Die unerkannten Karrierekiller

Pessimismus, Passivität und Perfektionismus
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Nicht jede Charaktereigenschaft wirkt sich positiv auf die Karriere aus. Doch wie kann man hausgemachten Karrierekillern proaktiv entgegenwirken? Jutt Limberger erklärt es in folgendem Artikel.

Jeder dürfte das Gefühl kennen: es scheint, als laufe irgendwie alles schief. Man ist weit davon entfernt, seine Arbeit zu schaffen, der Chef nervt mit ständig neuen Ideen und Vorschriften, die Kollegen gehen einem mit ihrem „Superman“-Image auf den Wecker. Seit Wochen hängt man an einem Projekt, das kein Ende nimmt. Bereits letzte Woche wollte man einen Statusbericht an die Geschäftsführung schicken, aber man wartet noch immer auf wichtige Informationen und wollte den Report auch optisch noch etwas aufpolieren. Zuhause fällt einem ein, dass man schon seit Tagen seinen besten Freund anrufen wollte, um ihm nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren und für die Party morgen abzusagen, weil man ja unbedingt noch den Report übers Wochenende fertig machen muss. Man fühlt sich wie in einer Sackgasse ohne Ausweg. Das Ergebnis: man hat ein permanent schlechtes Gewissen – immer und überall.

Aber wer oder was ist eigentlich Schuld an der ganzen Misere? Für „echte“ Miesepeter sind es meist die anderen oder die Umstände, die einen angeblich daran hindern, die Dinge so zu erledigen, wie man gerne möchte. Nun ist gelegentliche Schwarzseherei sicher kein Grund, an seinen generellen Grundsätzen zu zweifeln. Will man aber wirklich etwas ändern, muss man sich und sein eigenes Verhalten befragen. Der Trick dabei ist aber, die Dinge erst mal so zu sehen und so zu akzeptieren, wie sie nun mal sind. Und auch der pessimistische Optimist kann beim genaueren Hinsehen erkennen, dass vieles gar nicht so schwarz erscheint, wie es auf den ersten Blick aussieht. Die Herangehensweisen im Alltag werden nämlich ganz erheblich von der persönlichen Einstellung beeinflusst. Wer immer gleich abblockt und alle neue Ideen als nicht machbar einstuft, weil man ja ohnehin schon so viel zu tun hat, der riskiert, stehenzubleiben und dabei immer frustrierter zu werden. Wer sich aber mit neuen Methoden oder Umständen generell anfreunden kann und neugierig und motiviert an die Sache herangeht, überzeugt nicht nur seinen Chef und die Kollegen von seinem Engagement, sondern hat auch selbst mehr Spaß an der Arbeit. Dadurch kann er seine Energie für Innovationen effektiver zum Einsatz bringen.

Wer immer grimmig auf neue Informationen reagiert, sich zu wenig Zeit für die Abstimmung mit den Kollegen nimmt und seine Arbeitsergebnisse zwar perfekt, aber immer mit Verspätung abliefert, darf nicht damit rechnen, dass er auf die Liste der „High Performer“ avanciert. Genau das erwartet man aber dafür, dass man wochenlang Überstunden gemacht, seinen Freunden für das Wochenende abgesagt und die Arbeit immer wieder in den Lebensmittelpunkt gestellt hat. Dass man dabei den Blick für das Wesentlich verloren hat, bemerkt man oft zu spät.

Pessimismus, Passivität und Perfektionismus sind daher häufig vorkommende Karrierekiller, die noch dazu meist gar nicht als solche wahrgenommen werden. Interessanterweise gehen diese drei Charaktereigenschaften auch Hand in Hand, ohne dass man selbst davon etwas merkt. Seine Arbeit perfekt machen zu wollen, gilt in vielen Köpfen nämlich immer noch als Stärke – die Kehrseite der Medaille sieht man dabei in den meisten Fällen nicht. Ob nämlich ein Ergebnis wirklich „perfekt“ ist, kann man nur dann mit Bestimmtheit sagen, wenn das Ergebnis klar definiert und spezifiziert ist und alle Beteiligten, die mit dem Ergebnis in Berührung kommen, es ebenfalls als „perfekt“ empfinden. Dies ist aber meist nicht der Fall, denn jeder hat eine andere Definition davon, was „perfekt“ bedeutet.

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