Sehenswerte Dokumentationen

TV-Reportagen zum Internet: Big Data und Sicherheit
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Bewegte Bilder sind der schnelle Zugang zu breit angelegten Themen. Drei aktuelle Dokumentationen von ARD, ARTE und BBC haben das Internet von heute beleuchtet: Welchen Einfluss haben Unternehmen und Staaten? Welchen Einfluss hat der User? Spannende Interview-Partner, drei Perspektiven und ein gemeinsames Resümee.

Kein anderes Thema spaltet das Internet und seine Nutzer so stark wie die Frage nach der Sicherheit und Verwertung von Daten. Die Fronten verschärfen sich zusehends: zwischen denen, die durch das Internet den totalitärsten aller Kontrollmechanismen seit Menschengedenken heraufziehen sehen; und jenen, die im Sinne der Marktfreiheit den liberalsten Ort im Netz vermuten. Wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo zwischen beiden Extremen. Doch um die einzelnen Diskussionen über Big Data, NSA, Netzneutralität und den Einfluss von Internetkonzernen sachlich an allen Enden mitverfolgen zu können, ist der Diskurs schlichtweg zu komplex geworden.

Ein alterndes Medium blickt aufs Internet

Um sich einen leichteren Zugang zu der Thematik zu verschaffen, sind mitunter TV-Dokumentationen überaus hilfreich. Drei aktuelle von öffentlich-rechtlichen Sendern produzierte Reportagen haben sich der Sachlage aus drei unterschiedlichen Perspektiven genähert. Mit dem nötigen finanziellen Background und dem damit einhergehenden Rechercheaufwand haben die ARD, ARTE und BBC sehenswerte Produktionen geliefert: Mit Interview-Partnern aus der Politik, führenden Internetunternehmen, Hackern und Internet-Aktivisten konnte das Thema Internet zeitgemäß aufbereitet werden. Vor allem aber auch dadurch bedingt, dass neben den Spezialisten auch normale Internetnutzer befragt und mit einbezogen wurden. Denn schließlich steht in allen drei Dokumentationen letztlich die Frage im Mittelpunkt: Was bedeutet es für jeden einzelnen User, heutzutage das Internet zu nutzen? Welche Auswirkungen jeder Klick auf die eigene Person hat, welches Potenzial hierin für Unternehmen besteht und wie Staaten sich dies zunutze machen, wird ausgiebig erklärt und hinterfragt.

TV-Reportagen zum Internet – kurz zusammengefasst

Die aktuellste, erst vor einer Woche erschienene Dokumentation von ARTE mit dem reißerisch anmutendem Titel „Totale Kontrolle“ lässt gleich zu Anfang durchblicken, um was es geht: Sicherheit vs. Freiheit im Netz. Was zunächst nach Boulevard-Niveau klingt, nähert sich der Thematik auf fast zwei Stunden Film- und Interviewmaterial zunächst recht großspurig. Doch die thematisch sehr breit angelegte Produktion schafft es trotzdem zwischen den drei Größen Staat, Unternehmen und Bürger die Konsequenzen und Chancen des Internets schlüssig auf den Punkt zu kommen. Selbst diejenigen, die sich bereits eingehender mit der Thematik auseinandersetzt haben, werden bei dem Aufgebot an Interview-Partnern und Schlussfolgerungen schlucken und schmunzeln.

Im Dezember letzten Jahres hat sich die ARD ebenfalls ausgiebiger der Frage nach der Privatsphäre und Sicherheit im Netz gewidmet. Wie der Titel „Die geheime Macht von Google“ bereits vermuten lässt, steht der Suchmaschinen-Riese im Visier der Reportage. Wie sich die Unternehmenspolitik des weltweit einflussreichsten Unternehmens gewandelt hat, fasst diese Dokumentation anschaulich zusammen. Während man sich wünschte, dass auch andere Unternehmen wie Facebook, Apple oder Amazon mit in die Debatte einbezogen werden, kommt die Reportage dennoch zu einem allgemein gültigen Schluss.

„Inside The Dark Web“ – welche Gegenbewegungen sich aus der ständigen Staats- und Unternehmensverfolgung im Netz entwickelt haben, versucht die BBC-Doku in bewegten Bildern festzuhalten. TOR? Dass es sich hierbei weder um einen nordischen Gott handelt noch um Zwiebeln geht, darüber klärt diese Reportage auf. Welche Chancen und Gefahren solche Untergrundbewegungen im Netz bergen, wird allerdings nicht in letzter Konsequenz geklärt.

Ein Resümee:

Alle drei Dokumentation kommen zu einem gemeinsamen Ergebnis: Es braucht Aufklärung in der Bevölkerung und Transparenz bei der gewerblichen und staatlichen Nutzung des Internets. Der Einfluss einzelner Unternehmen muss reguliert werden, dabei darf jedoch die staatliche Kontrolle nicht Überhand nehmen. Das Zünglein an der Waage ist letztlich jeder einzelne Nutzer. Denn sie versorgen die Konzerne und Staaten mit Informationen. Ein bedachter Umgang ermöglicht letztlich die Balance zwischen den Lagern.
PS: Kritik am Verfasser – alle drei Dokumentation werden über nur einen einzigen Anbieter geteilt: YouTube beziehungsweise Google.

Aufmacherbild: professional video camera via Shutterstock, Urheberrecht: nikkytok

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