Streaming-Dienst will Geoblockaden durchsetzen

Netflix dreht internationalen VPN-Nutzern den Hahn zu
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Der international führende Video-Streaming-Dienst Netflix hat angekündigt, Schritte gegen die weltweite Nutzung seines US-amerikanischen Angebots über VPN-Dienste einzuleiten. Die Gründe dafür sind nicht nur unternehmensstrategischer, sondern auch rechtlicher Natur.

Kurz nachdem Netflix seine Verfügbarkeit in nahezu jedem Land der Welt angekündigt hat, macht es sich nun daran, die Bedingungen für den Erfolg seiner neuen nationalen Angebote zu schaffen. Zu allererst möchte der Konzern deswegen die Nutzung der US-amerikanischen Version seines Streaming-Angebots von außerhalb der Vereinigten Staaten unterbinden.

US-Netflix über VPN und Proxy

Weil Netflix entweder überhaupt nicht verfügbar war oder der amerikanische Katalog im Vergleich zu den vorhandenen Länderversionen mit dem umfangreichsten Sortiment aufwartete, haben viele Nutzer auf Virtual Privat Networks und Proxy-Server zurückgegriffen, um trotzdem in den Genuss ihrer Lieblingsserien zu kommen – eine auch in Deutschland beliebte Praxis. Da dies nun nicht länger nötig sei, so denkt man sich wohl im Hauptsitz des Unternehmens in Los Gatos, Kalifornien, sollte es auch nicht länger möglich sein. Was die technischen Details der VPN-Sperre angeht, hält Netflix sich bedeckt, wohl um Ausweichmanöver seitens der Nutzer zumindest für kurze Zeit zu erschweren.

Unvollständige Kataloge

Auch muss bezweifelt werden, dass die Angebote der verschiedenen internationalen Netflix-Varianten wirklich gleichwertig sind. Denn das globale Angebot ist weiterhin wesentlich kleiner als das US-amerikanische. Teilweise lässt es sogar von Netflix selbst produzierte Serien vermissen. So war bspw. die dritte Staffel von House of Cards in Deutschland lange Zeit nicht via Netflix verfügbar, da die Premierenrechte an den Pay-TV-Anbieter Sky verkauft worden waren. Ähnliche Probleme scheinen in vielen anderen Ländern ebenfalls zu existieren. Den Bedarf nach VPN-vermittelter Nutzung des US-Programms dürfte man so jedenfalls länger am Leben erhalten als geplant. Indes arbeitet Netflix daran, eigene und fremde Inhalte weltweit zu lizenzieren, um überall einen identischen Katalog von Serien, Filmen usw. präsentieren zu können. Das erklärt zumindest David Fullagar, der Vizepräsident der Content Delivery Architecture des Video-on-Demand-Services, im Ankündigungspost auf dem firmeneigenen Blog.

Kritik von Rechteinhabern

Mit den Maßnahmen gegen VPN-Nutzer reagiert das Unternehmen außerdem auf anhaltende Kritik seitens der Rechteinhaber. Bislang konnten sich Kunden außerhalb der USA einen Account für das US-Angebot erstellen und dann über VPN problemlos streamen. Netflix zeigte sich demgegenüber indifferent, soll heißen: Es unternahm keine Gegenmaßnahmen. Mit der globalen Expansion des Unternehmens lässt sich diese Praxis einerseits noch weniger legitimieren als bisher und steht andererseits nicht länger im Firmeninteresse.

Vereinheitlichung der Rechtslage

Im genannten Blogpost lässt Fullagar durchblicken, dass Netflix sich für die Vereinheitlichung der internationalen Rechtslage einsetzen wird, um Lizenzierungsverfahren im Zeitalter des globalen Internets zu vereinfachen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Dass die EU-Kommission im vergangenen Dezember eine Verordnung zur Gewährleistung der grenzüberschreitenden Portabilität von Online-Inhalten im Binnenmarkt vorgeschlagen hat, lässt aber auf eine zügige Modernisierung zumindest des EU-Rechts hoffen.

 

Aufmacherbild: Netflix service logo on tablet von Shutterstock / Urheberrecht: nevodka

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