Änderungen bei Klarnamenpflicht auf Facebook

Klarnamenpflicht: Facebook-Tool prüft Fake-Profile und Pseudonyme
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Wer gute Gründe hat, darf seinen falschen Namen auf Facebook behalten. Damit soll vor allem der Zugang für Minderheiten und politisch Verfolgte gesichert werden. Dafür müssen allerdings intime Angaben gemacht werden. Fake-Profile sollen durch das Prüfverfahren leichter entlarvt werden. Die Sicherheitsmaßnahmen wachsen, damit ein faires Miteinander auf Facebook garantiert ist.

Mitte des Jahres erreichte die Diskussion um die Klarnamenpflicht auf Facebook ihren vorzeitigen Höhepunkt: Nachdem Profile mit Künstlernamen, darunter auch von Dragqueens, gelöscht wurden, entschuldigte sich Facebook zwar, aber die Auflagen wurden dadurch nicht gelockert. Facebook veröffentlichte stattdessen eine Carta mit Richtlinien, unter welchen Voraussetzungen sich ein Profilname anlegen lässt. Dies hielt unter anderem politisch verfolgte Ethnien oder Transsexuelle davon ab, Facebook mit ihrem Geburtsnamen zu nutzen.

Gibt es eine Verbindung zu Safe Harbor?

Die Beschwerden häuften sich, als das soziale Netzwerk einige User nach ihrem Ausweis fragte, um die angegebene Identität zu bestätigen. Das Problem besteht auch beim Missbrauch von realen Namen durch sogenannte Fake-Profile. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar argumentierte jedoch, dass das deutsche Tele-Mediengesetz vorsehe, dass jeder Bürger das Recht auf die Benutzung eines Pseudonyms habe. Da sich Facebook jedoch bis vor kurzem ausschließlich an irischem Recht orientierte, musste es die deutsche Auflagen nicht berücksichtigen. Anfang Oktober erklärte allerdings der Europäische Gerichtshof Safe Harbor für ungültig – Ende Oktober folgte Facebooks Ankündigung, dass der Umgang mit der Klarnamen-Pflicht verbessert werden solle.

Neues Prüf-Tool für Namensgebung

Nun stellte Facebook im Newsroom eine ganze Reihe von Änderungen vor, um Ausnahmen für die Klarnamenpflicht zu gewähren. Denn ganz davon abrücken will das Unternehmen (immer noch) nicht. Die notwendigen Schritte, um einen Fake-Namen zu legitimieren oder zu melden, sollen lediglich vereinfacht werden. So betonen die Verantwortlichen, dass man der Diskrimierung und Ausschließung von Usern vorbeugen möchte. Dazu soll zunächst die Verifikation des Namens mithilfe eines zusätzlichen Tools – statt via ID – durchgeführt werden. Hierüber sollen Mitglieder persönliche Gründe angeben können, weshalb sie ihren richtigen Namen nicht nutzen wollen. Jemand, der politisch verfolgt wird oder seinen Geburtsnamen wegen einer sexuellen Orientierung nicht angeben möchte, kann dies nun Facebook ausführlich erläutern. Zudem lässt das Tool zu, spezielle Gründe anzugeben. Jemand der seit Jahren unter falschem Namen auf Facebook unterwegs ist, soll dies auch weiterhin dürfen, sofern gute Gründe geltend gemacht werden können.

Facebook © 2015

Facebook © 2015

Fake-Profile bekommen Galgenfrist

Sollte ein Mitglied wegen eines Fake-Namens gemeldet werden, so kann sich diese Person nun ebenfalls binnen sieben Tagen rechtfertigen und seinen Account unverändert weiter nutzen. Das Review-Team prüft derweil die Namensgeschichte und die angeführten Gründe innerhalb des neuen Tools. Jemand, der sich unter falschem Namen anmeldet und beispielsweise eine andere Person damit diffamiert, kann so ebenfalls aus dem Verkehr gezogen werden. Momentan befindet sich das Tool in den USA in der Testphase. Hier sollen zudem zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen bei Neumitgliedern getroffen werden. Nachweise per Ausweis wolle man aber mithilfe des neuen Tools möglichst reduzieren.

Nach erstem Feedback soll das Tool dann auch global ausgerollt werden. Safe Harbor dürfte vielleicht das Zünglein and der Waage gewesen sein, damit der Prozess beschleunigt wurde. Darüber hinaus besteht auch eine globale Nachfrage für verbesserte Sicherheitsmaßnahmen auf Facebook. Dennoch dürften Datenschützer hellauf begeistert sein, dass die Plattform sensible Angaben ihrer Mitglieder sammelt, um den Namen zu rechtfertigen. Auch in diesem Zusammenhang geht mehr Sicherheit offenbar nur mit mehr Kontrolle einher.

 

Aufmacherbild: anonymous male and female profile picture emotion, silhouette profile avatar via Shutterstock, Urheberrecht: popular business

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