Datenschutz

Spotify: Neue Datenschutzrichtlinie in der Kritik
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Spotify hat seine Datenschutzrichtlinien geändert. Bewegungen, Fotos und Kontakte von mobilen Usern werden künftig durch den Musik-Streaming-Dienst erfasst und vermarktet. Premium-Abonnenten sind verärgert. Das Problem mit der Privatsphäre und zahlenden Kunden.

Gleich mit dem Start von Apple Music hagelte es Kritik für den neuen Streaming-Dienst wegen der schlechten Konditionen für Künstler. Taylor Swifts medienwirksames Auftreten führte letztlich zu einer Kehrtwende bei Apple, die für die Unternehmens- wie die Künstlerseite weitestgehend akzeptabel ausfiel. Spotify sah sich im Jahr zuvor ähnlichen Vorwürfe ausgesetzt, doch konnte die Aufregung um Apples neues Streaming-Projekt die Problematik vorerst überspielen. Des Weiteren wurde Spotify mehrmalig von Datenschützern vorgeworfen, es an Transparenz fehlen zu lassen. Mit den gestern neu veröffentlichten Datenschutzbestimmungen steht der Musik-Streaming-Dienst nun erneut in der Kritik.

Daten für Spotify – ein altes Problem neu aufgerollt

Die unter der Spotify privacy policy zu findenden Klauseln beinhalteten laut Forbes weitreichende Änderungen hinsichtlich der Zugriffsrechte. So habe Spotify nicht nur Zugriff auf die Sensorik des mobilen Geräts und auf GPS-Daten, sondern auch auf Fotos und Kontakte. Das bedeutet, dass nicht nur der Standort des Users, sondern auch seine Bewegungen erfasst werden. Spotify weiß, ob ein Nutzer viel Bahn fährt, gerne joggt oder zu bestimmten Zeiten immer zuhause ist. Egal, ob Premium- oder Gratis-Nutzer – alle, die Spotify nutzen, müssen davon ausgehen, dass sämtliche Daten durch Spotify und Werbepartner genutzt werden. Dass gegen den monatlichen Preis von rund 10 Euro auch Premium-Nutzer vollends ausgehorcht werden, sorgt bereits unter Abonnenten für reichlich Ärger. Wird der Dienst kostenlos genutzt, scheint es noch halbwegs gerechtfertigt, das die Nutzerinformationen vermarktet werden. Zwar argumentiert das Unternehmen, dass man dem User ein besseres Unterhaltungsangebot wegen personalisierter und damit relevanter Inhalte bieten könne, doch auf Schritt und Tritt mittels Smartphone-Sensorik verfolgt zu werden, wirft zurecht Datenschutzbedenken auf. Obschon ähnliche Tracking-Methoden bei vielen App-Anbietern Gang und Gäbe sind – vor allem bei kostenlosen Angeboten –, so ist es doch bei einem Unternehmen dieser Größenordnung ein fragliches Vorgehen.

Der Druck der Masse für die Kehrtwende

Spotifys Transparenz- und Datenschutzproblem könnte letzten Endes wieder Apple in die Hände spielen, nicht zuletzt, weil das Unternehmen aus Cupertino neuerdings massiv den Datenschutz seiner User zu würdigen versucht. Obschon diese Ausrichtung letztlich auch nur als Marketingargument genutzt wird, ist der Ansatz längerfristig angemessen und kommt Usern wie dem Unternehmen entgegen. Dass Taylor Swift sich mit Hilfe ihrer Fans, Follower und der Presse gegen Apple durchsetzen konnte, sollte auf Privatsphäre bedachte Spotify-User dazu anregen, ebenso gemeinsam gegen die neue Privacy Policy argumentativ vorzugehen. Womöglich sieht das Unternehmen sich durch den öffentlichen Druck dazu bereit, zumindest denjenigen, die ohnehin schon für den Dienst zahlen, mehr Privatsphäre einzuräumen. Wer hingegen einen Dienst kostenlos nutzt, muss auch bereit sein, anderweitig für die Kosten, die er durch seine Nutzung verursacht, aufzukommen – nämlich mit seinen persönlichen Informationen.

 

Aufmacherbild: Alushta, Russia – October 29, 2014: Woman holding a iPhone 6 Space Gray with music service Spotify on the screen. iPhone 6 was created and developed by the Apple inc. via Shuttertsock, Urheberrecht: Denys Prykhodov

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