Im Interview mit Dr. Holger Schwichtenberg

NoSQL ist kein Ersatz für relationale Datenbanken
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Viel Bewegung ist in letzter Zeit in den Bereich der Daten-Persistierung gekommen, in dem das objektrelationale Paradigma um sogenannte NoSQL-Ansätze erweitert wurde. Im Rahmen des Data Access Day auf der Basta! behandelt Moderator Dr. Holger Schwichtenberg Datenzugriffsstrategien und Datenbankschnittstellen, insbesondere auch hinsichtlich ihrer Produktivität und Leistung. Im Interview mit dot.NET gibt Schwichtenberg jetzt schon einen kleinen Vorgeschmack auf den anstehenden Special Day.

dot.NET: Eine zentrale Funktion in .NET-Anwendungen ist der Zugriff auf Datenbanken und andere Datenquellen. Welche verschiedenen Datenzugriffsstrategien gibt es?

Dr. Holger Schwichtenberg Hier gibt es verschiedene Dimensionen zu betrachten. Zunächst einmal entscheiden sich viele Unternehmen, Datenzugriff nur über Stored Procedures zu erlauben oder große Teile der Logik in die Datenbank selbst zu verlagern.
Innerhalb der Datenzugriffsschicht im Programmcode kann man dann unterscheiden zwischen dem klassischen tabellenorientierten Datenzugriff mit DataReader und DataSet oder dem objekt-relationalen Mapping mit Frameworks wie z.B. nHibernate, Telerik Open Access oder dem ADO.NET Entity Framework (um nur drei von vielen zu nennen!).

dot.NET: Was ist das ADO.NET Entity Framework und wie hat es sich seit .NET 4.0 verändert?

Dr. Holger Schwichtenberg Das ADO.NET Entity Framework ist ein Objekt-Relationaler Mapper von Microsoft, den Microsoft nun selbst als die „empfohlene Datenzugriffstechnik für neue Projekte“ bezeichnet. Version 4.0 (die eigentlich Version 2.0 war) ist zusammen mit .NET 4.0 im April 2010 erschienen. Seitdem gab es inzwischen drei Erweiterungen (4.1 bis 4.3), insbesondere hinsichtlich des Code Only-Modells, bei dem man weder eine Datenbank noch ein Entity Data Model braucht, sondern mit einfachen .NET-Klassen startet. Version 5.0 wird zusammen mit .NET 4.5 erscheinen und eine weite Bandbreite von Neuerungen bringen, z.B. die Aufteilung eines Entity Data Model auf mehrere Diagramme und Unterstützung für enum und Geo-Datentypen. Das ADO.NET Entity Framework-Team hat die Releases und Versionszählung von dem .NET Framework entkoppelt.

dot.NET: In Ihrer Basta!-Session greifen Sie auch in die Trickkiste und zeigen, wie man die Zugriffsleistung bei großen Datensätzen optimieren kann. Können Sie hier ein Beispiel geben?

Dr. Holger Schwichtenberg Ein Beispiel für Leistungsoptimierung sind NoTracking-Queries, wie in meinem Artikel ADO.NET-Entity-Framework: Ladeoptimierung durch Abfragen ohne Änderungsverfolgung beschrieben.

dot.NET: NoSQL-Datenbanken erleben gerade einen Hype – ist dieser aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?

Dr. Holger Schwichtenberg NoSQL-Datenbanken haben in bestimmten Szenarien einige Leitungsvorteile. Aber Sie sind keineswegs ein kompletter Ersatz für die relationalen Datenbanken. Das wird oft übersehen.

dot.NET: Was erwartet die Besucher der Data Access Days auf der Basta! sonst noch?

Dr. Holger Schwichtenberg Großes Thema beim Data Access Day ist natürlich das Entity Framework, denn das ist der inzwischen am meisten genutzte Objekt-Relationale Mapper in der .NET-Welt. Hierzu haben wir drei Vorträge. Darüber hinaus geht es um NoSQL-Datenbanken sowie OData, ein von Microsoft sehr forciertes Protokoll zur Datenübertragung im REST-Stil. Mit OData kann man spannende Sachen machen und es wird nicht nur in .NET, Java, PHP und JavaScript, sondern auch von einfachen Clients wie Excel unterstützt. Kommen Sie zum Data Access Day und staunen Sie, was da alles geht!

dot.NET: Vielen Dank für das Interview!

Data Access Day

Donnerstag, 01. März 2012

Der Datenzugriff auf Datenbanken und andere Datenquellen ist eine zentrale Funktion in den meisten .NET-Anwendungen. Er stellt eine Herausforderung für die Entwicklung dar, weil gerade hier oft viel Entwicklungsarbeit investiert werden muss und viele Leistungsengpässe zur Laufzeit entstehen. Der Data Access Day behandelt Datenzugriffsstrategien und Datenbankschnittstellen (wie z.B. ADO.NET Entity Framework) insbesondere auch hinsichtlich ihrer Produktivität und Leistung. Neben dem Zugriff auf relationale Datenbanken werden dabei auch moderne NO-SQL-Lösungen und Cloud-basierte Ansätze behandelt.

Die Sessions im Überblick:

  • Manfred Steyer: Warum relationale Datenbanken in der Cloud an ihre Grenzen stoßen
  • Manfred Steyer und Dr. Holger Schwichtenberg: Was ist neu im ADO.NET Entity Framework 4.5
  • Dr. Holger Schwichtenberg: ADO.NET Entity Framework: Leistungsoptimierung und andere Tricks
  • Peter Pohmann: Entities-Entwicklungsmuster
  • Christoph Pletz: OData: das „Web-ODBC“

Dr. Holger Schwichtenberg ist Leiter des bekannten .NET-Expertennetzwerks www.IT-Visions.de, das zahlreiche Unternehmen in Europa durch Beratung, Schulung, Coaching, Support und die Übernahme von Entwicklungsleistungen unterstützt. Dr. Holger Schwichtenberg gehört durch seine Auftritte auf nationalen und internationalen Fachkonferenzen sowie zahlreiche Fachbücher für Addison-Wesley, Microsoft Press und den Hanser-Verlag zu den bekanntesten .NET-Experten in Deutschland. Darüber hinaus ist er ständiger Mitarbeiter der Fachzeitschriften dotnet magazin, dotnetpro und iX sowie bei heise.de. Von Microsoft ist er für sein .NET-Fachwissen ausgezeichnet als Microsoft Most Valuable Professional (MVP) für ASP.NET. Sein Weblog finden Sie unter www.dotnet-doktor.de .

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