Open Source vs. Open Web: Das sagen die Profis zu Operas Gang zu Chromium
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Gestern hatte Opera offiziell bekanntgegeben, dass die eigene Rendering Engine Presto nicht weiter verwendet wird, und stattdessen die Chromium-Erzeugnisse WebKit und V8 sich in sämtlichen Browsern um

Gestern hatte Opera offiziell bekanntgegeben, dass die eigene Rendering Engine Presto nicht weiter verwendet wird, und stattdessen die Chromium-Erzeugnisse WebKit und V8 sich in sämtlichen Browsern um HTML/CSS und JavaScript kümmern werden. Während interne Vertreter den Schritt als sinnvoll begründen, sehen Open-Web-Verfechter eine Gefahr für die Zukunft der Webstandards, da sich in einer drohenden (und im Mobile Web schon jetzt realen) WebKit-Monokultur das Machtgefüge schnell umkehren kann.

Mozilla-Entwickler Robert O’Callahan befürchtet, dass Opera nur schwer gegen Google und Apple bei der Ausarbeitung von Webstandards ankommen könnte. Er schreibt in seinem Blog-Eintrag:

I thought highly of their Presto engine and their Web standards work. Their impact on Web standards will be dramatically reduced, especially where they want to do something differently to Apple and Google. The big loss for the Web is a further decrease in the diversity of browser engines, especially on mobile devices.

Robert O’Callahan

-o-ha-Erlebnisse beim Testen

Opera war ein störrischer Bock beim Testen neuer Web-Projekte. Christian Heilmann geht so weit, Opera als den Douglas Crockford der Browser zu bezeichnen (benannt nach dem Erfinder des knatschigen JavaScript-Test-Tools JSLint). Denn wenn ein Test im Opera missglückte, dann lag dies nur im seltensten Fall am Browser.

I always called Opera the Douglas Crockford of browsers as it was ruthless in its implementation of standards. If something didn’t work in Opera there is a good chance that you did something wrong. Even better – fixing it in Opera in most cases meant looking at how the W3C standard meant things to work and write your code accordingly, which in most cases meant no change in other browsers, but cleaner code overall. Opera was my linting tool.

Christian Heilmann

Doch da dies nicht jeder so gesehen hatte, und der Marktanteil von Opera bei ca. zwei Prozent lag, waren Tests in Opera eher ein Luxus. Dabei hat selbst Jake Archibald vom Chrome-Entwicklerteam zugestimmt, und Opera zum Aufspüren von Fehlern in W3C-Spezifikationen eingesetzt.

-o-brother; Where Art Thou?

Große Probleme sieht Webstandard-Experte und -Berater Peter-Paul Koch für die Etablierung künftiger W3C-Standards. Denn um vom W3C spezifiziert zu werden, muss ein neuer Standard zwei vollständig kompatible Implementierungen haben. Mit dem Wegfall der Presto-Engine könnte sich das Tempo stark reduzieren, da Opera neue Standards traditionell schnell implementiert hat.

Auf der anderen Seite könnte es Opera künftig schwerer fallen, neue Features in WebKit durchzusetzen, da es nur einer von vielen Playern bei der Entwicklung der Open-Source-Engine ist. Alternativ könnten manche WebKit-Mitglieder exklusive Features in Engine-Forks bereitstellen, was zusätzliche Verwirrung bei der Definition neuer W3C-Standards stiften könnte. Koch schreibt dazu:

Will a feature that’s implemented in only one or two WebKit-based browsers count as an interoperable implementation for W3C? I don’t know, and I suspect W3C doesn’t know either. Still, this question has suddenly become rather important.

Peter-Paul Koch

Nicht jeder ist so erschüttert oder besorgt über Operas Entscheidung. So hat sich jQuery-Erfinder John Resig für Web-Entwickler gefreut, die sich künftig um einen Browser weniger kümmern brauchen. Auch PHP-Magazin-Redakteur Tom Wießeckel begrüßt es, dass Opera im zweiten Browser-Krieg die weiße Flagge schwenkt.

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