Internet-Studie

Senioren suchen im Netz nach Gesundheitstipps
Kommentare

Immer mehr Senioren surfen im Netz und suchen vor allem nach Tipps zu Gesundheit, Medizin und Ernährung. Auch Online-Diagnosen werden in Anspruch genommen. Healthcare aus dem World Wide Web.

Der Hals kratzt, der Rücken schmerzt – frei nach dem Motto „selbst ist der Patient“ konsultieren viele bei Krankheitssymptomen erst mal das Internet, bevor sie den Weg zum Arzt auf sich nehmen. Aber auch Hinweise zu Medikamenten oder gesunder Ernährung  gibt es im Netz zuhauf. Das haben mittlerweile auch ältere Menschen erkannt und nutzen verstärkt das Internet, um sich über Gesundheitsthemen zu informieren.

Senioren suchen Gesundheitstipps im Netz

Der High-Tech Verband BITKOM hat eine Umfrage zu Senioren im Netz und der Nutzung von Gesundheitsangeboten durchgeführt. Das Ergebnis: Insgesamt suchen zwei Drittel der Internetnutzer ab 65 Jahren (68 Prozent) medizinischen Rat im Netz. Selbst bei den Nutzern ab 80 Jahren sind es noch ganze 57 Prozent. Bei einer ähnlichen Umfrage vor vier Jahren erklärten erst 36 Prozent der älteren Internetnutzer, das Web bei Gesundheitsfragen zu konsultieren.

„Der Trend geht zum informierten, mündigen Patienten und dabei spielt das Internet eine entscheidende Rolle“, sagt BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Online-Recherche kann beispielsweise helfen, Diagnosen und Therapien besser zu verstehen oder Krankheiten vorzubeugen. Einen Arztbesuch ersetzt das Internet in aller Regel nicht.“

Vor allem Frauen nutzen online Gesundheits-Services

Dabei scheinen vor allem weibliche Surfer das Internet als Informationsquelle in Sachen Gesundheit zu schätzen. Sie holen sich mit 77 Prozent deutlich häufiger Gesundheitstipps im Netz als Männer (61 Prozent). Aber nicht nur in Foren oder auf fachspezifischen Websites kann man sich informieren. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, Ärzte online zu kontaktieren, sei es der eigene Hausarzt per Mail oder einen Spezialisten im Live-Chat. Rund jeder zehnte ältere Internetnutzer (9 Prozent) tritt online mit seinen Ärzten in Kontakt.

Auch grundsätzlich sind Senioren immer häufiger online anzutreffen und das Internet gewinnt für sie an Bedeutung. Fast vier von zehn Senioren (38 Prozent) sind demnach online. 2013 war es erst knapp jeder Dritte (32 Prozent). Rund jeder zweite Internetnutzer ab 65 Jahren (46 Prozent) erklärt, auf das Internet nicht mehr verzichten zu wollen.

Gesundheitstipps richtig recherchieren

1) Das können Gesundheitsportale

Es gibt eine ganze Reihe Online-Portale, auf denen Patienten grundlegende medizinische Informationen bekommen. Hier findet man meistens allgemeine Angaben zu Diagnostik, Therapien und Vorbeugung. Aber Achtung: Nicht jede Webseite bereitet alle Fakten übersichtlich auf und auch was die inhaltliche Qualität von Gesundheitsportalen angeht, gibt es große Unterschiede. Deshalb sollte man bei mehreren Anbietern parallel recherchieren und immer bedenken, dass die Online-Angebote in keinem Fall einen Arztbesuch ersetzen.

 

2) Seriosität der Portale

Nutzer sollten darauf achten, dass Gesundheitsportale möglichst unabhängig und seriös sind. Manche Webseiten werden zum Beispiel von unabhängigen Experten geprüft und mit einem entsprechenden Qualitätssiegel zertifiziert. Zu diesen Prüfzeichen zählen zum Beispiel das HON-Siegel der „Health On the Net Foundation“, das Logo des bundesweiten „Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem“ (afgis) und das Zertifikat „Geprüfte Homepage“ der Stiftung Gesundheit. Auch auf der Seite medinfo.de finden sich zahlreiche Hinweise zur Qualität von Gesundheitsportalen. Von unseriös wirkenden Portalen sollte man besser die Finger lassen, denn hier gibt es viele, die die Sorgen von Patienten dazu nutzen, medizinische Produkte an den Mann zu bringen.

 

3) Spezial-Portale für bestimmte Krankheiten

Während allgemeine Portale oft über mehrere hundert Erkrankungen informieren, gibt es auch spezialisierte Webseiten für bestimmte Krankheiten. So informieren im Internet etwa die Deutsche Herzstiftung über Herz-Kreislauf-Probleme oder das Deutsche Krebsforschungszentrum über Tumor-Erkrankungen. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (dimdi.de) bietet über freie Datenbanken viele medizinische Fachinformationen und spezifische Gesundheitstipps.

 

4) Foren und Selbsthilfegruppen

In Foren und Online-Selbsthilfegruppen können sich Patienten untereinander austauschen – über Behandlungen, Ärzte und Kliniken etwa. Dabei sind häufig wertvolle Hinweise zu finden. Nutzer sollten aber beachten, dass hier Laien für Laien schreiben. Die Ansichten, die in Foren und Selbsthilfegruppen geäußert werden, führen häufig weg von der Schulmedizin und ersetzen nicht den professionellen Rat.

 

5) Informationen über Krankenhäuser

Auch zu Kliniken und ihren Leistungen findet man im Internet viele hilfreiche Informationen. So können gesetzlich Versicherte auf dem Portal www.weisse-liste.de der Bertelsmann-Stiftung verschiedene Kliniken vergleichen und Erfahrungen Ihres Arztbesuchs an andere Versicherte weitergeben. Die Bewertungen der Kliniken beruhen auf Qualitätsberichten des Gemeinsamen Bundesausschusses, einer Einrichtung von Kassen und Ärzten. Einen ähnlichen Service liefert die gemeinsame Initiative der Privatkliniken unter www.qualitaetskliniken.de. Auch auf den Websites der Krankenkassen findet man mitunter Angebote zum Krankenhausvergleich.

 

6) Ärzte online kontaktieren

Es gibt medizinische Services, über die Patienten Ärzte direkt online kontaktieren können, um eine erste Einschätzung zu einer Erkrankung zu bekommen. Nutzer sollten vorher die Geschäftsbedingungen genau lesen und prüfen, ob diese Services kostenpflichtig sind. In der Regel dürfte aber ein von der Krankenkasse bezahlter Arztbesuch sinnvoller sein als eine kostenpflichtige Online-Konsultation.

Zur Studie

Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research in Zusammenarbeit mit Forsa durchgeführt hat. Dabei wurden im November 2014 1000 Personen ab 65 Jahren befragt.

 

Aufmacherbild: Old woman working on laptop computer at home via Shutterstock / Urheberrecht: LoloStock

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -