Initiativen rufen Tech-Community zur Hilfe auf

Technologie für Flüchtlinge: Wie die Techfugees Neuankömmlingen helfen
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Das Leid der in Deutschland und Europa ankommenden Flüchtlinge bewegt und schockiert. Überall haben sich deshalb Bürger zusammengeschlossen, um die vor allem aus Syrien stammenden Neuankömmlinge zu unterstützen. So auch in der Entwickler-Community. Die Initiative Techfugees ist hier nur ein Beispiel von vielen.

Einer der sympathischsten Züge der Entwickler- und Technologie-Community ist wohl ihre ungebrochene Zuversicht in die humanen Potentiale ihres Berufsfelds. Es ist darum nur konsequent, wenn sich einige von ihnen mit dem Ziel zusammenschließen, mit technologischem Know-How das Elend der vielen tausend Menschen zu lindern, die sich weltweit auf der Flucht befinden. Ein Beispiel ist die vom einflussreichen IT-Journalisten Mike Butcher gegründete Non-Profit-Organisation Techfugees, die seit Herbst letzten Jahres Konferenzen und Hackathons zum Thema organisiert.

Technology + Refugees = Techfugees

Angefangen hat alles mit einer Facebook-Gruppe und einem Twitter-Accout. Beide erfuhren innerhalb kürzester Zeit einen so gewaltigen Zuspruch, dass sich einige Freiwillige dazu entschlossen, eine Konferenz mit anschließendem Hackathon zu organisieren. Seitdem haben Veranstaltungen nicht nur in London, sondern auch in Oslo, Venedig und Warschau stattgefunden, ebenso in München und Berlin. Aktuell werden größere Konferenzen in New York und Paris vorbereitet. Finanziert wird das Ganze größtenteils durch Spenden von Unternehmen und Konferenzgebühren.

Die Initiative möchte nach eigener Angabe Entwickler, Entrepreneurs und Startups mit Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), Medien sowie internationalen und nationalen Behörden zusammenbringen, um gemeinsam Produkte und Lösungen für die gegenwärtige Situation zu entwickeln. Die Konferenzen dienen einerseits der Vernetzung und stellen andererseits einen Versuch dar, sich zunächst ein akkurates Bild von der Situation zu machen. Vor diesem Hintergrund können dann die vorgeschlagenen Projekte evaluiert werden.

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Verschiedenste Projekte

Diese sollen auf lange Sicht den Refugees die Integration in die Gesellschaften ihrer Aufnahmeländer erleichtern, vor allem durch (Aus-)Bildung und Hilfestellung bei der Jobsuche. Aktuell ist man jedoch hauptsächlich mit der Verwaltung des Notstands beschäftigt. Einige Projekte dienen etwa dazu, die Flucht kalkulierbarer und weniger gefährlich zu machen.  Dazu werden Refugees in die Lage versetzt, Informationen untereinander auszutauschen – sei es über sicherere Fluchtrouten, Anlaufstellen von Wohlfahrtsvereinen oder Tipps und Tricks im Umgang mit dem kafkaesken Bürokratiechaos der EU.

Andere Projekte fokussieren sich darauf, die Hilfe aus der Zivilgesellschaft effektiver an ihr Ziel kommen zu lassen. Myrefuge.world ist beispielsweise eine Variation des Projekts Refugees Welcome aus Berlin, das WG-Zimmer an Geflüchtete vermittelt. Besitzer alter Smartphones hingegen können diese über die Webseite geecycle.org an Refugees weitergeben, damit diese Kontakt zu ihren Freunden und Verwandten halten können.

Wer sich bei den Techfugees engagieren möchte, kann dies entweder in Form einer Spende tun oder durch Beteiligung an einem der aktuellen Projekte.

Andere Initiativen

Die Großen: Die großen Player des IT-Sektors beteiligen sich ebenfalls mit eigenen Hilfsaktionen. So verschenkt Google über seinen Charity-Zweig Google.org Chrome-Books im Wert von fast 5 Millionen Euro an Hilfsorganisationen für Refugees in Deutschland. Aktuell können sich Non-Profit-Organisationen noch für das Reconnect genannte Projekt bewerben. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte zuletzt mit der Ankündigung Aufsehen erregt, 99 Prozent seiner Facebook-Aktien wohltätigen Zwecken zukommen zu lassen. Bereits zwei Monate davor hatte er versprochen, Refugee-Camps mit Internetzugang auszustatten.

Refugees on Rails: Dieses von Ruby on Rails inspirierte Social-Startup aus Berlin geht noch einen Schritt weiter als die schon erwähnte Seite geecycle. Zunächst einmal werden statt Smartphones alte Laptops gesucht. Mit diesen sollen Refugees Onlinekurse in Ruby on Rails belegen und sich zu Programmierern weiter qualifizieren lassen. Derzeit werden sowohl Laptops als auch Mentoren für die Kurse gesucht.

Nerds4Refugees: Diese Gruppe ist aus einem Online-Zusammenschluss hervorgegangen, der Hilfe für Flüchtlinge in München und Umgebung organisieren wollte. Die Nerds4Refugees bestehen vorwiegend aus Tech-Interessierten, die z.B. Computerräume für Betroffene einrichten und MeetUps in München organisieren. Mittlerweile ist ein Verein mit dem Namen Welcome Help auf den Weg gebracht worden, der die vor allem über Facebook koordinierte Initiative in längerfristige Strukturen überführen soll.

Schluss

Die vielfältigen Hilfsprojekte aus der Techbranche zeigen nochmals, wie sehr Informationstechnologien mittlerweile gesellschaftliche Relevanz besitzen. Dass die Entwickler-Community sich fähig zeigt, diese Aufgabe in einer verantwortlichen und menschenfreundlichen Weise anzunehmen, ist eine sehr erfreuliche Nachricht.

 

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