Ein lesender Computer, der Go spielen kann

Social AI – Künstliche Intelligenz aus dem Hause Facebook
Kommentare

Das chinesische Spiel Go gilt immer noch als die ultimative Herausforderung für jede künstliche Intelligenz. Bislang konnte hier kein Computer gegen sehr gute menschliche Spieler gewinnen. Facebook arbeitet nun aber an einem System, das sich bald als ernsthafte Konkurrenz erweisen könnte. Auch für Facebook-Nutzer könnten die Fortschritte des Unternehmens in Sachen künstlicher Intelligenz viele Vorteile haben.

Ein Computer, der den Herrn der Ringe liest und danach Fragen dazu beantworten kann – klingt ein bisschen nach Science Fiction. Zugegeben: Es handelte sich um eine vereinfachte Version des Romans. Trotzdem ist genau das nun der von Facebook entwickelten künstlichen Intelligenz gelungen.

Das liegt daran, dass Facebook es geschafft hat, ihrem Deep-Learning-System einen Mechanismus hinzuzufügen, der Ähnlichkeit mit dem menschlichen Kurzzeitgedächtnis hat. Große Mengen von Informationen können so durch Beobachtung erfasst, verarbeitet und gespeichert werden, ohne dass es dafür einer spezifischen Eingabe durch einen Benutzer bedarf. Natürlich befindet sich das System noch in der Entwicklung, und Facebooks Fortschritte sind nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur echten künstlichen Intelligenz; beachtenswert sind sie aber dennoch.

Barrierefreiheit erhöhen

Facebook plant, diese künstliche Intelligenz in Zukunft zugunsten ihrer Nutzer einzusetzen. So soll die Barrierefreiheit für blinde User massiv erhöht werden, indem ein System zu Facebook hinzugefügt wird, das Bilder beschreiben kann. Anders als bisherige Nutzungs-Unterstützungen soll das neue System nicht separat eingegebene Texte vorlesen, sondern direkt im Bild erfassen können, was dort abgebildet ist. Menschen und Objekte sollen identifiziert werden und der Nutzer soll die Frage stellen können, was auf dem Bild zu sehen ist. Lächelt der gezeigte Mensch? Scheint die Sonne auf dem Foto?

Auch zum Filtern von Inhalten eignet sich Facebooks künstliche Intelligenz. Wer Fußball nicht mag, wird damit künftig auch keine solchen Bilder mehr zu sehen bekommen – auch dann nicht, wenn die Bildbeschreibung nicht verrät, dass ein Fußballspiel zu sehen ist. Und das ist noch nicht alles.

Stellen Sie Ihre Fragen zu diesen oder anderen Themen unseren entwickler.de-Lesern oder beantworten Sie Fragen der anderen Leser.

Mehr Sicherheit und Bequemlichkeit

Viele Facebook-Nutzer werden schon einmal Bilder hochgeladen haben, die sie so gar nicht ins Netz stellen wollten. Vielleicht haben sie das falsche Foto ausgewählt, vielleicht die falschen Einstellungen gesetzt – und schon ist der Schaden angerichtet. Facebooks Bilderkennung soll das künftig (in manchen Fällen) verhindern. Sind anstößige Inhalte zu sehen, wird es eine Abfrage geben, ob tatsächlich ein solches Bild hochgeladen werden soll. Sind Kinder zu sehen und das Foto soll öffentlich gemacht werden, obwohl bisher alle Kinder-Bilder nur den Freunden zugänglich waren, wird das System nachfragen, ob das so beabsichtigt ist.

Schon seit einiger Zeit gibt es außerdem immer wieder Gerüchte um den neuen persönlichen Assistenten, den Facebook dem Messenger hinzufügen möchte. M, so heißt das System, soll anders als Cortana oder Siri jede Art von Anfrage verstehen und bearbeiten können. Blumen bestellen, Wegbeschreibungen mit Wetterdaten und Umwegen verknüpfen – all das soll möglich sein. Noch ist die Funktion nur wenigen Nutzern zugänglich; wann sich das ändern wird, ist leider noch nicht bekannt. Das Spannende an diesem System ist, dass es sich hier (noch) nicht um eine reine Lösung auf Basis der künstlichen Intelligenz handelt, sondern der Computer von Menschen unterstützt wird und auch hier aus Beobachtung lernt. Ist eine Anfrage also nicht für das System verständlich, springt ein menschlicher Assistent ein und bringt dem Computer ganz nebenbei bei, wie er künftig mit solchen Anfragen umgehen soll.

Der Endgegner: Go

Und natürlich zielt Facebook auch auf das antike Spiel Go ab. Auf einem Spielbrett mit 19 mal 19 Feldern werden hier schwarze und weiße Steine gegeneinander versetzt. Die Zahl der möglichen Züge ist allerdings so groß, dass es bisher keinem Computer gelungen ist, geübte menschliche Spieler zu besiegen. Um in diesem Spiel zu gewinnen, braucht es nämlich viel Übung, Kreativität und eine Art von vorausschauendem Denken – etwas, was bisher keinem Computer gelungen ist. Die eine, richtige Lösung für eine bestimmte Spielsituation sucht man hier nämlich vergebens.

Auch hier macht sich Facebook die Deep-Learning-Fähigkeiten seiner Systeme zunutze. Sie lassen ihre Computer beobachten, wie die besten Go-Spieler ihre Steine setzen und daraus Schlüsse ziehen. Die ersten Erfolge sind beeindruckend: Nach nur wenigen Monaten des Beobachtens und Spielens ist das System aus dem Hause Facebook so gut wie so manches deutlich ältere System und kann mit guten menschlichen Spielern mithalten. Um die besten Spieler zu schlagen, fehlen ihm allerdings doch noch die entscheidenden Fähigkeiten.

Nicht nur Facebook arbeitet an spannenden Systemen in Sachen künstliche Intelligenz. Auch Google ist hier ganz vorne mit dabei. Mit Deep Dream können Nutzer sich ansehen, wie Computer vernetzt denken; mit TensorFlow hat Google nun außerdem eine Deep-Learning-Software kostenlos für jeden Nutzer verfügbar gemacht. Wie sich die Welt der künstlichen Intelligenz also weiterentwickelt, darf mit Spannung beobachtet werden. In den nächsten Jahren könnten diese Systeme die Art, wie wir das Internet nutzen und mit unserer Umwelt interagieren massiv verändern.

Aufmacherbild: Army of robots via Shutterstock / Urheberrecht: Tatiana Shepeleva

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -