Hollywood entdeckt mit Virtual Reality eine neue Technologie für sich

Virtual-Reality-Filme – Revolution im Kinosaal?
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Wenn es um den Einsatzbereich von Virtual-Reality-Devices geht, denken viele zunächst an Videospiele. Während die zwar durchaus vielfältige Einsatzmöglichkeiten bieten, ist der Gaming-Bereich nicht der einzige, in dem VR-Devices für neue User Experiences sorgen können. Auch Hollywood und die Filmindustrie entdecken die virtuelle Realität immer mehr für sich.

So nehmen Filme, die auf das Seherlebnisse mithilfe von VR-Devices ausgelegt sind, bei den diesjährigen großen Filmfestivals bereits einen großen Raum ein – und könnten schon in naher Zukunft mehr als nur eine Bleeding-Edge-Technologie in der Filmindustrie werden. Immerhin, so zeigt Paul Sawers, hat in den Niederlanden bereits das erste permanente Virtual-Reality-Kino eröffnet; die Eröffnung von VR-Kinos an weiteren Standort sei bereits geplant. Doch was macht die virtuelle Realität für Hollywood überhaupt so attraktiv, und wie stehen die Kinobesucher zu den neuen VR-Angeboten? Genau dieser Frage ist zum Beispiel Erich Schwartzel in der Online-Ausgabe des Wall Street Journals nachgegangen.

2016 – das Jahr der virtuellen Realität?

Seit Jahren wird über sie geredet, auf den großen Durchbruch wartet sie aber immer noch: die virtuelle Realität. 2016 soll das anders werden – mal wieder. So stehen zahlreiche VR-Devices wie etwa die Oculus Rift in den Startlöchern und die großen Unternehmen wie Google oder Facebook buhlen um die Gunst der Nutzer.

Und nicht nur das, auch im Browser könnte die Darstellung von VR-Content bald funktionieren. Möglich wird das zum Beispiel durch das von Mozilla und Google gemeinsam entwickelte WebVR-API, das kürzlich mit Version 1.0 den ersten Meilenstein erreicht hat. Auch das Framework A-Frame hilft beim Erstellen von VR-Content; unterstützt werden hier zum Beispiel Desktop, Smartphone oder Oculus-Headset.

Ob 2016 nun aber wirklich das Jahr der virtuellen Realität wird, bleibt erstmal noch abzuwarten – wie gesagt, es heißt schon seit mehreren Jahren, dass es im Jahr 20xx endlich so weit sein soll …

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Hollywood entdeckt seine Liebe für VR

Filmfreunde sind in vielen Fällen nicht das, was man unter einem idealen Zielpublikum für die Einführung neuer Technologien versteht. So sind 3D-Brillen nach wie vor unbeliebt und viele Kinoenthusiasten weigern sich, 3D-Filme im Kino anzusehen. Angesichts dessen dürfte dem Erfolg von VR-Devices im Kinosaal erst mal nur wenig Erfolg beschieden sein. Mal ganz abgesehen davon, dass die Technologie noch längst nicht ausgereift ist, um 90- oder 120-minütige Streifen für den Otto-Normal-Kinogänger angenehm zu gestalten, denn Übelkeit und Schwindelgefühle sind bei der Nutzung von VR-Headsets immer noch für viele User an der Tagesordnung.

Das hält Filmemacher in Hollywood allerdings nicht davon ab, mit der neuen Technologie herumzuspielen und, so meint Schwartzel, die Filme-Hochburg auf den Kopf zu stellen:

Behind the scenes, […], VR is rewriting the script for Hollywood.

Natürlich werden noch keine Blockbuster mit Fokus auf die neue Technologie gedreht. Stattdessen sind es vor allem Kurzfilme, die sich mit VR-Headsets angucken lassen, meist in Screenings, die gerade mal zehn bis fünfzehn Minuten dauern, um Übelkeit beim Publikum vorzubeugen. Einige Beispiele für entsprechende Filme nennt Schwartzel etwa in seinem Artikel.

