Medieneinfluss

iOS 9 – Apple News App und die Presse
Kommentare

Die drei großen Tech-Unternehmen Facebook, Google und Apple stehen auch bei der Aufbereitung journalistischer Inhalte im Wettbewerb. Mit unterschiedlichen Diensten vermitteln sie Beiträge etablierter Verlagshäuser an ihre User. Nun will auch Apple mit einer neuen App in den Medienmarkt um Google News und Instant Articles einsteigen.

Bei der Fülle an Informationen im Netz vertrauen viele User längst auf Feed-Reader, News-Aggregatoren und Apps, die die aktuellsten Nachrichten und spannendsten Beiträge kompakt und übersichtlich zusammenfassen. Sich einzeln durch die jeweiligen Magazine, Blogs und Seiten auf der Suche nach Neuigkeiten zu klicken, ist zeitaufwendig und nicht gerade effektiv – vor allem, wenn man einen Überblick zu verschiedenen Medien bewahren möchte. Google bietet mit seiner News-Seite die wohl beliebteste Übersicht im Netz; des Weiteren basiert Feedly, über den sich RSS-Feeds übersichtlich zusammenfassen lassen, ebenfalls auf Googles Reader-Technologie. Facebook hat in diesem Jahr mit mehreren Verlagen weltweit Verträge geschlossen, um die Social Media interne Nachrichtenseite Instant Articles in Kooperation mit ausgewählten Seiten (u.a. Spiegel Online und Bild) aufzubauen. Nun zieht offenbar auch Apple nach, das dritte große Tech-Unternehmen in dieser Runde, und versucht sich an einem eigenen News-Modell als App.

Apple News App für redaktionelle Inhalte

Obwohl viele iPad und iPhone-User längst mit der Social News App Flipboard vertraut sein dürften, will Apple trotzdem mit iOS 9 eine eigene News-App im Herbst herausbringen, für die eigens Journalisten eingestellt werden sollen, die den News-Content verwalten und mit gestalten. Zunächst nur in den USA, UK und Australien – späterhin in Europa. Während Facebook auf die Social-Media-Anknüpfung setzt und damit ausgewählte Medien seinen Usern leichter, schneller und übersichtlicher zugänglich machen will, drängt nun auch Apple stärker auf den Medienmarkt. Dass US-amerikanische Tech-Unternehmen damit zunehmend Einfluss auf die hiesige Medienlandschaft nehmen, wird von einigen Journalisten bereits mit einer gewissen Sorge verfolgt. Dass noch nicht von einer Medien-Dominanz seitens der Tech-Industrie die Rede sein kann, zeigt sich daran, dass auch große Verlagshäuser wie die Zeit bereits das Vorgehen von Spiegel Online kritisieren. In Zeiten der rückläufigen Auflagen suchen selbst breit aufgestellte Verlagshäuser wie Springer (Bild) nach Möglichkeiten, sich mit der Tech-Industrie zu arrangieren. Während sich die Bild-Zeitung mit Google wegen des Leistungsschutzrechts streitet und deshalb auf die Seite von Facebook geschlagen hat, wird auch die Zeit und andere noch vermeintlich neutrale Medienhäuser sich zukünftig einen Partner suchen müssen.

Facebook, Google und Apple setzen Wettbewerb fort

Auch wenn Magazine nur schwerlich ohne Social-Media-Anbindung auskommen, um ihre Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – vor allem um die jüngere Generation der Digital Natives zu erreichen –, ist die Einflussnahme auf die Presse seitens der Tech-Unternehmen längerfristig unter Vorbehalt zu verfolgen. Denn immer mehr entscheiden die Plattformen und digitalen News-Dienste darüber, was mittels Auswahl und Ranking in das Sichtfeld des Lesers gelangt. So hilfreich Twitter, Facebook, Reddit, Google News und bald auch Apple News sind, um Menschen zu erreichen und verbinden, so sehr könnten sie auch Einfluss auf die Meinungsbildung und Auslese nehmen. Wie beim Wettbewerb um Video-Content, Datenschutz und kostenlose Service-Angebote im Netz, um den die drei großen Tech-Unternehmen Google, Facebook und Apple buhlen, ist auch die Presse das Ziel unternehmerischer Interessen.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -