Suchmaschinen

Warum immer Google? Vorteile und Alternativen
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In Deutschland nutzen 94 Prozent aller Internetnutzer Googles Suchmaschine. Was kann Google, was andere nicht können? Wenn es um spezielle Suchfunktionen, Zusatzdienste, Datenschutz und Werbung geht, können andere Suchmaschinen längst mit alternativen Geschäftsmodellen punkten. Das Problem steckt im Detail.

Spätestens seitdem im Jahr 2004 „googlen“ als fester Begriff für eine Suche oder Recherche im Internet  im Duden eingetragen wurde, dominiert der Suchmaschineanbieter 2015 mehr denn je mit über 94 Prozent Marktanteil die Deutungshoheit von relevanten Suchergebnissen. Der Anteil der Nutzer ist laut Statista sogar hierzulande im Vergleich zum Vorjahr um ganze drei Prozent gestiegen. Dass es sich bei diesem Zuwachs um keine Kleinigkeit handelt, erweist sich schon allein daran, dass Microsoft Bing als zweitbeliebteste Suchmaschine gerade mal auf 2,59 Prozent kommt. Alle anderen Anbieter liegen hinsichtlich ihrer Verbreitung weit unter zwei Prozent. Die Deutschen suchen nicht im Netz, sie googeln stattdessen. Ein einziges Unternehmen entscheidet darüber, was relevant ist und was nicht. Abgesehen von der Problematik einer Monopolstellung und einer singulären Meinungsbildung stellt sich die Frage, weshalb der Großteil aller Nutzer keinen anderen Dienst als Googles Suchmaschine verwendet?

Googles Suchergebnisse sind „besser“

Die Frage wird von den meisten schnell beantwortet: Mit Google lässt sich einfacher suchen – die Ergebnisse sind besser als bei anderen Suchmaschinen. Verständlicher Weise sind die Ergebnisse bei Google „besser“, da der Suchalgorithmus aus einer größeren Bandbreite von Suchanfragen die Relevanz bestimmten kann. Anders gesagt: Die Suchvorlieben und Suchgewohnheiten seiner User sind ihr vertrauter, weil sie häufiger und intensiver genutzt wird. Die Suchmaschine lernt durch ihren Gebrauch hinzu. Da aber jedes Unternehmen auch ein Geschäftsinteresse verfolgt, das politische Tendenzen aufweist, wird das Ranking neben den Nutzervorlieben auch der Unternehmenspolitik entsprechend angepasst. Das beginnt bereits bei der Auflistung von Neuigkeiten über Google News und endet bei der Ausspielung von Produkten, die durch Google vertrieben oder beworben werden. Kritische Artikel übr Google werden über den News-Aggregator deutlich weiter unten oder gar nicht angezeigt. Produkte, die über Google beworben werden oder dies es selbst über eines der Tochterunternehmen vertreibt, erscheinen deutlichen prominenter als andere Anbieter. Da Google längst als Maßstab für Suchanfragen gilt, hinterfragt die Mehrheit der Nutzer nicht mehr ihre Suchergebnisse. Es ist also auch der Bequemlichkeit der Nutzer zuzuschreiben, dass ein Unternehmen Monopolstellung erlangt. Schuld daran tragen alle, die im Internet seit Aufkommen der besten Suchmaschine der Welt mit Google googeln – und dazu gehören womöglich alle Nutzer, die jemals im Internet mal etwas gesucht haben. Die Lobbyarbeit von Google in der EU gegen striktere Datenschutzauflagen verschärfen das Problem.

