Im schönsten Ort des Internets umarmt man sich
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Hast du auch schon mal darüber nachgedacht, wo wohl der schönsten Ort im Internet liegt? Wir verbringen täglich Stunden damit, im Netz mit anderen Menschen zu kommunizieren, zu arbeiten oder zu shoppen. So nah und erreichbar uns die Welt im Internet manchmal erscheint, so kalt und fern wirkt sie im nächsten Moment, wenn man sich vergegenwärtigt, wie gigantische Datenmengen durch Leitungen prasseln und Algorithmen unseren Alltag regeln – wären da nicht ein paar Websiten und Apps, die diese kalte Datenkluft zu überwinden versuchen und menschliche Emotionen einfangen, möchte man manchmal einfach nur den Aus-Knopf drücken. Okay, genug der romantisierten Kitschtirade –

Vermittlungsplattformen und Dating-Apps mal anders

Tinder, Grindr und andere einschlägige Vermittlungen wie Parship und Co. versuchen Menschen zusammenzubringen; doch setzen sie entweder immer den Beziehungs- oder Sexaspekt in den Mittelpunkt. Wer hingegen einfach nur einen unverbindlichen, zwischenmenschlichen Kontakt sucht, hat es meist bedeutend schwerer, fündig zu werden.

Wer beispielsweise ein wenig Wärme braucht und einen netten Kontakt sucht, kann die kostenlose App Cuddle nutzen, die schlichtweg auf Umarmungstreffen setzt. Hierüber suchen sich wie bei Tinder Leute über Fotoauswahl, um sich einfach nur in den Arm zu nehmen – nicht mehr. Wer dagegen verstößt, kann geblockt werden.

Umarmt euch! Der schönste Ort im Internet verspricht digitale Wärme

Und wer einfach nur ein bisschen Nettigkeit im Netz sucht oder selbst schenken will, kann den schönsten Ort im Internet besuchen – ganz Recht, eine Seite im Netz mit der Domain thenicestplaceontheinter.net zeigt Menschen, die über ihre Webcam oder Handykamera anderen Menschen eine Umarmung schenken. Das sieht dann so aus, dass der nette Bauarbeiter von der lärmenden Baustelle nebenan mal kurz auf die Linse zu rennt und seine Kamera umarmt. Eingeladen ihr eigenes Hug-Video zu machen sind alle, die ein wenig digitale Nähe schenken wollen. Auch Tiere, Zombies und Astronauten sind gern gesehen, heißt es auf der Seite. Die Seitenbetreiber schneiden via Youtube kontinuierlich alle Einsendungen zusammen und präsentieren sie als Dauerschleife im Hintergrund der Webpage. Die einzelnen Videos können natürlich auch auf allen Social Media Plattformen an Freunde und die, die es werden sollen, verteilt werden.

Wo ist der Haken an der Sache? 

Ein Skeptiker könnte schnell die Frage aufwerfen, was die ganze Aktion eigentlich bezwecken soll. So viel kostenlose Nettigkeit ohne Marketing-Hintergedanken will man der Hug-Offensive zunächst gar nicht zutrauen. Man denke an die virale Erfolgsgeschichte von Kiss First, bei der Menschen zu sehen waren, die sich nicht kannten und das erste Mal küssten. Guerilla-Marketingaktionen und versteckte Werbebotschaften scheinen hinter fast jedem viralen Web-Inhalt zu lauern. Wer startet eine solche Aktion ohne kommerzielle Absichten? 

Bewegung oder Werbegag – wer mitmacht, findet es sicherlich bald heraus

Vielleicht ist es aber auch wirklich eine Art eigenkaritative Initiative für Internet-User im Sinne einer Gruppentherapie, um dem Netzwerk ein wenig menschliche Wärme zu verleihen. Dass man aber trotzdem nur seine Webcam umarmt und nicht einen reellen Menschen, sei jetzt mal dahingestellt. Ob es sich bei der Hug-Aktion um den digitalen Locus Amoenus handelt oder doch nur um eine gewiefte Werbekampagne, wird sich vielleicht bald herausstellen. Süß ist die Aktion trotzdem irgendwie.

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