Welche Chancen hat die Plattform trotz Übernahmegerüchten und sinkendem Aktienwert

Twitters Sinkflug: von Übernahmegerüchten & Doppel-CEOs
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An Twitters Reichweite und Beliebtheit bestehen kaum Zweifel – am Unternehmenswert und der Geschäftsführung hingegen schon. Seit 2015 befindet sich die Plattform im Bewertungstief. Verkaufsgerüchte ließen die Aktie jedoch kürzlich leicht anziehen. Dorseys Doppelrolle als CEO zweier Unternehmen, ein sinkender Aktienwert und die Wünsche der Community fordern Twitter und seine Anleger heraus. Allerdings stehen die Chancen gut, dass die Plattform wieder in die Erfolgsspur zurückfindet – die Frage ist nur, mit wem.

Die Twitter-Aktie befindet sich weiterhin im Sinkflug. Da sich nur schwer abschätzen lässt, wo die Social-Media-Plattform in nächster Zeit landen wird, scheinen die Anleger langsam die Geduld zu verlieren. Auch Jack Dorsey sieht sich konstanter Kritik ausgesetzt seit er am 5. Oktober 2015 wieder Twitter-CEO wurde und sich seitdem seine Zeit zwischen den CEO-Posten bei Twitter und Square aufteilen muss.

Auf und Ab an der Wall Street

Gerüchte über eine Übernahme durch Google Alphabet im letzten Jahr und weiterhin rote Zahlen haben die Aktie weiter abrutschen lassen. Betrachtet man das Big Picture, ist schon seit April letzten Jahres ein Abwärtstrend zu beobachten. Als jedoch das Gerücht die Runde machte, dass die Murdoch-Mediengruppe News Corporation kaufwillig sei, zog das Papier kurzzeitig um 14 Prozent an. Nach dem Dementi der News Corp kurz darauf reduzierte sich das Plus auf vier Prozent. Seit Jahresbeginn hat man nun mit einem erneuten Bewertungstief zu kämpfen. Nachdem die Aktie im Februar 2015 die Marke von 53 US-Dollar überschritten hatte, liegt der Wert momentan nur bei etwa 17 Dollar.

Doppelrolle und doppelte Verluste

Damit nicht genug: Auch Dorseys Zweitunternehmen, der Bezahldienst Square, rutscht weiter ab. In den letzten zwölf Tagen habe der Doppel-CEO und Gesellschafter Dorsey damit rund 500 Millionen US-Dollar verloren, berichtet Infoblizzard. Ein Umstand, der natürlich Wasser auf die Mühlen der Dorsey-Kritiker ist. Denn seit er im Oktober Jack Costolo als CEO abgelöst hat, wird von vielen infrage gestellt, ob er auf Dauer zwei Unternehmen dieser Größenordnung führen könne. Das fehlende Vertrauen der Anleger drückt sich ebenfalls durch die fallenden Kurse aus. Und es gibt noch ein drittes Problem: Twitter muss Maßnahmen ergreifen, um endlich schwarze Zahlen zu schreiben. Bisher wurde mit einer gehörigen Portion Optimismus in ertragreichere Zeiten investiert. Doch in puncto Monetarisierung handelt sich der Dienst immer wieder Ärger mit der Community ein. Mit neuen Werbeformaten, Kaufbuttons und anderen Anreizen versucht Twitter zwar beharrlich das Geschäft anzukurbeln. Doch bisher will der Motor nicht so recht ins Laufen kommen.

Was sich die Twitter-Community wünscht

Werbung häuft sich auf Twitter. Mitglieder fordern deshalb recht simple Anpassungen. Etwa die Nachrichten-Inbox mit einem Spam-Button auszustatten oder ein Filter-System einzubauen mit einer „Alles auswählen“-Option. Gesponserte Anzeigen werden ebenfalls als störend wahrgenommen. Zumindest solange keine bessere Follow-Funktion für Hashtags angeboten wird, damit sich selektiver suchen lässt. Entwickler beklagen ferner, dass Twitter immer wieder Third-Party-Applikationen mit unvorhersehbaren Änderungen am API das Leben schwer macht.

Warum eine Übernahme wahrscheinlich bleibt

Übernahmegerüchte, Jack Dorsey in der Doppelrolle und nur mäßig erfolgreiche Monetarisierungsversuche haben den Wert der Aktie vermindert. Dennoch erfreut sich Twitter bei den Nutzern weiterhin großer Beliebtheit. Der niedrige Aktienpreis dürfte einige Anleger ermuntern, wieder aufzuspringen. Dass Twitter durch ein anderes Unternehmen übernommen wird, ist angesichts des von 13 auf 10 Milliarden US-Dollar gesunkenen Unternehmenswerts jedoch weiterhin ein Thema. “You look at a sticker price of $10 billion, you know it’s not natural. It’s clearly a buying opportunity,“ erklärte Research-Analyst Brian Wieser gegenüber Business Insider.

Auch das kurzzeitige Bewertungsplus aufgrund der Übernahmegerüchte durch die News Corps deuten darauf hin, dass eine Veränderung der Führungsebene bei Twitter erwünscht ist. Auch wenn der Murdoch-Konzern definitiv abgesagt hat – Alphabet bleibt weiter ein heißer Übernahmekandidat. Mit Twitter könnte sich Google gegenüber seinem größten Werbe-Wettbewerber Facebook durch eine vergleichbare Social-Media-Plattform gut positionieren.

 

Aufmacherbild: Great white Pelican catches fish thrown by tourists on the deck of the ship – Namibia, South Africa, via Shutterstock, Urheberrecht: Vadim Petrakov

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