Netzkultur

Quartalsbericht Q3 2015 und Ausblick

Google: Machine Learning, YouTube Ads und Cinematic Reality
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Die Quartalszahlen von Google verzeichnen Gewinnen. Damit das Wachstum weiter anhält, verriet CEO Pichai gleich, in welche Projekte die Gelder fließen werden. YouTube soll durch ein neues Werbeformat mehr Einnahmen generieren, Suchmaschine und Play Store durch künstliche Intelligenz automatisiert und das Kino vor Augen alltagstauglich werden.

Mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen für das dritte Quartal 2015 konnte Google erneut überraschen. Nicht nur, weil es die Erwartungen der Analysten und Anleger überbot, sondern auch, weil einige spannende Details über die zukünftige Unternehmensausrichtung hinsichtlich neuer technologischer Entwicklungen verraten wurden. Trotz der Umstrukturierung durch die Holding Alphabet im August beziehen sich die Ergebnisse auf den gesamten Konzern.

So konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent – ganze 16,52 Milliarden US-Dollar – gesteigert werden. Das Kerngeschäft wird nach wie vor überwiegend durch Werbeanzeigen bestimmt und wächst weiterhin. Und dass, obwohl Google sich mit mobilen Anzeigen und dem YouTubes TrueView Werbeformat im vergangenen Quartal noch recht schwer tat. So konnten die Klick-Zahlen für Werbung im Jahresvergleich um 23 Prozent verbessert werden. Doch insbesondere YouTube-Werbung soll eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Zwar liefert der Quartalsbericht keine genauen Zahlen zum Videoportal, doch verriet CEO Sundar Pichai um welche Größenordnungen es sich künftig handeln werde.

TV-Budget für YouTube-Werbung

Von einer „überraschenden Dynamik“ sei schon jetzt im Video-Werbe-Geschäft die Rede. Beim gestrigen Call zum Quartalsbericht merkte Pichai an, dass Werbetreibende ihre Budgets für YouTube so weit aufstocken würden, dass diese mittlerweile TV-Niveau erreichen. Zur Einordnung: Ein Werbespot direkt vor der Entscheidung in „Germany’s next Topmodel“ bei ProSieben von 30 Sekunden Länge kostet hierzulande etwa 6.400 Euro. Forbes zufolge solle sich das TrueView Werbeformat insoweit ändern, dass User teilweise nicht mehr den Clip unterbrechen können. Wird die Werbeeinspielung nämlich direkt übersprungen, muss der Werbetreibende auch nicht dafür zahlen.

Da das neue Bezahl-Format YouTube Red auf Werbung verzichten will, wird Google langfristig den kostenlosen Content über statische Werbeclips finanzieren, die sich nicht überspringen lassen. Im kommenden Jahr wird YouTube dann als eigenständiges Tochterunternehmen der Alphabet einen ausführlichen Report zu den Unternehmenszahlen nachliefern. Bis dahin gilt es also, die Umsätze weiter zu pushen. Das Barvermögen des Konzerns beträgt inzwischen 72,676 Milliarden US-Dollar, was es beispielsweise der Unternehmensleitung erlaubt, viele recht kostenintensive Forschungsprojekte zu fördern.

Machine Learning soll Prozesse automatisieren

Neben dem Werbegeschäft konnte Google zumindest rund zehn Prozent des Umsatzes – 1,894 Milliarden US-Dollar – durch den Play Store erwirtschaften. Die Nettogewinne werden teilweise bereits in die Weiterentwicklung von Machine Learning Systemen investiert. Pichai zufolge sei der Bereich für künstliche Intelligenz einer der wichtigsten Forschungsfelder bei Google. Damit steht die Suchmaschine nicht allein. Auch Facebook forscht kräftig an Personen- und Gegenstandserkennungen. Mit Machine Learning sollen Algorithmen dazu befähigt werden, sich automatisch den Begebenheiten und Anforderungen anzupassen und das Angebot zu verbessern – ohne dass menschliche Hilfe dazu benötigt wird. Einige dieser Machine Learning Systeme kommen bereits bei der Google-Voice-Suche und -Translation zum Einsatz. Der Sprachassistent von Google Now verbessert sich ebenfalls schon eigenständig. Doch Pichai zufolge sollen weitere Google-Produkte eine künstlichen Intelligenz erhalten, berichtet Business Insider.

Alle Produkte von Google sollen demnach neu „überdacht“ werden, beziehungsweise selbst anfangen, zu denken. Suchmaschine, Werbeanzeigen, YouTube oder der Play Store – sie alle sollen durch Machine Learning ergänzt werden. Doch dass diese Entwicklung Arbeitskräfte bei Google einsparen wird, ist eher unwahrscheinlich. Bei mehr als 8.000 neuen Mitarbeitern, die innerhalb eines Jahres dazukamen, und somit 59.976 Angestellten insgesamt, wird es neue Aufgaben geben. Wenn man sich etwa bei der Optimierung der Suchmaschine auf Machine Learning verlassen kann, bleibt mehr Zeit, ein anderes zukunftsträchtiges Forschungsgebiet intensiver zu verfolgen. Stichwort: Cinematic Reality.

Das geheime Projekt erhält mehr Geld

Augmented Reality ist (erneut) in aller Munde, vor allem dank Microsofts HoloLens. Google will der Konkurrenz jedoch schon einen Schritt voraus sein – mit Magic Leap. Das Unternehmen, an dem Google maßgeblich beteiligt ist, soll eine virtuelle Realität ermöglichen, die hinsichtlich der Animationen Kinoniveau erreicht. Um das Projekt ranken sich jedoch viele Gerüchte. Niemand weiß, wie das Produkt letztlich aussehen wird. Immer wieder füttert Magic Leap das Netz mit kurzen Sequenzen, die eine reale Umgebung zeigen, in die fliegende Elefanten oder unser Sonnensystem projiziert werden (siehe Video). Nur über die Unsummen an Investmengeldern, die in das Projekt fließen, lässt sich ermessen, welchen Stellenwert führende Tech-Unternehmen dem Cinematic Reality Projekt zumessen.

So soll das Startup laut Business Insider eine weitere Milliarde in einer neuen Finanzierungsrunde erhalten haben. Diese Größenordnung haben bisher nur Uber und Facebook erreicht, als diese noch auf Finanzierungen angewiesen waren. Google hatte bereits letztes Jahr 542 Millionen US-Dollar in Magic Leap investiert. Dass also die Erwartungen an die neue Technologie hoch sind, erklärt sich von selbst. Mit Googles angehäuftem Vermögen wird sich das Unternehmen schnell die neue Technologie zu eigen machen, sobald sie ausgerollt worden ist.

 

Aufmacherbild: Kiev, Ukraine – September 02, 2015:New Google logotype printed on paper, cut and pasted on blackboard with chalk finish writing.Google is USA multinational corporation. via Shutterstock, Urheberrecht: rvlsoft

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