AdBlocks, kostenloses Internet, Finanzierungsfragen: die Debatte um digitale Werbung geht weiter

Wegen AdBlocks: Google entwickelt anscheinend neue Werbestrategie
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Zusammen mit Facebook teilt sich Google fast zwei Drittel des internationalen Online-Werbegeschäfts, aus dem der Konzern das Gros seiner Umsätze generiert. Es wundert daher nicht, dass die Debatte um Adblocker und kostenpflichtige Internetdienste bei Google bzw. dessen Mutterkonzern Alphabet aufmerksam verfolgt wird. Jetzt wird berichtet, dass das Unternehmen an einer eigene Anzeigen-Strategie arbeitet.

Aufdringliche Grafiken am Rand, zwischen oder über den Inhalten, schlimmstenfalls als Pop-Up; dazu noch großes Datenvolumen und dadurch längere Ladezeiten – wer kann den Usern verdenken, dass sie ohne zu zögern, Adblocker einsetzen. Der populärste Werbeblocker – das in Deutschland beheimatete AdBlock Plus – kann mittlerweile über eine halbe Milliarde Downloads vorweisen und verkündete gerade erst, aktuell über 100 Millionen aktive Nutzer zu verfügen.

Das ist nicht nur für die vielen kleineren bis mittelgroßen Content-Provider ein Problem, sondern auch für Giganten wie Google. Jetzt berichtet das Branchenportal Digiday, dass das Unternehmen an einer neuen Strategie zur sowohl effektiven als auch nuterfreundlichen Einbindung von Werbeanzeigen arbeitet.

Sollen die Erwachsenen es regeln?

Einem großen Player wie Google könnte es gelingen, dank seiner Marktmacht und seiner technischen Kontrolle über die Auslieferung der Ads, dort ein funktionierendes Modell zu etablieren, wo individuelle Anbieter gegenüber ihren Werbekunden nicht durchsetzungsfähig sind. Google befindet sich mit seiner Reichweite in einer besseren Verhandlungsposition, um die unangemessensten Wünsche der Werbepartner zurückweisen zu können.

Jedoch gibt es Zweifler. Einerseits hat Google die Macht, um neue Wege in der Werbung zugehen. Aber andererseits: Google hat die Macht. Gegenüber Digiday äußert bspw. ein Publisher die Befürchtung, dass der Konzern im Alleingang entscheidet, was akzeptable Werbeformen sind und was nicht, und möchte beteiligt sein: “They need to get input from publishers.

Strategiefragen

Bislang sind noch keine Details über Googles Pläne bekannt geworden. Wahrscheinlich ist, dass Google seinen Werbepartnern in Zukunft einen Katalog mit Standards vorlegt, der für alle mit dem Unternehmen assoziierten Seiten (wichtig: Youtube) und Services (wie z.B. den Anzeigen-Service DoubleClick) zu erfüllen wäre und festlegt, was akzeptable Werbeformen sind.

Aktuell arbeiten diverse AdBlocker schon mit einem vergleichbaren Konzept namens „acceptable ads“. Außerdem hat das Interactive Advertising Bureau (IAB), eine Organisation, die Industriestandards für die digitale Werbebranche entwickelt, mit L.E.A.N. (Light, Encrypted, Ad Choice Supported, Non-Invasive Ads) ein ähnliches Konzept vorgelegt.

Die IT-Newsseite SiliconAngle spekuliert dagegen, dass Google die langsamen Ladezeiten beheben möchte, die hauptsächlich für den Erfolg von Werbeblockern verantwortlich gemacht werden. Festgelegte Ladehierarchien könnten hier ebenfalls ein Mittel der Wahl sein.

Wie geht es weiter?

So wie es ist, kann es zumindest nicht weitergehen. Das scheint immer mehr Leuten klar zu werden. Dennoch bleibt im Dunkeln, wie sich die User trotz neuer Standards dazu bewegen lassen können, auf AdBlocker zu verzichten bzw. sie nur eingeschränkt zu benutzen. Besser als unaufdringliche Werbung ist schließlich immer noch keine Werbung. Diese Frage stellt sich insbesondere, da Aussperrungsversuche gegenüber den Adblockern bislang weitestgehend gescheitert sind. Insgesamt ist die Industrie gemeinsam bemüht, Werbeformen zu finden, die die Konsumenten erreichen und von diesen akzeptiert werden. Schließlich verdienen sie alle Geld mit der Werbung.

Aufmacherbild: pisaphotography / Shutterstock.com

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