Googles Unternehmensstrategie und Forschungsprojekte im Jahr 2016

Von Alphabet bis X – das plant Google für 2016
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Google wirtschaftet mit Software, investiert aber immer mehr in Hardware. Die Geschäfte mit Apps und YouTube werden in diesem Jahr stark ausgebaut. Daneben könnten erste Projekte aus der Alphabet-Reihe ihre Marktreife erlangen. Ein Überblick zu Googles Unternehmensstrategie im Jahr 2016.

Mit der Gründung der Holding Alphabet im August letzten Jahr stand fest, dass Google seine Dienste rund um das Suchmaschinenangebot von den restlichen IoT-Projekten trennen wird. Unter der Federführung von Sundar Pichai blieben die Kerngeschäfte mit AdSense, Maps, YouTube, Android und Google Play. In die neue Holding wurden hingegen alle Projekte ausgegliedert, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden und keine Einnahmen generieren. Larry Page kündigte an, sich vor allem den experimentellen Projekten zu widmen, um deren Marktreife schneller voran zu treiben. In Zuge dessen wurde das bisher unter dem Namen „Google X“ firmierende Forschungslabor in „X“ umbenannt. Was sich seit der Alphabet-Umstrukturierung sonst noch getan hat und welche Projekte 2016 durchstarten könnten, erörtern wir in diesem Beitrag.

App-Streaming und -Downloads aus der Suche

Im November letzten Jahres teilte Google mit, dass es über 100 Milliarden Links indiziert habe, die direkt auf Content in Apps verweisen. Einige Apps sind seither auch als Streaming-Angebot verfügbar. Über die Google-Suche lässt sich so ein schneller Blick in die Apps werfen, ohne sie direkt herunterzuladen zu müssen. Die Entscheidungsfreudigkeit der Android-User soll damit langfristig erhöht und die Zugriffe beschleunigt werden.

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Die mobile Google-Suche und der Play Store werden außerdem durch einen weiteren Shortcut noch enger zusammen rücken. Google testet momentan einen zusätzlichen Download-Button neben den mobilen Suchergebnissen. Nicht nur der zusätzliche Weg über den Play Store ließe sich damit einsparen, man erhofft sich auch eine erhöhte Kundenbindung.

YouTube will zum Kassenschlager werden

Bei der Präsentation des 3. Quartalsberichts für 2015 verriet Sundar Pichai, dass die Werbebudgets auf YouTube schon bald TV-Niveau erreichen könnten. Im Jahresvergleich 2014/2015 sei zudem die Verweildauer der Zuschauer um 50 Prozent gestiegen, so CEO Susan Wojcicki. Außerdem wird weiter an den Bezahlkanälen von YouTube Red und an neuen Werbeformaten für 360-Grad-Videos gearbeitet. Das Video-Marketing wird also auch in diesem Jahr ganz oben auf Googles To-Do-Liste stehen. Aktuelle Zahlen zu den Werbeeinkünfte liegen noch nicht vor – der Geschäftsbericht wurde noch nicht veröffentlicht.

Am Dienstag berichtete das Silicon Valley Journal, dass YouTube für 215 Millionen US-Dollar einen 51.000 Quadratmeter großen Gebäude-Komplex gekauft habe. Zwar ist von offizieller Seite aus noch nicht bestätigt worden, welche Projekte darin realisiert werden, doch könnten hier weitere Creator Spaces und Studios entstehen. Eine dieser Niederlassungen ist im vergangenen Jahr auch in Berlin eröffnet worden. YouTuber können dort professionelles Equipment nutzen und an Schulungen teilnehmen. Das Kanzlerin-Interview von YouTuber Lefloid ist nur ein Beispiel dafür, welche Reichweite und Einfluss YouTuber längst haben. Durch den Ausbau der Infrastruktur und das zusätzliche Bezahlformat YouTube Red könnten sich für den Konzern in diesem Jahr neue Einnahmequellen eröffnen.

Wohin mit dem Barvermögen von 70 Milliarden US-Dollar?

Unter der Holding Alphabet laufen die kostenintensiven Forschungsprojekte, die bisher keinerlei Einnahmen erwirtschaften. Deshalb werden sie unter Google-Mitarbeitern auch „Moonshots“ genannt. Darunter fallen unter anderem auch Google-Car sowie die Robotik- und Drohnen-Projekte. Schon in diesem Jahr könnten jedoch einige davon ihre Marktreife erreichen.

Drohnen

Ende letzten Jahres bestätigte David Vos, Leiter von Project Wing, dass 2017 die Auslieferung der fliegenden Lieferanten stattfinde. Die ersten Lizenzierungen für Project Wing müssten aber schon in diesem Jahr an die Unternehmen vergeben werden. Im Wettbewerb mit Amazon Prime Air, Alibaba und auch der Deutschen Post ist es weniger eine Frage der technologischen Realisierung als eine der Haftung und Flugverkehrskontrolle.

Windturbinen

Das Projekt Makani hat sich nicht weniger zum Ziel gesetzt, als die Windkraft-Energieerzeugung zu revolutionieren. Mit einem riesigen Kite, der einem Segelflugzeug mit Propellern ähnelt, soll 50 Prozent mehr Energie als mit einer herkömmlichen Windanlage erzeugt werden. Dabei könnten die Materialkosten um 90 Prozent gesenkt werden. Der Kite zieht hierfür in einer höheren Atmosphäre seine Kreise, getragen durch aufsteigende Warmluft, und ist dabei an einer Art Kabelleine mit der Bodenstation verbunden. Auf der Homepage des Projekts sind bereits Projektbilder und Videos von Testläufen zu sehen.

Ballons

Wie auch Mark Zuckerberg bzw. Facebook hat es sich Google zur Aufgabe gemacht, die gesamte Bevölkerung der Welt ans Netz bringen. Das Projekt Loon soll dazu einen wichtigen Hardware-Beitrag leisten. In 20 Kilometer Höhe sollen die Ballons an den entlegensten Orten der Welt einen Internetzugang ermöglichen. Auch in Krisengebieten wie dem Nahen Osten könnte dadurch eine stabile Internetverbindung zur Verfügung gestellt werden. Da auch in diesem Jahr im Syrien-Konflikt kein Ende in Sicht scheint, ist der Bedarf umso dringlicher.

IoT-Betriebssystem

Das Internet der Dinge ist unverändert auf dem Vormarsch – bisher fehlt jedoch noch die gemeinsame Infrastruktur, um alle vernetzen Geräte über eine Software gebündelt ansteuern zu können. Mit Brillo arbeiten die Entwickler von Android, Chrome OS und Nest an einem Betriebssystem, das sich über das Smartphone oder die Smartwatch bedienen lässt. Zudem hat Google mit Weave eine einheitliche Sprache entwickelt, über die allen Geräte untereinander kommunizieren können. Nach der Vorstellung auf der I/O 2015 Konferenz werden in diesem Jahr die ersten Realisierungen erwartet.

Weitere Projekte

Neben einer Kooperation zwischen dem Car-Projekt und Ford sind auch neue modulare Smartphone-Entwicklungen unter Project Ara angekündigt worden. Außerdem soll in den Laboratorien von X an einer verbesserten Lithium-Ion-Batterie gearbeitet werden, die auch für Loon zum Einsatz kommen könnte.

 

Aufmacherbild: KIEV, UKRAINE – OCTOBER 28, 2015: Google logo on pc screen. Google it is the largest Internet search engine, owned of Google Inc. via Shutterstock, Urherberrecht:tanuha2001

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