Open-Source-Lizenzvergabe und der verbreitete Irrglaube zum Licensing
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Ein Thema, das für alle Arten von Entwicklern und Webdesigner von großer Bedeutung ist, von dem viele aber nur unzureichende Kenntnisse haben, ist die Lizenzvergabe. Es gibt zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, die selbst erstellte Software mit einer Lizenz zu versehen, und mittlerweile werden Entwickler dazu zum Beispiel auch von GitHub ermutigt.

John Eckman erklärt im Open-Parenthesis-Blog warum die Lizenzvergabe wichtig ist und klärt über verbreiteten Irrglauben auf.

4 verbreitete falsche Annahmen zur Lizenzvergabe

Wenn es um die Lizenzvergabe geht, unterliegen viele Webentwickler und -Designer einigen weit verbreiteten Irrglauben, gerade wenn es um die General Public Licence, kurz GPL, geht. Dazu gehört vor allem die sogenannte Copyleft-Clause, die besagt, dass wenn man Änderungen an einem unter der GPL lizensierten Projekt vornimmt und diese vertreibt, sie ebenfalls unter der GPL lizenziert werden müssen.

Tatsächlich ist das aber nur der Fall, wenn solche Projekte-Derivate vertrieben werden. Nutzt man sie nur auf den eigenen Servern, müssen sie nicht unter der GPL lizensiert und anderen zugänglich gemacht werden, wie John Eckman erklärt:

if you are not distributing your modifications/derivative works, you need not share them with anyone, including the source project.

Ein weiterer verbreiteter Irrglauben im Lizenz-Dschungel ist die Annahme, dass die GPL eine Art „Randlizenz“ ist, der nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden sollte. Was viele dabei aber vergessen, ist die Tatsache, dass viele der erfolgreichsten Open-Source-Projekte und -Content-Management-Plattformen unter der GPL lizensiert sind.

Genauso glauben viele, dass Creative Commons die GPL inspiriert hat, während es in Wirklichkeit genau anderes herum war – immerhin wurde die zweite Version der GPL bereits 1991 veröffentlicht, während Creative Commons ihre erste Lizenz erst in 2002 veröffentlichten.

Duale Lizenzvergabe

Eine weitere Annahme, die vielerorts für Missverständnisse hinsichtlich der Lizenzvergabe bei Open-Source-Projekten sorgt, ist die Frage der dualen Lizenzvergabe. Ein Projekt mit mehreren Lizenzen freizugeben ist keine Neuheit, die erst in der letzten Zeit immer mehr Verbreitung findet. Stattdessen gibt es die duale Lizenzvergabe bereits seit vielen Jahren, etwa bei den Office-Produkten von Microsoft oder Adobe Photoshop.

Allerdings ist die duale Lizenzvergabe bei Open-Source-Projekten oftmals komplexer, als bei kommerzieller Software, da der Urheber der Lizenzänderung zustimmen muss. Bei Projekten, bei denen die Arbeit mehrerer Mitarbeiter in die finale Version übernommen wurde, kann die Lizenz daher oft nicht rückwirkend geändert werden.

Die Lizenzvergabe ist also ein wichtiges Thema, insbesondere für Open-Source-Projekte. Dazu erklärt John Eckmann:

it is really critical that people understand what the GPL does and does not require.

Denn selbst wenn es nicht zwingend nötig ist, das eigene Open-Source-Projekt mit einer Lizenz zu versehen, sollte man sich zumindest mit dem Thema auseinandersetzen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Aufmacherbild: Hands holding a clapper board with LICENSING text von Shutterstock / Urheberrecht: stockCe

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