VR-Filme – ein vollkommen neues Filmerlebnis

VR-Filme bieten durchaus einiges an Potenzial, dem Kinobesucher ein vollkommen neues Filmerlebnis zu präsentieren, dass sich komplett von traditionellen Kinobesuchen unterscheidet. Während aktuell der Regisseur die Aufmerksamkeit des Filmeguckers mithilfe der Einstellungen und der Art und Weise wie bestimmte Szenen gefilmt werden, lenkt, erlaubt das VR-Headset dem Publikum, den Fokus selbst zu bestimmen:

The headset allows you to observe any aspect of a setting and, in some cases, even affect the way the story unfolds depending on where you look.

Für Regisseure stellen Virtual-Reality-Filme damit eine umso größere Herausforderung dar. Wie etwa wird verdeutlicht, an welcher Stelle sich die eigentliche Handlung abspielt? Wie kann man den Fokus des Publikums auf die wirklich wichtigen Geschehnisse im Film lenken?

Das sind zum Beispiel zwei Fragen, mit denen sich die Filmemacher künftig auseinandersetzen müssen. Doch es gibt bereits erste Lösungsansätze, etwa visuelle Hinweise in Form von Charakteren, die in die entsprechende Richtung zeigen. Auch das Audio-Format dürfte dabei eine große Rolle spielen: Ähnlich wie in der Realität konzentriert sich das Publikum auch bei VR-Filmen auf die Geräuschquelle und drehen sich in die entsprechende Richtung.

Allerdings dürften sich nicht alle klassischen Filmtechniken auch für die Betrachtung mit VR-Headsets umsetzen lassen – und auf manche Techniken wie etwa Close-Ups sollte man, so erklärt Regisseur Robert Stromberg vielleicht besser verzichten, weil sie zu intim werden könnten: „You actually feel like you’re intruding.“

Auf das richtige Equipment kommt es an

Damit man VR-Filme aber überhaupt richtig genießen kann, bedarf es natürlich des richtigen Equipments. Und das muss nicht mal teuer sein: Für die VR-Film-Experience zuhause auf der Couch reicht ein aus Cardboard hergestelltes Headset, das mit dem Smartphone und einer passenden VR-App verbunden wird, vollkommen aus. Wer es lieber luxuriös mag, muss schon tiefer in die Tasche greifen; die Oculus Rift soll knapp 600 US-Dollar kosten, wird mit einem Desktop-Rechner verbunden und bietet unter anderem „High-Resolution-Screens“ für die bestmögliche User Experience bei der Nutzung von VR-Devices.

Oder man besucht ein auf spezielle Filmvorführungen ausgerichtetes Kino, wie das eingangs erwähnte niederländische VR Cinema. Das kommt nicht nur mit passenden Headsets sondern auch mit Drehstühlen daher, die es den Besuchern ermöglichen, sich in unterschiedliche Richtungen zu positionieren um eine 360° Viewing-Experience zu erhalten.

Im Vordergrund steht beim VR-Kino allerdings nicht der Film, meint Paul Sawers in seinem Artikel zum Thema. Sind Kinobesuche normalerweise ein soziales Event, bei dem man gemeinsam für zwei Stunden den Film schaut und ihn anschließend mit den Freunden bespricht, steht beim VR Cinema vor allem die Technologie im Vordergrund:

With the VR Cinema, it feels like the talking point is designed to be more about the technology and the experience, rather than the movie.

VR-Filme – ein Fall für die Massen?

Das heißt allerdings nicht, dass VR-Kinos nicht trotzdem das Potenzial haben, sich in Zukunft zu etablieren – allerdings nicht zwingend als Technologie im Kinosaal, sondern viel mehr als Filmgenuss-Option für zuhause. Und selbst da kommt der soziale Aspekt beim Filme schauen nicht zu kurz. Immerhin, so stellt es sich Sawers vor, können mehrere Personen den gleichen Film zur gleichen Zeit schauen – und das nicht nur, wenn sie sich im selben Raum befinden, sondern auch Remote.

Bis es soweit ist, dürfte es aber noch einige Zeit dauern. Die Technologie, selbst wenn seit Jahren an ihr gearbeitet wird, befindet sich immer noch in einem frühen Stadium der Entwicklung und obwohl Hollywood durchaus Interesse an VR-Filmen zeigt, heißt das nicht, dass sie auch das breite Publikum begeistern werden – und genau von der Nachfrage wird der Erfolg von VR-Filmen letztlich abhängen.

Würdet ihr VR-Filme gucken?

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Aufmacherbild: Virtual Reality Film Award von Shutterstock / Urheberrecht: Scott Maxwell / LuMaxArt

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