Node.js im Spiel der Mächte: Was will StrongLoop wirklich mit io.js?
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StrongLoop hat eine offizielle Stellungnahme zum Node.js-Fork io.js abgegeben. Obwohl das Unternehmen selbst maßgeblich an io.js beteiligt ist, empfiehlt es seinen Kunden vorerst noch die Nutzung von Node.js. Macht StrongLoop also einen Rückzieher?

Node.js im Spiel der Mächte

Wie berichtet, hatten Mitarbeiter von StrongLoop zusammen mit Node-Core-Entwickler Fedor Indutny das Projekt io.js aus der Taufe gehoben, das die Node-Codebasis schneller mit Neuerungen versorgen und unter eine offene Verwaltungsstruktur stellen will. Die Kampfansage lautet: Bereits am 13. Januar 2015 soll eine erste Alpha von io.js 1.0.0 erscheinen.

Im Blogpost StrongLoop’s Position on io.js hat StrongLoop das Projekt io.js jetzt kommentiert – und dabei überraschend sanfte Töne angeschlagen. Ein Fork wie io.js sei in einer solch aktiven Community wie Node.js keine Überraschung, schreibt StrongLoop. Zu früh sei es aber noch, um vorherzusehen, ob die Node Community – User wie  Anbieter – diese alternative Version von Node unterstützen werde.

Die Unterstützung sagt StrongLoop deshalb dem Projekt zu, das von der Community bevorzugt wird und am besten mit den bei StrongLoop entwickelten Tools und Frameworks harmoniert. Langfristig gesehen wäre man zwar glücklich, diese Anforderungen mit einem offenen Entwicklungs- und Beteiligungsmodell verbunden zu sehen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt werde man der Community und den Kunden die offiziell bei nodejs.js gehosteten Binaries empfehlen.

Rückzieher von io.js?

Fast wie ein Zurückrudern klingen diese betont versöhnlichen Worte. Auch wenn klar ist, dass sich StrongLoop nicht Hals über Kopf in das gewagte Unterfangen eines Forks stürzen wird, der möglicherweise nicht von der (gesamten) Community getragen wird – hat man sich erst einmal die Mühe eines Forks gemacht, werden üblicherweise die Werbetrommeln für diesen gerührt.

Nimmt man indes die beiden Tatsachen ins Auge, dass 1) StrongLoop sich auch an der Entwicklung von Node 0.12 beteiligt, und 2) man sich auch mit io.js noch nicht zur Einrichtung einer unabhängigen Stiftung durchgerungen hat, kommt man zu einem ganz anderen Schluss:

Io.js ist womöglich lediglich die nächste Eskalationsstufe im Streit zwischen StrongLoop und Node.js-Sponsor Joyent. Geht es vielleicht noch immer – und vor allem – darum, Joyent dazu zu bewegen, Node.js an eine unabhängige Institution zu übergeben?

Nun, wie für StrongLoop eine solche offene Institution auszusehen hätte, ist auf GitHub in der Beschreibung des Technical Committee für io.js nachzulesen:

  • Die Anzahl der Mitglieder sollte zwischen 6 und 12 liegen.
  • Es gibt keine zeitliche Beschränkung der Mitgliedschaft im TC.
  • Lediglich ein Drittel des TC darf mit Personen besetzt werden, die zum selben Unternehmen gehören.
  • Entscheidungen sollen möglichst im Konsens getroffen werden.
  • Wenn ein Konsens nicht zu erzielen ist, wird zu einer Abstimmung aufgerufen, in der die Mehrheit entscheidet.
  • Meetings werden wöchentlich via Google Hangout abgehalten und dann auf YouTube veröffentlicht.

Diese Beschreibung kann man durchaus als Gegenmodell zu Joyents eigens einberufenem Advisory Board lesen, das den io.js-Machern offenbar nicht offen bzw. mächtig genug ist. Schaut man sich in der Node-Add-Board-Charta um, so findet man nämlich Sätze wie:

  • The Node.js Advisory Board is not intended to serve as an authoritative governance board. The Node.js Advisory Board advises, but does not manage the Node.js project core committers team leadership.
  • The Node.js Advisory Board will have 13 members
  • 2 seats for the top core technical contributors
  • Up to 8 additional seats: 4 corporate seats, 4 “user” seats
  • One curator seat
  • One Open Source Software guidance seat
  • The membership term will last 12 months. With the exception of the Project Lead, all members can serve a maximum of two consecutive terms

Was will StrongLoop – und was will die Community?

StrongLoop bezeichnete dieses Advisory Board in ihrem Blogpost lediglich als „ersten Schritt hin zur Einrichtung eines offenen Governance-Modells, das von einer unabhängigen Foundation geführt wird“. Die unterschwellige Botschaft lautet also: Folgen keine weiteren Schritte in die gewünschte Richtung, macht man Ernst mit io.js.

Stellt sich nur die Frage, ob die Community diese Machtspielchen nicht bald müde wird.

Aufmacherbild: Struggle between blue and white collar workers von Shutterstock / maxicam

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