Datenschutz-Ratings

Seiten und Apps: Schnellcheck für AGB und Datenzugriffe
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Über zwei Dienste im Netz lässt sich prüfen, ob Seitenbetreiber und Apps seriös mit den Nutzerdaten umgehen und welche AGB bedenklich sind. Mit den notenbasierten Rankings können User schnell die Vertrauenswürdigkeit checken und die kritischen Geschäftsbedingungen einsehen.

Das Thema Datenschutz und User-Rechte wird im Netz zusehends komplexer. Damit man selbst den Überblick behalten kann, wie Seitenbetreiber und Apps mit den persönlichen Daten umgehen, was getrackt wird und welche Risiken versteckt sind, gibt es praktische Anwendungen und Orientierungshilfen. Denn mal ehrlich – kaum jemand liest die AGB oder begreift die Konsequenzen gewisser Berechtigungen, die von Apps eingefordert werden. Zwei nach eigenen Angaben unabhängige Seiten im Netz helfen dabei, einen schnelle Überblick zu bekommen, was in den Geschäftsbedingungen steht und welche Anwendungen vertrauenswürdig sind.

AGB im Schnellverfahren prüfen

Egal, ob ein Google-Konto eröffnet wird oder man sich bei Twitter anmeldet – der „Ich akzeptiere die Geschäftsbedingungen“-Button ist meist schneller gedrückt als hinterfragt. Doch was sich das Unternehmen an Maßnahmen vorbehält, wie es mit den Daten umgeht und welche Rechte der User selbst hat, ist den wenigsten bekannt. ToS;DR (Terms of Service; Didn’t Read) will für Klarheit und Transparenz sorgen. Das im Jahr 2012 in Berlin gegründete Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die AGBs der Seitenbetreiber gemeinschaftlich unter die Lupe zu nehmen. In der Community kann jeder selbst tätig werden, kritische oder hilfreiche Paragraphen in den Geschäftsbedingungen zur Diskussion stellen und mit anderen darüber debattieren und bewerten. Im demokratischen Verfahren werden dann für einzelne Seitenbetreiber wie beispielsweise Soundcloud die Vor- und Nachteile übersichtlich zusammengefasst und mit einem Rating versehen. Der unbeteiligte Nutzer bekommt so schnell einen Überblick, was die Seite sich an Rechten vorbehält, worauf man achten sollte, und ob es womöglich ratsam ist, einen anderen Dienst in Anspruch zu nehmen. Soundlcoud etwa hat eine B-Klassifizierung, die Zweitbeste. Die Zusammenfassung besagt: „The terms of services are fair towards the user but they could be improved.“ YouTube hat hingegen nur ein D-Rating – das Vorletzte. Der Grund: Die Klauseln von Googles Videoportal sind undurchsichtig sowie die Rechte, die sich das Unternehmen herausnimmt, mitunter unverschämt. Die einzelnen Probleme lassen sich einfach einsehen und bei gegenteiliger Meinung auch in der Diskussion in Frage stellen.

Alles auf einen BLick - AGB im Check

Die AGB-Probleme mit YouTube in der Übersicht
Screenshot: https://tosdr.org/index.html#youtube

Android-Apps auf Vertrauenswürdigkeit checken

Für mobile Apps gibt es seit einiger Zeit einen ähnlichen Service unter privacygrade.org, ein ehemaliges Uni-Projekt, über das sich User informieren können, welche Android-Apps seriös sind. Das Bewertungsverfahren ist ähnlich wie bei ToS;DR. Geprüft wird, ob die Apps sich an die Geschäftsvereinbarungen in den AGB halten und welche Zugriffe der App vertrauenswürdig sind. Apps wie Flashlight, GO Locker, Camera360 Ultimate und viele andere stehen hier auf dem Index mit dem schlechtesten Rating D. Wie die Klassifizierung zustande kommt, lässt sich ebenfalls einsehen. Viele dieser fadenscheinigen Apps geben etwa ungefragt User-Daten an Dritte weiter oder haben Zugriff auf Gerätefunktionen, die nicht in den AGB stehen.
Die YouTube-App hat bei privacygrade interessanter Weise die Bestnote A bekommen.

privacygrade

Screenshot: http://privacygrade.org/apps/vStudio.Android.Camera360.html

 

Einblicke und Einsichten für den User

Während die YouTube-App zumindest privacygrade zufolge mit den Nutzerdaten seriös umzugehen scheint, merken die freiwilligen Prüfer von ToS;DR an, dass die YouTube-Webseite sich allerdings Rechte herausnimmt, die durchaus zweifelhaft sind. So würden beispielsweise von Nutzern gelöschte Videos zwar nicht mehr angezeigt, aber weiterhin gespeichert bleiben; oder die Geschäftsbedingungen können jederzeit geändert werden, ohne das der User davon in Kenntnis gesetzt werden müsse. Beide Prüfdienste bieten dem unschlüssigen, interessierten oder kritischen User einen ersten Einblick ind AGBs und App-Nutzungsbedingungen. Bei manch einer Klausel lässt sich die Entscheidung für oder gegen einen Seitenservice oder eine App damit schnell treffen. Auf ToS;DR werden noch immer vielerlei Seiten, darunter Facebook, Amazon, WordPress usw. geprüft und diskutiert. Zwar gibt es noch kein eindeutiges Rating für dies Seiten, dennoch lassen sich die Probleme und Kritikpunkte schon jetzt einsehen – und bestenfalls mit diskutieren. ToS;DR ist auch als Firefox-Plugin verfügbar, das einem beim Surfen auf Anfrage gleich verrät, welches Rating die besuchte Seite hat.

Aufmacherbild: Failed test or exam and disappointed woman via Shutterstock, Urheberrecht: Leszek Glasner

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