re:publica 2014

Feiern im Schatten der Netzüberwachung
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Seit ihrer Gründung 2007 hat sich die re:publica von einem Treffen deutscher Blogger zu einem der weltweit wichtigsten Festivals der digitalen Gesellschaft gemausert. Die diesjährige re:publica stand ganz im Zeichen der Netzüberwachung.

Alex, der junge Mann am Registrierungs-Counter, nimmt einen tiefen Schluck Club Mate und will mein Ticket checken: „Ja, alles klar, verlier das Bändchen nicht, Du musst damit duschen, wenn Du auch morgen und übermorgen kommen willst.“

Auf der re:publica 2014 werden wieder Reden gehalten und natürlich auch Klischees der jungen digitalen Szene bedient. Das gehört dazu.

Trotz aller Gelassenheit stehen auf der Agenda der diesjährigen Veranstaltung, die nun zum siebten Mal stattfindet, auch ernste Themen: Die NSA-Enthüllungen des vergangenen Jahres schweben wie eine diffuse Bedrohung über der re:publica 2014 und kommen in den Talks immer wieder zur Sprache.

„Überwachung macht impotent“

Diese provokative These ist gleichzeitig der Name der Session, die Friedmann Karig gehalten hat.

Anstatt die Details der Abhörtaktiken der NSA nacheinander abzuklopfen, macht Karig einen Schritt zurück und betrachtet die gesellschaftlichen Entwicklungen, die Datenüberwachung durch den Staat mit sich bringen. Warum wehren wir uns nicht gegen die Praktiken der Geheimdienste, warum ruht sich der Großteil der Gesellschaft auf dem Argument aus: „Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten?“ – und was macht diese Einstellung mit einer Gesellschaft, die immer vernetzter und immer digitaler wird, die täglich Unmengen an persönlichen Daten durch das Netzt jagt?

„Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.“

Mit gefährlichen Aussagen wie dieser, betäuben sich kontrollierte Bürger, die großzügig Fotos und Gedanken im Netz verbreiten – immer mit dem Hintergedanken, dass der Staat zuschauen könnte.

Software & Support Media

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Kontrollierte Bürger werden vorsichtiger

Wir wissen schließlich nicht, ob und wann der Staat uns bei unseren Unterhaltungen über die Schulter schaut. Dadurch ergibt sich für den Überwacher ein angenehmer Nebeneffekt: Er muss nicht mehr so genau kontrollieren, weil sich ein Großteil sicherheitshalber regelkonform verhält. Die Gefahr, dass jemand aus der Reihe tanzt, sinkt. Karig berichtet von soziologischen Studien zum Thema Überwachung und kommt nach 45 Minuten zum Fazit: Überwachung führt zu Selbstbeschränkung, Deindividualisierung und Aggression. Tosender Applaus.

Trotz der Schweren Kost, verliert die re:publica ihre gewohnte Leichtigkeit nicht. Im Innenhof des STATION-Berlin dröhnt laute Musik, ab und zu donnert die U2 über die Köpfe der Teilnehmer – es herrscht Feierstimmung in Kreuzberg. Außerdem wird gegen 16 Uhr auch der alternde Baywatch-Star David Hasselhoff die re:publica-Bühne betreten, um seine Gedanken zum Thema Netzfreiheit im Talk „Looking for Freedom“ mitzuteilen.

Trash oder ein gekonnter Marketing-Schachzug der Veranstalter? Beides? Wir dürfen gespannt sein, welche Wendung dieser Auftritt der Veranstaltung geben wird.

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