Safety Center

Twitter verschärft seine Spielregeln
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Twitter setzt mit seinem neuen Safety Center klare Grenzen. Neben dem Verhaltenskodex bekommen User Tipps, um ihren Account besser zu schützen. Der Spielregeln werden zwar klarer, das Problem der Meinungsfreiheit damit aber nicht aus der Welt geschafft.

Als Dick Costolo, ehemaliger CEO von Twitter, seine Position zu Beginn des Monats an Nachfolger Jack Dorsey abgab, ging er mit einer Warnung: Die größte auf Twitter zukommende Herausforderung sei die Wahrung der Meinungsfreiheit nach allen anderen Problemen mit Trollen und Extremisten. Dass Twitter mit dem Thema Sicherheit, Prävention und Aufklärung ernst macht, soll nun die Veröffentlichung des Safety Centers beweisen. User können hierüber den Verhaltenskodex einsehen und nachvollziehen, bis zu welchem Grad freie Meinungsäußerung geduldet wird und was das Unternehmen als Missbrauch versteht. Wie sich ein User blocken, Tweets muten oder Missbrauch melden lässt, erfährt man (auch) hier. Zudem bekommen speziell Teenager, Familien und Lerngruppen mit Dozenten eigens Ratschläge für die Twitter-Nutzung.  Zwar bietet die Seite keine konkreten Tools, um einen Missbrauch zu melden oder Hilfestelle schnell zu kontaktieren, dafür gibt sie aber Tipps, wie sich die eigene Privatsphäre oder die einer Gruppe wahren lässt und wie die Sichtbarkeit der eigenen und andere Tweeds geregelt wird. Welchen Beitrag das Unternehmen damit zur Meinungsfreiheit macht, wird hingegen nicht so recht ersichtlich.

Beleidigende Inhalte werden geduldet, sofern sie nicht gegen die Twitter Regeln und Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen. Außerdem vermitteln wir grundsätzlich nicht in Bezug auf Inhalte oder greifen in Auseinandersetzungen zwischen Nutzern ein.

Der Verhaltenskodex und andere Kriterien

Gewaltverherrlichung, Terrorismus gegen einzelne Personen oder Gruppen aufgrund der ethnischen Herkunft, nationaler Zugehörigkeit, Religion, sexueller Orientierung, Geschlecht, Geschlechtsidentität, Alter oder Behinderung werden nicht geduldet, heißt es auf der Seite. Soweit so gut – doch der Interpretationsspielraum, was als Missbrauch gewertet werden kann, wird durch mehr Vorgaben nur noch mehr ausgeweitet. So gibt es auch zum Spam einen Verhaltenskodex, der davor warnt, zu viel Aufmerksamkeit zu erregen durch aggressives Following-Verhalten – doch wo liegt der Maßstab? Daneben gibt es eine Klausel, dass man sich nicht als jemand anderes ausgeben darf, also eine real existierende Person bei Twitter darstellt, und dass gewisse private Informationen über andere nicht veröffentlicht werden dürfen. Doch kryptisch wird es in Sachen Parodie, Kommentar- und Fan-Accounts. So heißt es, dass Twitter zwar ausdrücklich die Ausdrucksfreiheit der User respektiere – dafür aber allerdings ein paar Spielregeln beachtet werden müssen. Neben den allgemeinen Geschäftsbedingungen müssen sogenannte „Parodie-Accounts“ gewisse Kriterien erfüllen, damit diese weder Marken- noch Identitätsrechte verletzen. Das betrifft unter anderem Namenzusätze in den Accounts wie „Nicht“, „Fake“ oder „Fan“.

Was passiert, wenn jemand eine Meldung über meinen Account einreicht?
Wenn jemand eine Meldung über Ihren Account einreicht und wir zu dem Schluss gelangen, dass Ihr Account nicht der Richtlinie zu Parodie-Accounts entspricht, können wir Ihren Account sperren.

So viele Regeln, so wenig Handlungsspielraum?

Es gibt so viele Auflagen und Vorgaben, – wenn man alles beim Wort nehmen möchte – dass jegliche Meinungsäußerung aus einer bestimmten Perspektive für politische oder ökonomische Interessengruppen oder Überzeugungsanhänger als inakzeptabel empfunden werden kann. Die User können alles melden, Twitter prüft und entscheidet schließlich, wer verwarnt oder ausgeschlossen wird. Wie bei der allgemeinen Sicherheitsdebatte stellt sich die Frage, ob sich durch mehr Kontrolle auch mehr Sicherheit für alle Beteiligten herstellen lässt, oder ob dies nicht auf lange Sicht gerade die Gefahr birgt, die freie Meinungsäußerung einzuschränken. Reddit durchlebt gerade einen ähnlichen Fall, nur dass dort die Beteiligten, vor allem die freiwilligen Moderatoren als Verwaltungsinstanzen, noch das Ruder in der Hand haben. Die Plattform, auf der womöglich die größten Meinungsverschiedenheiten herrschen, bietet durch seine Up- und Downvote-Funktion (auch für Kommentare zu Beiträgen) womöglich das beste Werkzeug der Selbstregulierung einer Community. Die Kontrolle über Online-Kommentierung durch eine einzige Instanz zu übernehmen, scheint nahezu unmöglich, da diese immer im Dienst einer bestimmten Überzeugung steht und andere Meinungen als unangemessen oder gar schlecht in Abseits drängt.

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