Für OS X sind die virenfreien Tage längst gezählt

Studie zeigt: Mehr Malware für Apple-Geräte
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Viren, Trojaner und Co. waren bislang kein großes Thema für Apple-Nutzer. Das Apple-Betriebssystem gilt als deutlich sicherer als die Konkurrenz aus dem Hause Microsoft. Auch wenn tatsächlich Malware auftauchte, konnte sie sich meist doch nicht weit verbreiten. Das scheint sich jetzt zu ändern.

Die Studie „2015: The most prolific year in history for OS X malware“ von Bit9 + Carbon Black, Inc. zeigt, dass im Jahr 2015 fünfmal mehr Malware für das aktuelle Apple-Betriebssystem im Umlauf ist, als in den fünf Jahren zuvor zusammen. Das Unternehmen hat in einem Zeitraum von zehn Wochen insgesamt 1.400 Malware-Programme identifiziert. Diese Zahl ist zwar immer noch deutlich kleiner als die, die für Windows-Geräte zu erwarten wäre. Trotzdem zeigt sie, dass sich OS X Benutzer nicht mehr in Sicherheit wiegen dürfen.

Beliebtheit als Risiko

Die Zunahme an Malware für Apple-Geräte dürfte im Zusammenhang mit der immer größeren Beliebtheit des Herstellers stehen. Je mehr Nutzer ein Betriebssystem hat, desto stärker rückt es auch in den Fokus von Angreifern. Doch auch die Betriebssysteme an sich weisen immer mehr Schwachstellen auf. Früher war Apple dafür bekannt, kaum Angriffspunkte zu bieten. Nun wurde El Capitan, die neuste Version von OS X, mit mehreren offensichtlichen Sicherheitslücken ausgeliefert.

Eine davon betrifft den Gatekeeper. Dieser Bestandteil des Betriebssystems ist dazu gedacht, die Echtheit von Software zu verifizieren. Standardmäßig werden nur Dateien ausgeführt, die die Signatur eines registrierten Entwicklers enthalten. Daran führt jedoch im Moment ein einfacher Weg vorbei und das nicht zum ersten Mal. Sobald eine verifizierte Anwendung läuft, kann diese nämlich jederzeit externe Pakete aktivieren, die nicht mehr verifiziert werden. Bereits im vergangenen Jahr konnte der Gatekeeper außerdem per Java umgangen werden.

Der erste große Angriff

Im September dieses Jahres fand der erste große Malware-Angriff auf das iPhone statt. Über eine manipulierte Version der Entwicklungsumgebung Xcode wurde der Schadecode XcodeGhost in verschiedene Apps eingebracht. Die meisten davon waren auf den chinesischen Markt ausgelegt, aber auch die Messenger-App WeChat war betroffen. XcodeGhost konnte jedoch nur wenig direkten Schaden anrichten; zwar hat das Programm Daten über das infizierte Gerät gesammelt, zum direkten Auslesen von Passwörtern soll es aber nicht in der Lage gewesen sein.

Dennoch zeigt dieser Angriff, dass OS X nicht mehr ohne Weiteres als virenfreie, malwaresichere Plattform gelten darf. Je größer nämlich auch der App-Markt wird, desto leichter fällt es Entwicklern von Schadsoftware, Angriffspunkte zu finden. Einen davon stellen, wie XcodeGhost zeigt, auch die Entwickler von Anwendungen dar. Je größer die Vielfalt an Apps wird, desto häufiger kann es auch vorkommen, dass auf dem Umweg über die Anwendungsentwickler Schadcode in Apps eingeschleust wird. Neben Schwachstellen, die direkt mit dem Betriebssystem zu tun haben, wird also auch die Beliebtheit des App Stores zum Problem in Bezug auf die Gerätesicherheit.

Panik ist jedoch nicht angebracht. Wie bereits erwähnt, ist die Zahl Malwares für OS X immer noch deutlich kleiner als die für Windows-Geräte. Zu sorglos sollten Nutzer des Betriebssystems aus dem Haus Apple allerdings auch nicht mehr im Netz surfen, seit die Gemeinde der Malware-Entwickler auf sie aufmerksam geworden ist.

Aufmacherbild: Security concept, antivirus found trojan malware thread when scanning binary code von Shutterstock / Urheberrecht: vchal

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