Kontextgebundenes Ad-Targeting

Twitter will auch Nichtmitglieder monetarisieren
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Geschätzte 500 Millionen nicht angemeldete Besucher nutzen Twitter regelmäßig. Sie sollen künftig ebenfalls mit Werbung versorgt werden – und so dazu beitragen, das Unternehmen endlich in die Gewinnzone zu führen. Die Zauberformel: kontextgebundenes Ad-Targeting.

Twitter ist für 320 Millionen registrierte User das Medium Nr. 1, um sich auf dem Laufenden zu halten. Doch nicht nur für Mitglieder ist der Microblogging-Dienst eine bewährte Anlaufstelle. Auch nicht registrierte Nutzer können Twitter eingeschränkt nutzen, um sich neue Tweets anzuschauen. Mit den geschätzten 500 Millionen Nichtmitgliedern hat Twitter in Zukunft nun einiges vor. TechCrunch und dem Wall Street Journal (WSJ) zufolge plant die Plattform, auch an Nichtmitglieder Werbung auszuspielen. Die zusätzliche Monetarisierung könnte nicht nur die stagnierende Zahl von Neuanmeldungen finanziell abfedern, sondern auch das noch ungelöste Problem der langfristigen Wirtschaftlichkeit lösen.

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Kontext statt Verfolgung

Wenn sich ein Politiker, CEO oder Prominenter zu einem aktuellen Sachverhalt äußert, so geschieht dies häufig über Twitter. Doch der schnelle Blick auf den Tweet oder das Profil – ohne angemeldet zu sein – könnte schon bald durch eine passende Werbeanzeige ergänzt werden. Ob mit Banner passend zur Branche oder Kampagne oder mit Video zum aktuellen Film – die Möglichkeiten Werbung einzubinden sind so vielfältig wie die Interessengruppen selbst. Und dafür bräuchte es nicht einmal das übliche Targeting. Der Kontext entscheidet. Anhand der Tweets und Follower des besuchten Profils kann Twitter auch die möglichen Interessen der nicht registrierten Besuchers abschätzen.

Ungenutztes Potenzial und Testphase

Twitter schätzt, dass jeder angemeldete Nutzers durch Werbeeinnahmen jedes Jahr rund vier Dollar generiert. Ein ausgeloggter Nutzer ist nur noch 2,50 Dollar wert. Bekommen nun beide Gruppen Werbung ausgespielt, könnte sich das Unternehmen über zusätzliche Einnahmen von rund 1,3 Milliarden Euro freuen. Vorausgesetzt, dass diese auch die Werbung sehen und erfasst werden und die Anzeigenpreise konstant bleiben. Entsprechend blicken Anleger angesichts dieser Ankündigung zuversichtlich auf das nächste Geschäftsjahr. Die Testphase startet schon bald mit ausgewählten Werbetreibenden in UK, USA, Australien und Japan. Bei ersten Erfolgen wird das Werbeprinzip auch hierzulande nicht lange auf sich warten lassen.

Alte Fehler vermeiden

Nachdem Facebook wegen der Platzierung von sogenannten Datr-Cookies auf den Rechnern von Nichtmitgliedern unangenehm aufgefallen war und in Europa juristisch zur Einstellung diese Praxis verpflichtet wurde, bleibt zu hoffen, dass Twitter vorausschauender vorgehen wird. Über die Datr-Cookies konnte Facebook die Bewegung von Nichtmitgliedern anhand der implementierten Like-Buttons auf Fremdseiten verfolgen. Sollte es beim kontextbezogenen Targeting auf Twitter bleiben, wäre eine solche Werbemaßnahme vollkommen angemessen. Um an weitere Informationen von Besuchern zu gelangen, müsste ein Tracking vorgenommen werden. Wenn jedoch eine gezieltere Verfolgung einsetzt wird, werden auch die Datenschützer wieder genauer hinsehen.

 

Aufmacherbild: LONDON – JULY 31: Social networking and microblogging site Twitter announces that its 20 billionth tweet has been posted on July 31, 2011 in London, UK. via Shutterstock, Urheberrecht:1000 Words

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