die richtige Prämie festlegen.

Trend 10: KI Security

Alle bereits genannten Trends bieten eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten und haben das Potential, unseren Alltag grundlegend neu zu gestalten. Aber sie schaffen auch Sicherheitslücken. Ein wichtiger Trend wird daher nach Gartner sein, KI in den Security-Prozess miteinzubeziehen. Dabei werden drei Schlüsselfunktionen definiert:

  • Der Schutz von KI-gesteuerten Systemen
  • Nutzung der KI zur Optimierung der Sicherheit
  • Angriffe auf KI-Basis vorzeitig erkennen und sich dagegen absichern

Der komplette Bericht über die Technologie-Trends 2019 kann auf der Webseite von Gartner heruntergeladen werden.

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