Angriff oder Aufklärung? Hacking und Hass-Posts

Hacker legt fragwürdige Seiten lahm und twittert
Kommentare

Ein Hacker legt rassistische oder homophobe Seiten lahm und twittert das Ergebnis. Zur gleichen Zeit verschafft Facebook Einblicke, wie gegen Hass-Posts vorgegangen werden soll. Das Problem menschenverachtender Beiträge und Seiten im Netz ist unverändert aktuell. Lediglich die Maßnahmen verschärfen sich. Menschenwürde versus Meinungsfreiheit.

Ob DDoS, Website Defacement oder Black Hats – die Liste digitaler Angriffe ist so vielfältig wie die Motivation, die hinter einem Hacker-Angriff steckt. Wenn Hacker SMS-Tan aushebeln, um sich an Online-Konten anderer Leute zu bereichern, so ist der Fall moralisch wie rechtlich ziemlich klar zu beurteilen. Doch wenn absichtlich Server von fragwürdigen Seiten durch Hacker lahmgelegt werden, weil diese homophobes, rassistisches und anderweitig menschenverachtendes Gedankengut verbreiten, so ist ein Urteil nicht ganz so leicht zu fällen. Unter dem Namen Amped Attacks macht momentan ein einzelner Hacker diesbezüglich auf sich aufmerksam.

Eigensinniger Angeber oder gemeinnütziger Aufklärer?

Durch DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service) legt er/sie Server kurzzeitig lahm und twittert gleich im Anschluss, welche Seiten nicht mehr zu erreichen sind. Bisherige Ziele waren Webseiten, die Homosexuelle öffentlich denunzieren, fremdenfeindliche Blogs, Pornoseiten mit pädophilen Inhalten und mit dem IS in Verbindung stehende Auftritte. Mit deutlichen Worten geht Amped Attacks gegen die Seitenbetreiber vor und verlinkt sie gleich per @. Zudem wird mit jedem Tweet ein Screenshot von der betreffenden Seite eingebunden, auf dem die Timeout-Meldung zu sehen ist. Auch wenn die Seiten nur kurzzeitig nicht mehr zu erreichen sind, ist die Message bereits gestreut.

Amped Attacks wird auf Reddit wegen seiner kindischen Vorgehensweise überwiegend verlacht. Denn jedes Mal gibt er/sie sich auf Twitter etwas überzogen als moralische Apostel. Doch gerade weil die Tweets auch Leute außerhalb der Hacker-Szene erreichen und auf zwielichtige Seiten aufmerksam machen, ist das Vorgehen ebenso zu begrüßen. Rechtlich gesehen bewegen sich solche Hacker-Angriffe jedoch auf dünnem Eis. Anonymus versuchte vor zwei Jahren DDoS-Angriffe durch eine Petition zu legalisieren. Denn ähnlich wie bei einer Straßendemonstration werden die Zugänge zu bestimmten Plätzen oder Gebäuden zeitweise blockiert, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Mit dem Gesetzesentwurf (CISA) gegen Hackerangriffe, über den der US-Senat nun abstimmen soll, könnten auch solche Aktionen bald in den Staaten rechtlich verfolgt werden.

Facebook kämpft mit Hass-Posts und stellt Lösungen in Aussicht

Während sich nicht nur im Dark Net, sondern sehr wohl auch im „sichtbaren“ Internet fragwürdige Seiten tummeln, bleiben diese aufgrund der Masse oft unentdeckt. Sie zumindest ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, erhöht die Chance, dass die Politik sich im Zugzwang sieht und gegen menschenverachtende Seiten vorgeht. Wäre da nicht das Problem einer klaren Definition, was allgemein als menschenverachtend gilt oder doch einfach nur als reine Schikane, Spaß oder Unsinn abgetan wird. Ein Problem, mit dem auch massenwirksame Seiten wie Twitter und Facebook zu kämpfen haben. So wird auch auf und über Facebook rege diskutiert, wie mit Hass-Posts umgegangen werden soll. Vorwürfe darüber, dass Facebook zu wenig gegen fremdenfeindliche Inhalte unternehme, reißen nicht ab. Heute verschaffte die Plattform deshalb Einblicke in die Community Operations, die sich mit Beschwerden beschäftigt, wie Heise berichtet.

So habe das Netzwerk schlichtweg mit einem Bearbeitungsstau zu kämpfen. Auch deshalb, weil viele User ihre Beschwerden falsch deklarierten. In der Hoffnung schnell behandelt zu werden, würden viele Hass-Posts als Pornografie gemeldet werden. Die Schwierigkeit wurzelt jedoch darin, zu beurteilen, ob tatsächlich ein beleidigender oder rassistischer Beitrag vorliegt. Hierfür bräuchte es in Anbetracht der Masse von Usern fast schon einen Ethikrat, der sich um solche Belange kümmert. Stattdessen wolle man vermehrt mit Hilfe von Software-Robotern die Löschung von Hass-Posts und Spam vornehmen.

Meinungsfreiheit, zu welchem Preis?

Dass nicht alle Posts und Tweets mit auffälligen Keywords, die auf anstößige oder bedrohliche Inhalte schließen lassen, auch tatsächlich Hass-Posts sind, verschärft das Problem. Der ehemalige Twitter CEO Costolo warnte noch vor seinem Amtsabtritt davor, dass die Frage der freien Meinungsäußerung die größte Herausforderung für die Zukunft der Social-Media-Plattformen darstellen werde. Die Nutzerzahlen wachsen und auch die Businessmodelle werden immer ausgeklügelter. Während große Tech-Unternehmen immer häufiger auf Machine-Learning-Systeme setzen, ist zu überdenken, ob Algorithmen auch das menschliche Miteinander regeln können oder überhaupt sollten. Die Diskussionskultur auf allen sozialen Kanälen brodelt weiter, während sich einige Hacker die Spielregeln der Netzwerke zunutze machen, um eigenverantwortlich gegen Missstände vorzugehen – und sich damit selbst strafbar machen.

Aufmacherbild: Hacker in Work. High Speed Computer Keyboard Typing by Professional Hacker. Hacking the Internet Photo Concept. via Shutterstock, Urheberrecht: welcomia

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -