Kinder, Coding und Google

Googles Nachwuchsförderung oder: wie Daten von Kindern vergoldet werden
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Der Suchmaschinen-Riese setzt sich nicht nur für Coding-Unterricht an Schulen ein, sondern unterstützt auch ein Startup, das Kinderbücher individualisiert. Neben den Förderprogrammen für Kinder macht Google jedoch auch wegen Datenschutzbedenken auf sich aufmerksam: Wie Kinder profitieren und Google ungefragt an ihren Daten mitverdient.

Was die Nachwuchsförderung anbelangt, hat Google wie in so vielen zukunftsorientierten Projekten die Nase vorn. Das Tech-Unternehmen hatte sich bereits zu Beginn des Jahres dafür stark gemacht, dass Coden schon zu Schulzeiten gelehrt werden solle, um den steigenden Bedarf an IT-Fachkräften in allen Wirtschaftsbereichen langfristig zu decken. Hierzu hat Google ein dreistufiges Schulmodell vorgestellt, wie Kinder für die Digitalwirtschaft begeistert werden könnten.

Google legt zudem sehr viel Wert auf Chancengleichheit, weshalb es mit zusätzlichen Förderprogrammen sozial benachteiligte Kinder an Schulen unterstützt oder auch mehr Frauen für Tech-Themen begeistern möchte. Zudem stattet es Schulen in den USA mit der notwendigen Hardware aus.

Das Bilderbuch powered by Google

Neben den digitalen Bildungsinitiativen unterstützt Google auch unternehmerische Projekte, die sich rund ums Kind drehen; so auch das Kinderbuch-Startup „Lost my Name“. Im Juni dieses Jahres konnte das englische Startup neun Millionen US-Dollar während der Series A einsammeln. Google übernahm hierfür neben Greycroft und The Chernin Group die Rolle des Hauptinvestors. Und wenn Google sich beteiligt, ist die Idee meist auch erfolgsversprechend. Dabei wirkt das Projekt auf den ersten Blick gar nicht wie Googles sonstige Investitionsinteressen. Denn „Lost my Name“ druckt seine Bücher auf Papier. Der Clou des Ganzen ist jedoch, dass sich die eigens für das Startup bereitgestellten Geschichten mit passender Bebilderung mit dem Namen des Kindes personalisieren lassen. Oliver oder Olivia können so selbst Teil der Handlung werden – ähnlich wie bei der Unendlichen Geschichte von Michael Ende – inklusive der Nennung des eigenen Names.

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Obwohl neuerdings auch eine zweite Geschichte zur Auswahl steht, wurden weltweit von der ersten Fassung bereits 97.827 Exemplare online bestellt und ausgeliefert. Anhand der Daten wurde nun sogar der aktuelle Namens-Trend ermessen. Der beliebteste Name ist demnach Oliver, gleich gefolgt von Harry und Charlie. „Ach du Schreck, mein Name ist weg“ steht auch auf Deutsch und in acht weiteren Sprachen zur Verfügung. Außerdem kann das Geschlecht der Hauptfigur sowie ihre Ethnie ausgewählt werden. Dass weitere Geschichten folgen werden, womöglich noch in mehr Sprachen, ist ebenso wahrscheinlich wie erfolgversprechend.

Google gibt und Google nimmt

Aus den erhobenen Daten Namens-Trends abzuleiten ist eine nette Idee. Allerdings wird Google darüber hinaus vorgeworfen, sich wieder mal als gemeine Datenkrake zu betätigen. Das Problem ist nicht neu, doch ist es unter diesen Umständen umso heikler. Denn die Privatsphäre-Initiative Electronic Frontier Foundation, kurz EFF, kritisiert Googles Vorgehen. Die EFF beschuldigt den Konzern, dass Kinder nicht ausreichend über die Datennutzung aufgeklärt und Eltern nicht zuvor um die Erlaubnis gefragt werden, ob die Daten ihrer Kinder für wirtschaftliche Zwecke verarbeitet werden dürfen. Der Fall hört sich zunächst trivial an. Doch ist es durchaus etwas anderes, ob ein mündiger Internetnutzer Googles Klauseln unbewusst akzeptiert oder Kindern die Chance zur Datenschutzsensibilisierung von vornherein nicht angeboten wird.

Der Guardian berichtet, dass die EFF in den USA von Google einfordert, dass Eltern in die Nutzung von Google-Produkten ihrer Kinder einwilligen. Das betrifft nicht die Erstellung eines Google-Kontos, was ohnehin für Kinder uninteressant ist, sondern das einfache Anschauen von Videos auf YouTube oder das Stellen von Suchanfragen. Die Initiative stuft vor allem die Nutzung der an US-amerikanischen Schulen bereitgestellten Chromebooks und Google-Bildungs-Apps als kritisch ein. Denn allesamt ermöglichen eine Erfassung des Nutzungsverhaltens der Minderjährigen. Schüler und minderjährige Studenten seien davon betroffen, dass ihre Daten durch Google verarbeitet und verkauft würden, ohne dass die Jugendlichen oder ihre Eltern davon wüssten oder darauf Einfluss nehmen könnten.

Aufklärung über Googles Vorgehen mit Daten

Zwar ist Googles Einfluss durch die Förderung an hiesigen Schulen und Unis bei Weitem nicht so stark ausgeprägt, doch ist das Problem mit der Nutzung von Google-Produkten ähnlich.
Während es den einen egal ist, ob Google persönliche Daten speichert und verarbeitet, entscheiden sich einige bewusst gegen die Monopolstellung Googles und nutzen alternative Angebote. Doch bei Kindern ist der Fall meist ein anderer. Denn sie haben keine Möglichkeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden, da sie die Konsequenzen ihrer Handlung meist noch nicht begreifen können. Wenn nicht mal die Eltern darüber aufgeklärt sind oder durch eine Einwilligung über die Datenerfassung aufmerksam gemacht werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind überhaupt ein Gefühl für seine Privatsphäre entwickelt.

Aufmacherbild: Busy children studying with digital laptop and tablet inside the school via Shutterstock, Urheberrecht: racorn

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