Was macht der Wettbewerb? Bing und Yahoo

Es gibt (noch) keine ebenbürtige Suchmaschine im Internet, die es mit Google aufnehmen kann. Selbst Google-Kritiker müssen eingestehen, dass die bekannteste aller Suchmaschine auch für die alltägliche Suche die beste ist. Zahlreiche Tests von einschlägigen Magazinen und Bloggern bestätigen immer wieder dasselbe Ergebnis. Doch es gibt Suchmaschinen, die sich auf dem besten Weg befinden, mit ihrem Angebot andere Nachfragen zu bedienen. Sie verfolgen nicht nur ein anderes Geschäftsprinzip, sondern erlauben mitunter auch neue Suchmöglichkeiten. Die Suchmaschine Bing bietet dahingehend nur wenig Abwechslung zu Google – auch weil Microsoft ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt. Auch wenn Microsoft die Nutzerdaten nach einer gewissen Zeit anonymisiert, behält es sich trotzdem das Rechte vor, zuvor die Daten an Fremdanbieter weiterzureichen – die diese natürlich nicht anonymisieren. Yahoo  greift nun ebenfalls auf die Google-Suche zu, so dass man sich die Frage stellt, weshalb man überhaupt Yahoo und nicht gleich Google nutzen soll. Zuvor bezog Yahoo die Suchergebnisse von Bing. Als die voreingestellte Suchmaschine beim Firefox-Browser von Google auf Yahoo umgestellt wurde zu Beginn des Jahres, musste Google weltweit Einbrüche seiner Zugriffszahlen hinnehmen.

Nachfrage für vertrauenswürdige Suchmaschinen steigt

Wenn es aber darum geht, von Anfang an anonym nach Inhalten zu suchen, kommen Suchmaschinen wie Ixquick oder DuckDuckGo ins Rennen. Sie versprechen, dass Nutzer nicht verfolgt und ihre Suchanfragen nicht zu Werbezwecken erfasst werden. Außerdem bietet etwa DuckDuckGo neben den schon von Google bekannten Suchoperatoren, viele hilfreiche Shortcuts und vor allem sogenannte Bangs. Damit lässt sich via DuckDuckGo direkt auf die Suchergebnisse eines anderen Seitenbetreibers wie Facebook oder Amazon zugreifen. Ein „!“ mit der entsprechenden Seitenabkürzung und dem Suchbegriff genügt, und der User wird direkt auf die gewünschte Seite verlinkt – ohne den Umweg über die Suchmaschinen-Ergebnisse zu nehmen. Vor allem, wenn es darum geht, spezifischere Suchanfragen zu stellen, um etwa in bestimmten Ländern, nur in Headlines oder nur nach Medien zu suchen, hat DuckDuckGo eine intuitive Suchauswahl zu bieten. Die Zugriffzahlen auf DuckDuckGo sind weltweit um fast 600 Prozent in den letzten zwei Jahren gestiegen. Auslöser dafür waren zunächst die Änderungen der Google Privacy Policy wie auch die Snowden Affäre. Der aktuelle Traffic auf der Suchmaschine lässt sich immer einsehen.

Bangsuche

Vorgeschlagene Bangs im Auto-Suggest-Fenster.
Screenshot: https://duckduckgo.com

Werbung muss sein – nur wie?

Während DuckDuckGo mit Suchfunktionen brilliert, ist Ixquick dahingehend eher schlichter angelegt und legt die Geschäftsausrichtung mehr auf die Anonymität der Suchanfragen und schöpft zudem als Meta-Suche auch von anderen Anbietern. Die IP-Adresse des Users soll über den Dienst jedoch nicht erfasst werden, der Nutzer bleibt vollkommen anonym. Vor allem als mobile App kann die Suchmaschine auch als eine Art Browser punkten. Beide Suchmaschinen finanzieren sich ebenfalls über Anzeigen. Allerdings sind diese immer als „Ad“ oder „Werbung“ markiert, stehen ganz oben in den Ergebnissen und beziehen sich lediglich auf die konkrete Suchanfrage. Sucht man also bei Ixquick oder DuckDuckGo nach einem Produkt und wird einem dazu ein Werbeergebnis oberhalb der offiziellen Seite angezeigt. Es schadet nicht, auch mal den Link über die Werbung zu klicken, denn über die Keyword-Werbung finanziert sich die Suchmaschine letztlich. Da es bisweilen keine versteckte Werbeinhalte gibt, diese immer markiert sind und sich nur auf den konkreten Suchbegriff beziehen, kann das Angebot des Suchmaschinenanbieters hierüber honoriert werden.

