Pessimismus, Passivität und Perfektionismus (Teil 2)
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Für den einen ist es, die wichtigsten Dinge im vorgegebenen Zeitplan zu erledigen, sodass den Stakeholdern, Kunden oder dem Vorgesetztem pünktlich ein zufriedenstellendes Ergebnis präsentiert werden

Für den einen ist es, die wichtigsten Dinge im vorgegebenen Zeitplan zu erledigen, sodass den Stakeholdern, Kunden oder dem Vorgesetztem pünktlich ein zufriedenstellendes Ergebnis präsentiert werden kann, das den Erwartungen entspricht. Für den anderen wiederum ist ein Ergebnis nie wirklich perfekt und man benötigt immer mehr Zeit, um z. B. bei einer Anwendung noch mehr einzubauen als unbedingt erforderlich ist, eine Benutzer-Oberfläche optisch noch ansprechender zu gestalten oder einen Bericht bis in alle Details auszuführen. Andere Dinge bleiben dafür liegen, Deadlines können nicht eingehalten werden und der Kollege oder Vorgesetzte, der wiederum auf das Arbeitsergebnis oder den Bericht wartet, macht bereits Druck. Ihm ist auch nicht klar, warum die Arbeit noch nicht erledigt ist, und empfindet das Verhalten seines perfektionistischen Mitarbeiters eher als passiv und unstrukturiert. Vor allem, wenn bei all der Zeitnot auch noch die Kommunikation zu kurz kommt und man verpasst hat, rechtzeitig darauf hinzuweisen, dass man den vereinbarten Abgabetermin nicht einhalten kann. Der Perfektionist ist somit permanent unzufrieden mit seiner Arbeit. Eigentlich ärgert es ihn, andere warten zu lassen, genauso wie ein halbfertiges Ergebnis abzuliefern. Auf zusätzliche Anfragen oder Termine reagiert er dann auch entsprechend gereizt, weil ihn diese immer mehr von seinem Ziel entfernen und in seinen Augen nur unnötig aufhalten. Auf diese Weise gerät er immer mehr in einen Strudel, aus dem er nur schwer wieder rauskommt. Kollegen, Kunden und Vorgesetzte stören sich ebenso an dem Verhalten, anstatt das „perfekte“ Arbeitsergebnis zu würdigen.

Wie schafft man es aber, aus dem Sumpf herauszukommen und sich wieder für neue Aspekte im Job zu begeistern? Indem man seine Ansprüche herabsetzt und sich auch mit einer 80-Prozent-Lösung zufrieden gibt, um mehr Zeit für neue Aufgaben zu haben? Das muss nicht sein, denn schließlich will man seine Sache ja auch gut machen und zeigen, dass man seine Kompetenz effizient einsetzt. Das Zauberwort, das den Karrierekillern entgegenwirkt und auch mit einem „P“ beginnt heißt: Professionalität! Und das bedeutet:

  • Haltung wahren, auch wenn es hoch her geht.
  • Offen, sachlich und klar kommunizieren, wie man eine Aufgabe zu lösen gedenkt und bis wann man diese erledigen kann.

  • Immer mit dem Unerwarteten rechnen und vorausschauend planen.
  • Prioritäten setzen und darauf achten, dass man selbst dabei nicht zu kurz kommt.
  • Sein Arbeitsergebnis in der Qualität abgeben, in der man es auch selbst erwarten würde.
  • Sich für seine Arbeit begeistern und den Anfragen und Ideen anderer wertschätzend begegnen.
  • Seine eigene Sichtweise und sein Verhalten regelmäßig hinterfragen und die Schuld für als miserabel empfundene Umstände nicht bei anderen suchen.

Wer langfristig merkt, dass ihn die Situation im Job zum passiven Pessimisten werden lässt, sollte sich konsequent nach einer neuen Herausforderung umsehen. Love it or leave it, lautet die Erfolgsdevise. Denn nur wer beweist, dass er seine Arbeit im Griff hat, weil sie ihm Spaß macht und er mit Leidenschaft an die Sache herangeht, wird letztlich auch seinen Vorgesetzten überzeugen, dass man bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen und belastbar genug ist für die nächste Karrierestufe.

Yasmine Limberger ist Dipl.-Betriebswirtin und arbeitet seit mehr als 10 Jahren in der IT-Beratung. Verantwortlich beim Systemintegrator Avanade Deutschland GmbH u. a. für die Bereiche Recruiting und Personalmarketing, hat sie langjährige Erfahrungen in der Auswahl von IT-Fach- und Führungskräften. Ihre Spezialgebiete sind neben Persönlichkeitswahrnehmung, Training und Coaching auch Marketing und Alliance Management. Kontakt: yasmine.limberger@avanade.com.

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