Erweiterte Suche bei Ixquick Screenshot: https://www.ixquick.com/

Erweiterte Suche bei Ixquick
Screenshot: https://www.ixquick.com/

 

Während Google immer relevante Werbeinhalte aus der Summe aller bisherigen Suchanfragen eines Nutzers generiert, kann es hierüber auch zu unangenehmen Werbevorschlägen kommen. Denn nicht jede private Suchanfrage möchte man auch von einem Unternehmen verarbeitet wissen – zumal dem User nicht die Entscheidung überlassen wird, ob er dies will oder nicht. Google und Bing platzieren zudem auf dem Rechner des Users Cookies, die dessen Netzverhalten genauestens verfolgen und auswerten, damit die personenbezogene Werbung realisiert werden kann. Manch einer befürwortet peronalisierte Werbung, weil man dadurch auf Dienstleistungen oder Produkte aufmerksam wird, die man selbst nicht auf dem Schirm hatte. Es wird als Anregung verstanden. Andere User möchten hingegen nicht, dass ihre privaten Informationen verarbeitet werden. Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen.

Karten, Medien, News: die Extras der Suchmaschinen-Alternativen

Wenn es um die Kollaboration von unterschiedlichen Internetdiensten wie einer Newsfunktion, Kartendiensten, Übersetzungen usw. geht, kann der Wettbewerb es ebenfalls nur schwerlich mit Googles Funktionsportfolio aufnehmen. Doch auch hier tut sich etwas. Während Ixquick weitestgehend nur als präzise Suchmaschine für Seiten, Bilder und Videos taugt, setzt DuckDuckGo mittlerweile auch auf Zusatzdienste seiner Suchmaschine. So gibt es auch hierfür einen Kartendienst, der sich in der Suchanfrage über „Map“ plus dem Zielort ansteuern lässt. OpenStreetMap wird hierfür als Kartendienst verwendet. Zudem gibt es eine News-Funktion, die allerdings bisher nur auf englischsprachige Medien verweist. Bilder, Videos, Wetter, Produktinformationen und Direkterklärungen einer bekannten Person oder eines Sachverhalts werden ebenfalls zur Auswahl gestellt.

Screenshot: https://duckduckgo.com

Screenshot: https://duckduckgo.com

Fazit: Legt man als User Wert auf Privatsphäre und Selbstbetsimmung, gibt es bereits vergleichbare Alternativen zu Google. Auch wenn deren Funktionsumfang und Präzision nicht an die von Google heran kommen, verbessert sich auch deren Angbot mit ihrem Gebrauch zusehends. Bing hat bereits ein vergleichbares Portfolio – allderings sind auch die kritischen Aspekte ähnlich. DuckDuckGo verzichtet auf Tracking und bietet zudem praktische Suchfunktionen und Shortcuts, die Google und Bing nicht bieten. Die anonyme Suchmaschine Ixquick hat einen bescheideneren Funktionsumfang. Werbung ist wichtig – allerdings ist ein fairer Umgang mit Nutzerinformationen, Transparenz und das Recht, nicht durch Cookies verfolgt zu werden, ebenso essenziell. Suchmaschinen können nur ihren Dienst anbieten, wenn sie sich durch Werbung finanzieren können. Der User entscheidet darüber, wie er auf Werbung aufmerksam gemacht werden möchte und ob dieser eines der Geschäftsmodelle durch die Nutzung unterstützt. Um die Vielfalt und Lebendigkeit des Wettbewerbs aufrecht zu erhalten, ist es außerdem sinnvoll, nicht ausschließlich eine einzige Suchmaschine zu verwenden, sondern je nach Suchanforderung einen der Anbieter zu wählen.

Aufmacherbild: Market Share via Shutterstock, Urheberrecht: Monkik

 

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